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Gott und uns begegnen

Wort des Gemeindepastors zum Gemeindebrief November 2017 - Januar 2018

Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefs,

ist es nicht ein romantisches Bild? Ein Kerzenlabyrinth im Schnee. Zur blauen Stunde gehen Eltern und Kinder gemeinsam einen kurvenreichen Weg. Wo gehen sie hin? Zu welchem Ziel sind sie unterwegs? Zur Mitte? Zum Ausgang? Oder wie manche sagen: der Weg selber ist das Ziel? Ein Labyrinth muss man langsam, bedächtig begehen. Dann bietet es gute Gelegenheit, sich auf solche Gedanken zu besinnen.
Viele von uns erleben die Wochen des Advent, die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel eher wenig besinnlich. Für viele ist es oft sogar eine besonders geschäftige Zeit. Trotzdem oder gerade deshalb sehnen wir uns nach Besinnlichkeit. Mir kommt diese Zeit deshalb manchmal vor wie das Gehen in einem Labyrinth. Jeder Tag ist ein Schritt auf dem Weg zum Fest. Doch es ist ein verschlungener Weg.
Gott kommt als Mensch auf die Welt. Dieses freudige Ereignis zu feiern ist Sinn und Inhalt des Weihnachtsfests. Doch wie geht es mir mit diesem Fest? Ich spüre: Mal geht es mir nahe, mal scheint es mir sehr fern. Ich frage mich: Was suche ich in diesen Tagen? Das Kind von Bethlehem – ist es die Mitte, zu der ich unterwegs bin? Wenn es so wäre, was würde das für mich bedeuten? Würde es meine Art, Advent, Weihnachten und den Jahreswechsel zu gestalten, verändern?
Traditionen sind Straßenlaternen, sagt ein englisches Sprichwort. Sie markieren den Weg. Doch nur Betrunkene halten sich an ihnen fest. Ich glaube, das gilt besonders für die Weihnachtszeit. Traditionen können uns helfen, das freudige Ereignis der Ankunft Gottes gebührend zu feiern. Doch sie können es uns auch verdunkeln. Die Laternen dürfen nicht wichtiger werden als der Weg, den sie weisen. Wohin bin ich unterwegs? Was ist mein Ziel?

Im Labyrinth ist die Mitte nur ein Teilziel. Dort angekommen kann ich nicht für immer bleiben. Mein Weg führt mich weiter. Und es ist nicht einfach der Weg zurück. Der Weg, den ich gehe, verändert mich mit jedem Schritt. Am Ausgang bin ich ein/e andere/r als am Eingang. So kann es auch mit Weihnachten sein. Ich stehe an der Krippe und besinne mich auf das, was meines Lebens Mitte ist. Das kann mir Kraft geben für den Weg, der vor mir liegt.Feiern wir die besondere Zeit von Advent und Weihnachten doch so, dass sie uns nicht Kraft kostet, sondern uns welche gibt! 

Dazu ermutigt Sie Ihr Pastor Thomas Günther