An(ge)dacht


Monatsspruch für Dezember

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

(Jesaja 58,7)


Sind Sie eigentlich „systemrelevant“? Bei der Frage, wer denn eigentlich in unserem Land unersetzlich für unser System ist, geraten immer wieder neue Berufsgruppen in den Fokus der Aufmerksamkeit. Schön, dass es nicht nur um die Menschen geht, die normalerweise als wichtig gelten: Die Entscheider, Menschen mit Macht, Geld und Einfluss. Sondern um die Kassiererin im Supermarkt, den Altenpfleger im Seniorenzentrum, die Busfahrerin und den Müllmann. Menschen auch in schlechtbezahlten Berufen mit wenig Ansehen.

Doch auch etwas anderes können wir beobachten: Dass viele Menschen anfangen, ihren eigenen Beruf, ihre eigene Aufgabe als systemrelevant zu definieren. Denn was passiert eigentlich mit denen, die nach gängiger Meinung nicht wichtig sind? Was passiert mit den Menschen ohne Obdach, den Flüchtlingen ohne Arbeitserlaubnis, den Kindern in prekären Situationen? Können wir auf diese Menschen verzichten, weil sie in unserem System überflüssig sind?

Die Bibel sagt uns: Jeder Mensch ist wichtig! Niemand ist nutz- oder wertlos. Und das nicht deshalb, weil ohne ihn alles zusammenbricht. Sondern deshalb, weil jeder Mensch ein geliebtes Geschöpf Gottes ist.

Deshalb ist uns die Sorge um unseren Nächsten aufgetragen, egal, wie „systemrelevant“ dieser Mensch ist. Denn in Gottes Gemeinschaft zählt jede und jeder. Es zählt deshalb auch, wie wir mit ihnen umgehen. Auch in „normalen“ Zeiten. Nicht nur in einer Krise oder zur Weihnachtszeit.

Rainer Bath