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Gott und uns begegnen

Wort des Gemeindepastors zum Gemeindebrief Februar - April 2018

 

Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefs,

wir sehen eine Brücke und die Seile, an denen sie hängt. Die eleganten Schwünge des Geländersgeben ihr etwas Beschwingtes, Leichtes. Was dem Auge verborgen bleibt, ist der Abgrund unter der Brücke.Wir sehen die Menschen auf der Brücke, die Regenschirme. Viele von ihnen gehen über die Brücke wie über jede andere auch, den Blick nach vorn gerichtet auf die andere Seite. Manche allerdings tun das nicht. Sie verlassen den schmalen hellen Pfad und wagen sich auf die durchsichtigen Glasplatten. Sie schauen in den Abgrund unter den eigenen Füßen. 300 Meter tief ist die Schlucht. Da kann einem schon mulmig werden!Ich weiß: Ich könnte die Glasplatten nicht betreten! Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich überhaupt die Brücke betreten würde. Ich habe es schon erlebt, dass mich der Blick in die Tiefe so verunsichert hat, dass ich nicht weitergehen konnte.Ich musste zurück. Der Blick in den Abgrund erfordert Mut und gutes Stehvermögen. Nicht jeder hat das, schon gar nicht zu jeder Zeit. Doch manchmal muss man eben eine Schlucht überqueren,trotz Angst und Grauen. Tut man es nicht, bleibt man auf der Strecke. Dann muss man sich den Abgründen stellen. Und die tiefsten finden wir nicht in der Natur, sondern in uns selber. Die Passionsgeschichte erzählt von Petrus, dem Jünger mit dem größten Mund: Und wenn ich dafür sterben muss, ich werde dir folgen! Wenig später lesen wir, wie Petrus zutiefst über sich selber erschrak. Dreimal leugnete er, Jesus, seinen Freund und Lehrer, je gesehen zu haben. Abgründe taten sich auf, die auch in jedem und jeder von uns verborgen sind. „Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ So spricht Gott zu Josua, als der seinem Abgrund begegnet. Nach den Strapazen der Wanderung durch die Wüste hat er die Grenze des Landes erreicht, das Gott ihm und seinem Volk versprochen hatte. Er erkennt, dass man dort nicht auf sie gewartet hat. Es wird Auseinandersetzungen geben, Konflikte, Kämpfe. Ihm graut vor dem, was kommen wird. Da spricht Gott ihm Mut zu! Die gleiche Erfahrung macht Petrus. Trotz seines Scheiterns baut der Auferstandene dem Petrus eine Brücke in die Zukunft. Auf dich will ich meine Kirche bauen. Und vielleicht wurde Petrus gerade deshalb dazu ausgesucht, weil er seine Abgründe angeschaut hatte. 

Ich grüße Sie herzlich, Ihr Pastor Thomas Günther