Augenblick

Monatsspruch September

Ja; Gott war es, der die Welt in Christus mit sich versöhnt hat.

2. Kor. 5, 19

Geistliches Wort

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.
2.Kor 5,19 (E) Monatsspruch September

Liebe Gemeindebriefleserinnen und – leser,

diese Woche habe ich zum ersten Mal „Weingut Wader“ geguckt. Vermutlich war es der erste Teil, denn es ging um „die Erbschaft“. Manches davon spielt bei uns in Hambach im Weingut Schäffer, in dessen Garten Ulrike und ich schon zu zwei Konzerten waren.

Die Dramaturgie dieser Serie baut u.a. darauf auf, dass irgendwann vor vielen Jahren mal etwas zwischen Käthe Wader und ihrem jetzigen Schwager Bruno Wader war. Irgendwas hat sie beide verletzt. Aber bis jetzt wurde nicht ausgesprochen, was das war. In den Jahrzehnten dazwischen reden sie nicht miteinander, bekämpfen sich und der Zwist hat sogar negative Folgen für die nachfolgende Generation. Versöhnung wäre vonnöten. Aber bislang ist es nicht dazu gekommen. Also misstraut man, hintergeht man, taktiert man, gängelt man, übervorteilt man, lügt man … Fast die ganze Palette der Zehn Gebote wird übertreten.

Klar, das ist Fiktion. Ein Drehbuch. Scripted reality. Und der dramatische Span-nungsbogen muss gehalten werden, damit die Zuschauer „dran“ bleiben.

Aber wie ist das mit Versöhnung? Schaffen wir die immer so leicht?
Wir brauchen Versöhnung, wenn etwas zwischen uns und anderen steht. Ein Abstand, eine Distanz, die uns nicht zueinander kommen lässt. Einer muss den ersten Schritt tun. Aber wer legt zuerst seine Waffenrüstung ab?

Offensichtlich gibt es auch einen Abstand zwischen uns Menschen und Gott. Irgendetwas, was Versöhnung nötig macht. Aber was ist das?

Mir sind schon Menschen begegnet, die sagen: „Warum sollte ich eine Versöhnung mit Gott brauchen? Ich hab doch nix gegen den! Gut, ich gehe nicht jeden Sonntag in die Kirche. Aber dass es einen Gott gibt, glaube ich schon.“

Ich denke, es hat etwas mit unserer tiefsitzenden Kränkung zu tun, dass wir nicht ganz frei in unseren Entscheidungen sind. Gott hat uns eine Grenze gesetzt (1. Mose 2,17 von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen), aber die Verführung hat gesagt an dem Tage, an dem ihr davon esst, werdet ihr sein wie Gott (1. Mose 3,5). Wir wollen unser Leben selber bestimmen. Uns nicht von jemandem reinreden lassen. Aber es passiert andauern. Ständig will irgendwer Einfluss auf unsere Entscheidungen nehmen: Die einen Werbeleute sagen „Kauf mich!“, die anderen „Nein, besser mich!“. Die Influencer sagen „Lebe so wie ich!“ Die Eltern sagen „Das darfst du und das darfst du nicht.“ Die Virologen sagen: „Verhalte dich so und nicht anders.“ usw., usf. Ständig zerrt irgendwer an uns herum und will uns in seine Richtung ziehen. Das Ergebnis ist sehr häufig Auflehnung. Weiß ich nicht am besten, was gut für mich ist?

In unserer Welt der 1000 Möglichkeiten glauben wir, wir hätten Wahlfreiheit. In Wirklichkeit gibt es viele Stimmen, die uns irgendwo hin haben wollen. Und ob die es alle so gut mit uns meinen? Dieses Misstrauen übertragen wir auf Gott. Auf den, der uns geschaffen hat und seine Geschöpfe liebt. Das schafft diesen Abstand, der Versöhnung nötig macht. Mit der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies ist diese Distanz entstanden. Es ist eine Folge dessen, dass wir so sein wollen wie Gott. Vollkommen selbstständig und frei entscheiden zu können. Aber wir müssen täglich ertragen, zu wissen, was gut und böse ist.

Jesus hat diesen Abstand überbrückt. Er ist Mensch geworden wie wir. Gott ist in ihm zu uns gekommen. Und hat uns gezeigt, dass Gottes es gut mit uns meint; dass wir ihm vertrauen können; dass wir ihm folgen können (statt follower auf YouTube, Twitter, Instagram oder TikTok zu sein). Das meint Paulus, wenn er davon spricht, dass Gott die Welt mit sich selber versöhnt hat. Wir waren und sind nicht in der Lage dazu, von uns aus diese Kränkung zu überwinden.

Was unterscheidet Glaubende von Ungläubigen in dieser Frage?

Glaubende haben Gott als den kennengelernt, der uns bedingungslos liebt. Sie haben erfahren, dass Gott sich uns zuwendet und unsere Nähe will. In seiner Nähe erfahren Glaubende, dass ER es gut mit uns meint. Das Misstrauen schwindet und weicht Vertrauen. Glaubende akzeptieren die Begrenzung ihrer Freiheit und lassen sich von dem leiten, der grenzenlos ist. Glaubende haben teil an den Möglichkeiten Gottes, weil sie sich ihm anvertrauen. Sie sind nicht beschränkt auf die Grenzen ihres eigenen Verstandes und eigenen Wollens. Sie vertrauen dem, der größer denkt, stärker ist und weitblickender handelt.

Darum bin ich gerne Christ und schon längst mit Gott ausgesöhnt. Wir mögen uns, Gott und ich.

Ich wünsche euch, dass ihr das auch so oder so ähnlich sagen könnt.

Euer Pastor

 

Monatsspruch Oktober

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn;
denn wenn es ihr wohl geht, so geht es euch auch wohl.

Jeremia 29,7

Monatsspruch November

Gott spricht: sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.

Jeremia 31,9