Vom Dazwischen

Ich mag die Tage „zwischen den Jahren“. Nach Weihnachten und vor Neujahr scheint die Zeit fast still zu stehen. Keine Sondertermine. Keine Veranstaltungen. Nicht einmal Bücher kann ich aus der Bibliothek abholen oder zurückbringen. Pause.

Eine Zeit, die oft viel leiser ist als die Adventszeit. 

Nicht immer ist das nur angenehm. Wo die einen sich zuhause zurückziehen mögen, leiden andere unter der tagelangen Stille und sehnen sich umso mehr nach Begegnung. Die Weihnachtsbesuche sind schon vorbei, die Zeit zum Gutes-Neues-Jahr-Wünschen ist noch nicht da. Irgendwie sind wir dazwischen. Einmal im Jahr kann das aber auch guttun, dieses „Dazwischen“ ganz nahe kommen zu lassen. Einen Blick auf die Dinge zu riskieren, die nicht mehr sind (und bei manchen bin ich auch ganz froh darüber …!) – und einen weiteren Blick wagen hin zu dem, was noch gar nicht da ist. Bei einem Spaziergang fällt das vielleicht leichter; aber auch im kleinsten Zimmer können wir unsere Gedanken zwischen dem Alten und dem Neuen hin und her wandern lassen. Und irgendwann, wenn wir gar nicht mehr sagen könnten, wo wir uns genau auf dieser Zeitreise befinden, dann macht sich ohne viel Aufhebens das bemerkbar, was inwendig in uns ist:

„ … Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe hier! Oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ (Lk 17,20f. LU 1912)

Ich wünsche Ihnen, dass Sie jetzt zwischen dem Alten und dem Neuen Jahr dieses eine ganz besonders spüren könnt: da inwendig in Ihnen, da ist nicht weniger als das Reich Gottes. Für diese Botschaft ist Jesus in unsere Welt gekommen. Zu Weihnachten feiern wir dieses Wunder mit vielen sichtbaren Zeichen. Für die Festzeit, die Tage dazwischen und das Neue Jahr wünsche ich Ihnen immer wieder die Begegnung mit dem Reich Gottes: inwendig in Ihnen drin und überall auf der ganzen Welt.

Mit herzlichen Segenswünschen,

Ihre

Anja Müller
Pastorin