Augenblick

Jahreslosung 2021

Jesus Christus spricht „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist !“

Lukas 6,36

Geistliches Wort

Liebe Gemeindebriefleserinnen und -leser,

vor zwei Tagen wollte ich bei einer kleinen Firma in Bayern telefonisch ein paar Textilien für mich bestellen. Dabei traf ich nur auf einen Anrufbeantworter und bat um einen Rückruf. Am nächsten Tag passierte nichts.

Gestern morgen lese ich in meiner Primetime, meiner Gebetszeitauch einen Abschnitt aus Johannes Hartls Buch „In meinem Herzen Feuer“. Darin schildert er die Anfänge des Gebetshauses in Augsburg. In diesem Kapitel beschreibt er seinen Entschluss, alle Erlöse aus seinen Buch- und CD-Verkäufen, sowie alle Honorare für seine Vorträge „für das Reich Gottes zu geben“ und als Familie nur von Spenden zu leben.  Danach rief mich die Ehefrau des Textilfirmeninhabers mit etwas aufgeregter Stimme an. Ihr Mann habe sich das Bein gebrochen und jetzt müsse sie die Geschäfte führen, es täte ihr leid, dass sie sich den Tag vorher nicht gemeldet hätten. Ich gab meine Bestellung auf und am Ende des Telefonats rief ihr Mann aus dem Hintergrund: „Er bekommt noch 10 % Ermäßigung“. „Oh, danke“, sagte ich, „nehm` ich gerne an“.

Eine Viertelstunde später kam mir der Abschnitt von Johannes Hartl wieder in den Sinn. Eine leise Stimme flüsterte in mir: „Könntest du nicht auch …?“ Ich rief die Frau der Textilfirma nochmal an und sagte: „Ich möchte die 10% Ermäßigung nicht in Anspruch nehmen. Ihr Mann hat sich das Bein gebrochen und unter diesen Corona-Zeiten hat Ihre Firma sicher auch gelitten. Ich bin finanziell so ausgestattet, dass ich mir den vollen Preis leisten kann.“ Die Frau bestätigte meine Vermutungen und nahm dankbar an.

Manchmal brauchen wir Barmherzigkeit. Gerade dann, wenn es uns schlecht geht. Gut, wenn dann jemandem „das Herz aus dem Leim geht“ (s.u. das Gedicht von Wilhelm Busch). Denn Barmherzigkeit hat viel mit dem Herzen zu tun. Genauer gesagt, mit dem Inneren, dem Sitz des Mitgefühls, wie die griechischen und hebräischen Urwörter nahelegen.
Zwei Wort-Varianten habe ich im Zusammenhang mit Barmherzigkeit gehört: Das Erste: Barmherzigkeit sei Warmherzigkeit. Barmherzigkeit bedeute, ein warmes Herz für Notleidende zu haben. Das Zweite: Barmherzigkeit sei Arm-Herzigkeit. Das bedeutet, ein Herz besonders für die Armen zu haben. Übrigens eine starke Tugend am Anfang unserer methodistischen Bewegung in England. Damals hatten die Methodisten in ihren Sonntagsschulen armen Menschen kostenlos Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht. Sie hatten die ersten Second-hand-Buchläden eröffnet, damit auch arme Menschen Zugang zu Bildung bekommen. Sie haben fahrbare Apotheken für arme Menschen auf dem Land erfunden, damit auch sie an Medikamente kommen. Damit wird klar: Barmherzigkeit ist zuerst ein Gefühl, aber dann vor allem eine Tätigkeit. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, sagte schon Erich Kästner.

Jesus geht noch einen Schritt weiter. Unsere Jahreslosung entstammt aus der lukanischen Feldrede. Dort steht der Vers im Zusammenhang mit der Feindesliebe. Danach sagt Jesus: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist!“ Die Barmherzigkeit Gottes ist zuerst seine Barmherzigkeit mit dem Sünder, mit dem Gottfernen. Gott will nicht, dass jemand in seiner Gottesferne verloren geht. Das geht ihm ans Herz. Fern von Gott ist der, dem Gott egal ist, der nichts mit Gott zu tun haben will. Fern von Gott sind aber auch wir, wenn wir meinen: „Das kriege ich schon ganz gut alleine hin“ und keinen Gedanken daran verschwenden, auch mal Gott dazu zu fragen – und seine Antwort darauf abzuwarten. Fern von Gott sind wir, wenn wir ihn bei größeren Lebensentscheidungen außen vor lassen. Fern von ihm sind wir, wenn wir meinen, unsere Gesundheit ausschließlich medizinischer Fachkenntnis anzuvertrauen. U.a.m. Mit solchen inneren Haltungen ist unser Vater im Himmel barmherzig. Er will uns wieder an sein Herz zurück ziehen. Er will uns Gutes tun – weil er uns liebt. Er will uns seine Liebe spüren lassen. Ganz habhaft. Und er möchte, dass wir das Gleiche bei unseren Mitmenschen tun. „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus in Matthäus 25 in seiner Endzeitrede. Barmherzigkeit geht Hand in Hand. Mir gefällt diese Sicht in dem Bild zur Jahreslosung von Eberhard Münch vorn auf der ersten Seite. Was Jesu Vater uns getan hat, das können wir auch anderen tun. Ein paar Beispiele dazu finden sich in diesem Gemeindebrief. Vielleicht fangen wir selber mal damit an, uns zu vergegenwärtigen, wann uns unser himmlischer Vater barmherzig war. Ich schreibe mir das in mein Losungsbüchlein. Wir können ihm auch einfach am Abend dafür danken. Aber anfangen … anfangen sollen wir damit – und dann auch anderen gegenüber Barmherzigkeit üben,
meint euer Pastor

Monatslied

(ein altes Jungscharlied)

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn,
er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern.
Du darfst ihm, so wie du bist, nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er,
vielmehr, als ein Vater es kann.

Du kannst ihm vertrauen in dunkelster Nacht,
wenn alles verloren erscheint.
Er liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht,
ist näher als je du gemeint.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er,
vielmehr, als ein Vater es kann.

Durchs Danken kommt Neues ins Leben hinein,
ein Wünschen, das nie du gekannt,
dass jeder, wie du, Gottes Kind möchte sein,
vom Vater zum Erben ernannt.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er,
vielmehr, als ein Vater es kann.

Durch Menschen baut Jesus die ewige Welt,
für ihn zur Gemeinschaft bereit.
Er hat sie in seine Gemeinde gestellt
und macht sie zum Dienste bereit.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er,
vielmehr, als ein Vater es kann.

Er warf unsere Sünden ins äußerste Meer.
Kommt, betet den Ewigen an!

Text: Heino Tangermann 1965
Melodie: Paul Ongmann/Norwegen