Mit Partnern im Gebet für den Frieden in der Welt

Partners for Peace

Die Geschichte der transatlantischen Friedensgottesdienste
von Pastor Friedmar Walther, Chemnitz

Eigentlich begann sie mit einem Care-Paket, wie sie zu tausenden nach dem 2. Weltkrieg von amerikanischen Methodisten ins hungernde Deutschland geschickt wurden, nach dem biblischen Motto: ,,Lass dein Brot übers Wasser fahren, denn du wirst es finden nach langer Zeit" (Prediger 11, 1). Eins davon kam beim Chor einer kleinen methodistischen Gemeinde im Erzgebirge an. Der Chorleiter stammte aus Chemnitz, seine Familie war dort ausgebombt und hatte Zuflucht im Heimatort der Frau gefunden. Der Vater selbst war inzwischen aus Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Im Paket fand sich eine Adresse. Ein Dankesbrief leitete eine Verbindung und Freundschaft ein, die ihre Auswirkung haben sollte.

Inzwischen nach Chemnitz zurückgekehrt, wandte sich der Vater eines Tages im Interesse seines 10jährigen Sohnes an den Freund in den USA mit der Bitte um ein paar Briefmarken, begehrtes Sammelobjekt eines Schuljungen. Kein Problem! Aber hätten wir als Christen in bewegter Zeit und in zwei verschiedenen Weltlagern nicht Wichtigeres zu tun? So kam aus Amerika der Vorschlag, sich im Beten und Wirken für den Frieden zusammenzutun.

Der Vorschlag kam von Raymond M. Bell in Washington, Pennsylvania, einem verdienstvollen Professor der Physik und Astronomie, der auch als Kirchenhistoriker in der United Methodist Church in den USA eine wichtige Aufgabe erfüllte. Dahinter stand seine Gemeinde, die First United Methodist Church. Der deutsche Ansprechpartner war Herbert Rosenfeld, führendes Mitglied des Gemeindevorstandes der Friedenskirche Chemnitz, der die Bitte seiner Gemeinde unterbreitete. Da mussten nicht verschlossene Türen aufgebrochen werden. Bald darauf wurde der Vorschlag realisiert. 1960, während der Amtszeit von Pastor Walther Haase, fand der erste transatlantische Gebetsgottesdienst für den Weltfrieden statt.
 

Welcher Sonntag eignete sich dafür besser als der erste Sonntag im März, denn am 5. März 1945 war Chemnitz durch massive alliierte Luftangriffe größtenteils zerstört worden, die Friedenskirche aber wie durch ein Wunder verschont geblieben. Sie war zwar von einer Zehnzentnerbombe getroffen worden, die aber als Blindgänger im Keller liegen blieb. Gedenktafeln an der Frontseite des Gebäudes und an der Decke des Kirchenschiffs erinnern an diese Bewahrung.
Der seitdem jedes Jahr durchgeführte Gebetsgottesdienst findet nach einem einheitlichen Programm statt, das die gleichen Gemeindelieder, Schriftlesungen; Predigttexte, Gemeindegebete und Friedens-botschaften enthält. Diese werden von den Bischöfen, Superintendenten, Pastoren, Laienmitarbeitern verfasst und beziehen sich jeweils auf die aktuelle politische und auch kirchliche Lage. Im Laufe der Jahre hat sich der Kreis der beteiligten Gemeinden erweitert. So beteiligt sich die Gemeinde der Erlöserkirche daran, zeitweise nahmen auch zwei andere amerikanische Gemeinden und eine englische teil.

Die beiden ,,Architekten" der transatlantischen Brücke sind sich leider nie persönlich begegnet. Aber Gäste aus den USA konnten bei uns begrüßt werden: Bischof Nichols, Gemeindepastoren aus Washington, ein Sohn von Prof. BeIl u.a. Zum 25. Gebetsgottesdienst im März 1984 hatte ich das Vorrecht, in Washington/Pa. zu predigen, da sich im Rahmen eines anderen kirchlichen Auftrags ein Besuch dort möglich machen ließ. 

Wir glauben, dass die gemeinsamen Gebete durch all die Jahrzehnte und in sehr schwierigen und krisengeschüttelten Zeiten nicht vergeblich waren. Das ,,Banner" in der Friedenskirche mit dem Bild des Gotteshauses der Partnergemeinde erinnert jeden Sonntag an die Verbundenheit und den bleibenden Auftrag von Christen.

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Eine Partnerschaft zieht Kreise
von Pastor Frank Eibisch

Es ist mir in lebhafter Erinnerung geblieben, wie der damalige Bischof der Western Pennsylvania Annual Conference, Georg W Bashore, während eines Gerneindeabends in der Stützengrüner Kreuzkapelle mit einem beeindruckenden Bass das Lied ,, Ins Wasser fällt ein Stein" - in deutscher Sprache - vortrug. Er befand sich damals gemeinsam mit seiner Frau auf einer Rundreise durch die Ostdeutsche Jährliche Konferenz, und ich hatte die Freude, das Ehepaar für ein paar Tage begleiten zu dürfen. "... und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise ..." heißt es in diesem Lied. Für mich ist diese Szene zu einem Schlüssel für das Verständnis der Entwicklung der Partnerschaft geworden, die seit nunmehr 45 Jahren zwischen der First United Methodist Church in Washington/ Pennsylvania und unserer Evangelisch-methodistischen Friedenskirche besteht.
 

Diese Partnerschaft hat tatsächlich Kreise gezogen, und dies in mehrfacher Hinsicht:
Zum einen ist daraus eine lebendige Beziehung zwischen den Jährlichen Konferenzen gewachsen, zu denen unsere Gemeinden gehören. So waren die ,,Schmetterlinge", der Kinderchor der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz, schon zweimal in Pennsylvania, ebenso Jugendgruppen und ein Bläserkreis. Und auch wir durften als Jährliche Konferenz mehrfach Gastgeber sein, so zum Beispiel für Jugendgruppen und für einen Männerchor von Pastoren der Partnerkonferenz. Die ,,Volunteers in Mission - Ehrenamtliche mit einer Mission" aus den USA führten Arbeitseinsätze in mehreren Gemeinden und Einrichtungen unserer Konferenz durch. Darüber hinaus gab es zahlreiche persönliche Begegnungen und Kontakte. Die Konferenzpartnerschaft wiederum führte dazu, dass neue Gemeindepartnerschaften entstanden, die teilweise intensiv gepflegt werden.

Zum anderen hat die Gemeinschaft unserer Gemeinde mit den Schwestern und Brüdern in Washington/Pennsylvania eine Erweiterung und damit eine große Bereicherung erfahren. Seit 1997 pflegen wir eine weitere Partnerschaft mit der Evangelisch-methodistischen Gemeinde. ,,Neues Gebot" in Woronesh in Russland. 1998 konnte der dortige Pastor, Wjatscheslaw Kim, gemeinsam mit vier Jugendlichen in der Friedenskirche zu Gast sein. Und im Jahre 2001 gab es einen Gegenbesuch von elf Chemnitzern in Woronesh, der bei allen, die daran teilgenommen haben, tiefe Eindrücke von geschwisterlicher Gemeinschaft und Gastfreundschaft hinterlassen hat.

Zunehmend ist es auch gelungen, diese beiden Partnerschaften miteinander zu verbinden und zu einer gemeinsamen werden zu lassen. So begehen wir seitdem Jahre 2000 den gemeinsamen Bittgottesdienst für den Frieden, der traditonell am ersten Sonntag im März gefeiert wird, zu dritt. Einen ganz besonderen Höhepunkt bildete ein Treffen mit Delegationen aus beiden Partnergemeinden im Oktober 2002. Zehn Geschwister aus Woronesh und sieben aus Washington waren für eine reichliche Woche bei uns zu Gast. Natürlich nutzten wir die Zeit, um unseren Gästen Chemnitz und das schöne Sachsen zu zeigen. Vor allem aber erlebten wir die verbindende Kraft der Liebe Gottes im gemeinsamen Bibellesen und im Austausch über unsere Erfahrungen. Der größte Teil des Programms lief dreisprachig, was eine spannende Herausforderung war, die aber gut gemeistert werden konnte. Zwei Gottesdienste durften wir miteinander gestalten, Bibelarbeiten erleben, gemeinsam unterwegs sein und feiern. "God's Global Grace - Gottes globale Gnade" - dies stand als Motto über dieser gemeinsamen Zeit. Wir haben in diesen Tagen etwas davon erfahren, so wie in unserer gesamten Partnerschaft überhaupt. Danken wir Gott dafür und bitten wir ihn darum, dass er eine weitere Vertiefung und neue Begegnungen möglich macht! 

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"Wann sehen wir uns wieder?“
Ein internationaler Arbeitseinsatz 2004 in Woronesh/Russland

von Sylvia Weigelt

Wann sehen wir uns wieder?" waren die Abschiedsworte unserer russischen Freunde, als ich zum ersten Mal auf dem Bahnhof in Woronesh in den Moskauer Zug stieg.
Vor vier Jahren beim Besuch einer 11 köpfigen Gruppe unserer Gemeinde unter Leitung von Pastor Frank Eibisch bei der Partnergemeinde "Neues Gebot" Woronesh lernten wir uns kennen. Damals genossen wir die Gastfreundschaft von Familien der Woronesher Methodistengemeinden. Gemeinsam lasen wir in der Bibel, hörten vom Leben der russischen Gemeinden, erlebten Kulturelles in und um Woronesh. Wir hatten viele schöne Erlebnisse, an die wir uns gerne erinnern. Aber wir sahen auch Bedrückendes, Bettler und Kriegsversehrte, Straßenkinder und Alkoholkranke. Und wir besuchten Gottesdienste in baufälligen Räumen mit minimaler Ausstattung. Dankbar konnten wir in unsere Heimat zurückkehren, in der wir sehr viel mehr Bequemlichkeit genießen können.
Zwei Jahre später folgte der Gegenbesuch einer Gruppe von zehn Woronesher Methodisten in Chemnitz. Das Treffen bereicherten noch acht Amerikaner der Partnergemeinde in Washington, Pennsylvania. Es waren gute Tage, die wir mit Bibelarbeiten, Kennenlernen der verschiedenen Gemeinden und ihrer Arbeit, mit Ausflügen und Gottesdiensten verbrachten. Und natürlich mit dem Auffrischen "alter Freundschaften" und dem Knüpfen weiterer. Beim Abschied hatte ich nicht gedacht, einige der russischen Gäste schon bald wieder zu treffen.
Denn Anfang diesen Jahres las ich den Aufruf der Weltmission unserer Kirche zu einer Fahrt nach Russland, um in einem ehemaligen Pionierlager nahe Woronesh Bau- und Renovierungsarbeiten zu leisten. Ich zögerte eine ganze Weile, doch dann haben mich einige Reiseentschlossene überzeugt. So wurde ich eine der 14 Personen, die zur Gruppe der Deutschen unter Leitung von Pastorin Birgit Klement gehörten und habe erneut 10 erlebnisreiche Tage in der Woronesher Region verbracht. Diesmal aber, um im Hauptgebäude eines Lagers der Methodistenkirche Russlands Zimmer auszuräumen, Decken abzuspachteln, Türen, Fenster und Heizungen zu streichen. Aber vor allem, um mit den dort lebenden und arbeitenden russischen und amerikanischen Menschen zusammen zu sein, gemeinsam zu arbeiten und einander kennen zu lernen.

Wir haben Andachten gehalten, haben gesungen, am Lagerfeuer gesessen, russische Sauna und russisches Essen schätzen gelernt. Wir besuchten gemeinsam eine Vorstellung im Zirkus, wir feierten mit einem kleinen Feuerwerk den Independence Day der Amerikaner und wir haben das russische Lagerleben hautnah erlebt, es hatte einige Mücken zuviel, dafür ein paar Duschen und Toiletten zu wenig.

Bilder aus Woronesh:

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54. Bittgottesdienst ( 2013)  für den Frieden mit Videokonferenz nach Washington/PA

Zum 54. Bittgottesdienst für den Frieden haben die Gemeinden in Washington und Chemnitz ein Experiment gestartet. Verbunden über ein Videokonferenzsystem feierten wir gemeinsam den Gottesdienst.

Viele Besucher empfanden den Gottesdienst als sehr bewegend. 
Endlich konnten wir einander sehen und waren damit noch intensiver in einem Geist verbunden.

Der Experiment-Aufbau mit Leinwand, Web-Cam, Computer, Beamer und Tontechnik wurden in der Friedenskirche über das Internet nit unserer Gemeinde in Washington/Pa. verbunden. Ein letzter Check am Mischpult für unsere Band und die Tonsteuerung der LIVE-Übertragung, sowie Absprachen zwischen Pastor und Technik-Leitung.

Zuerst wurden Grußworte zwischen den Gemeinden ausgetauscht. Jeweils ein Gemeindeglied auf beiden Seiten übersetzte für die Anwesenden in die jeweilige Landessprache. Im Anschluß predigte Pastor Keith aus Washington. Auch Pastor Rüdiger hielt eine kurze Predigt mit Übersetzung.
Musikalisch haben den Gottesdienst der Chor aus Washington und unsere Band gestaltet.

Bilder vom Videogottesdienst:

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