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Wenn ich abends in Großstädten

oder im Zug unterwegs bin, geschieht es mir leicht.

Ich versuche meine Umgebung und mein mögliches Gegenüber  einzuschätzen. Kann er oder sie gefährlich werden? Sollte ich lieber die Straßenseite wechseln oder ein anderes Abteil aufsuchen? Natürlich spielt dabei eine leichte Angst eine Rolle, aber auch meine Vorurteile und vielleicht schlechte Erfahrungen. Wer so und so aussieht oder wirkt, dem trauen wir nicht, obwohl diese Einschätzung meistens falsch ist. Die wirklichen Bösewichte sehen eben oft gar nicht so aus wie unsere Vorurteile. 

Dass das Äußere vor allem bei Gott nicht zählt, musste Petrus noch viel umfassender lernen. Gott selbst schickt ihn nach einer dreimaligen eindrücklichen Vision in das Haus des Cornelius, einem Römer. Und ausgerechnet dieser Mann, ein Heide und eigentlich sein Feind und Besatzer, wurde sein Bruder. Der erste Christ, der nicht vorher Jude oder zumindest jüdisch assimiliert war.                          

Heute können wir nur noch schwer ermessen, welchen Riesenschritt auch Petrus mit dieser Bekehrung des Cornelius gegangen war. Und sein Ausruf spiegelt noch einmal seine eigene Überraschung und Begeisterung wieder. Gottes Liebe ist grenzenlos, sie gilt jedem Menschen, der Ihn aufrichtig sucht.                  

Bei aller Freude – diese  Erkenntnis des Petrus stellt auch uns Christen  heute immer wieder auf den Prüfstand. Wenn Gott jeden Menschen  liebt und nur die Sehnsucht nach Ihm gilt, dann haben wir auch nicht zu bestimmen, wer zu uns passt und für wen unsere Gemeinde da sein soll.  Gott und sein Geist wird sich nicht nach unseren Vorstellungen richten. Vielleicht möchte uns Gott  sogar mit Menschen bekannt machen, derentwegen wir sonst lieber das Abteil gewechselt hätten.               

Aber wie unerwartet unsere Kontakte auch sein werden, sie können ähnlich wie bei Petrus  zu überraschenden Erfahrungen werden:  wie groß und umfassend die Liebe  Gottes ist,  die peinliche Beobachtung, wie tief und falsch unsere Vorurteile sind, wie unterschiedlich die Suche nach Gott sein kann, dass die ehrliche, Gott gewirkte Liebe alle Unterschiede überwinden kann.                    

Solche und noch viel mehr überraschende Erfahrungen wünsche ich Ihnen, besonders da die Urlaubszeit ja viele Möglichkeiten für Kontakte bietet. 

Ihre/Eure Pastorin

          Ruthild Steinert