Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde

die Gedenk- und Feiertage am Ende eines Kalenderjahres rücken schwere Themen in den Fokus. Es geht um Buße und Frieden, um Trauer und Ewigkeit. Und wer in diesem Jahr um einen verstorbenen Menschen trauert, wird diese Zeit sehr bewusst erleben. Plötzlich sind dies keine theoretischen Themen, über die man vielleicht einmal nachdenken könnte, sondern Teil des ganz persönlichen Lebens. Die Fragen nach dem Leid und dem Sterben stellen sich ein. Warum gibt es so viel Leid? Und was hat Gott damit zu tun?

Das sind ganz alte Fragen, die immer wieder neu nach Antworten suchen. Im Buch Hiob nehmen sie einen breiten Raum ein. Der von Leid geplagte Hiob diskutiert darüber mit seinen Freunden. Diese sind gekommen, um ihn zu trösten. Und so lange sie gemeinsam mit ihm schweigen und den Schmerz aushalten, scheint das auch zu gelingen. Doch als die Suche nach dem Anlass für das Unglück beginnt, sind sie nicht mehr beieinander. Hiob muss sich vor den Freunden verteidigen. Sie kommen mit ihren Erklärungen nicht voran, und es entsteht statt einer Brücke des Trostes eine Mauer des Nicht-Verstehens.

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!

Hiob 19, 25

Plötzlich strahlt etwas auf, wie der Lichtschein durch einen Türspalt. Dem so angefochtenen Hiob wird eine neue Perspektive geschenkt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“. Diese Erkenntnis verändert die Sicht auf seine Situation und schenkt Hoffnung.

Diese Aussage aus dem Buch Hiob hat immer wieder Menschen angerührt und getröstet. Viele Lieder sind entstanden und haben ihrerseits Zuversicht geweckt. Im Gesangbuch findet sich dazu der Text von Paul Gerhardt (EM 655). Für mich verbinden sich die Worte vor allem mit der Melodie aus Händels „Messias“. Georg Friedrich Händel befand sich selbst in einer schweren Krise, als er das Manuskript für ein Osteroratorium erhielt. Die Worte ergriffen ihn so sehr, dass er das bedeutende Werk in nur drei Wochen komponierte.Das Bekenntnis des Hiob wird nun zum Staunen über die Auferstehung und die Gewissheit, dass Jesus Christus, der Erlöser lebt. Diese Arie klingt leise und zart, aber sie beflügelt.

Die Hoffnung auf Hilfe und Erlösung ist oft genug eine zarte Pflanze. Doch sie birgt eine Kraft, die über die Schrecken von Leid und Tod hinausreicht. Durch diese Hoffnung führen unsere Fragen nicht ins Leere, sondern zu dem, der unser Leben und Sterben in seinen guten Händen hält.

Bleiben Sie gesegnet und behütet

Ihre / Eure Andrea Petzold