Ein ganz normaler Morgen. Vor den ersten Terminen, da muss ich mich noch schnell „herrichten“, wie wir das zuhause immer gesagt haben. Also darauf schauen, dass man die richtige Kleidung erwischt, dass die Haare richtig sitzen und alles, was sonst noch so dazu gehört. Je nach den eigenen oder fremden Ansprüchen.

Wenn dann alles richtig sitzt, wenn ich mich selbst so einigermaßen „hergerichtet“ fühle, dann kann es los gehen.

Ein Blick noch in den Spiegel.

Oje, meine Haare sind schon wieder ganz wo anders … also noch einmal die Bürste heraus, neuer Versuch … so einfach lassen sich meine Haare nicht einfangen. Und im Laufe des Tages, da halten sie sich schon gar nicht daran, wie ich mich in der Früh „hergerichtet“ hatte.

Da haben meine Haare wohl so einiges gemeinsam mit meinen GEDANKEN. Auch sie versuche ich ja am Morgen für den neuen Tag „herzurichten“. Dafür hat uns übrigens Paulus eine Pflegeanleitung mitgegeben, die gar nicht so kompliziert ist:

Richtet eure Gedanken auf das,
was schon bei euren Mitmenschen als rechtschaffen, ehrbar und gerecht gilt,
was rein und liebenswert und ansprechend ist,
auf alles, was Tugend heißt und Lob verdient
.“ (Phil 4,8)

Keine großen neuen Anforderungen also. Richten wir unsere Gedanken auf das auf, was die Menschen um uns herum schon als gut erkannt haben. Das kann doch klappen, mit unserer eigenen GEDANKENBÜRSTE [Foto]!

Für jedes Gute ein Bürstenstrich.
Je nach Länge ist das natürlich ein unterschiedlicher Aufwand, aber dann ist es so weit:
auch unsere Gedanken sind hergerichtet für den neuen Tag.

Aber für meine Gedankenfrisur gilt oft dasselbe wie für meine Haare:
Sie lässt sich leicht durch einander bringen.
Ein Windstoß, zu viel Hektik, und schon laufen meine Gedankenfasern in alle Richtungen …

Ein Zwischenstopp tut gut.
Vielleicht braucht es am Vormittag schon wieder meine Gedankenhaarbürste:
Worauf sind meine Gedanken jetzt ausgerichtet?
Worauf bin ich ausgerichtet?

Und wenn das alles schon weder durch einander geraten ist, dann können wir uns erst recht darauf verlassen, was Paulus uns im folgenden Vers zusagt:

Gott, der Frieden schenkt, wird euch beistehen!“ (Phil 4,9)

Holen wir also unsere Gedanken heute immer wieder zurück zu unserem Herrn.
Er wird uns dabei helfen.
Und mehr ist auch gar nicht notwendig.
So, wie das später Franz von Sales als kleine Pflegeanleitung für die Seele verfasst hat:

Wenn dein Herz wandert oder leidet,
bring es behutsam an seinen Platz zurück
und versetze es sanft in die Gegenwart Gottes.
Und selbst dann,
wenn du nichts getan hast in deinem Leben,
außer dein Herz zurückzubringen
und wieder in die Gegenwart Gottes zu versetzen –
obwohl es jedes Mal wieder fortlief,
wenn du es zurückgeholt hattest –,
dann hat sich dein Leben wohl erfüllt.

 

Mit herzlichen Grüßen, 
Anja Müller