Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde

Jedes Jahr bin ich sehr gespannt darauf, wie Künstler die Jahreslosung interpretieren und gestalten. Bei dem Wort, das uns durch das Jahr 2020 begleitet, war ich besonders erwartungsvoll. Wie drückt man Glaube und Unglaube aus? Welche Formen und Farben eignen sich dafür?

Auf vielen Bildern spielen Bedrohungen durch Wasser, Sturm oder Abgründe eine große Rolle. Sie weisen auf all die Gefahren hin, in die unser Glauben, Hoffen und Lieben geraten kann: eine Diagnose, die einem den Boden unter den Füßen entzieht, der Verlust von Heimat und Zugehörigkeit, Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen, die Ohnmacht angesichts von Krieg und Gewalt, die Hilflosigkeit einem Leidenden gegenüber. Von einem Moment auf den anderen sind Zweifel und Angst größer als Vertrauen und Hoffnung. Die tobende See auf dem Bild des Gemeindebriefes zeigt dies sehr anschaulich. Alles ist aufgewühlt. Es geht drunter und drüber.

Inmitten dieses Sturms leuchtet ein Segel in strahlenden Farben. Spiegelt es die Sonne wieder, die durch die Wolken bricht? Ist doch Hoffnung da? Noch ist alles offen.

Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Jahreslosung (Markus 9,14-29)

Dies ist ein Hilfeschrei. Im Markusevangelium ringt ein Vater um Heilung für seinen Sohn. Die Jünger Jesu konnten nicht helfen, so wie wahrscheinlich schon viele andere vor ihnen nicht. Nun ist dieser Jesus aus Nazareth die einzige, die letzte Hoffnung. In der Bitte des Vaters zeigt sich seine ganze Spannung und Zerrissenheit. Sie ist kein Hindernis, sondern macht deutlich, dass Glaube immer auch Wagnis ist.

Ein Lied im Gesangbuch greift dieses Hoffen und Bangen anschaulich auf:

Ich werfe meine Fragen hinüber wie ein Tau von einem Schiff ans Land. Vielleicht ist einer da und greift herüber. Vielleicht, vielleicht nimmt einer mich an meiner Hand. Wenn Gott es ist, der meine Fragen auffängt und nicht lässt, wenn Gott es ist, dann hält er mich samt meinen Fragen fest.

Ulrich Fick (EM 349)

Lasst uns gemeinsam im neuen Jahr inmitten aller Fragen den Glauben entdecken und leben.

Ihre/Eure

Andrea Petzold