Thema:

Wie ich zur EmK kam – und weshalb ich noch dabei bin…

Aufgrund der Gliederaufnahme in Kandel im Oktober berichten 4 Personen aus unserer Mitte, wie sie zur Evangelisch-methodistischen Kirche kamen und zur Gemeinde Kandel oder Speyer

Friedrich Wagner berichtet:

Ich, Friedrich Wagner, als Zweitältester von 5 Kindern nach dem Krieg in einer Arbeiterfamilie geboren, hatte keine größere religiöse Sozialisation. Der von der Landeskirche angebotene Religionsunterricht in der Schule war mir langweilig, so dass ich ihn nicht in meinen Lebensalltag integrieren konnte. Mit ca. 14 Jahren lernte ich Hans-Wilhelm Günther kennen, der uns Siedlungskinder anbot, sonntags für die Sonntagsschule (Kindergottesdienst) durch einen gut organisierten Fahrdienst abzuholen und wieder nach Hause zu bringen. In der Hardtmühle trafen wir uns von 10 bis 11 Uhr mit vielen anderen Kindern, wo wir bei fröhlichem Gesang (die Sonntagsschul ist unsre Lust) einen schönen Vormittag verbrachten. Der Einladung zur wöchentlichen Jungschar folgte ich mit Begeisterung. Später besuchte ich auch ein Seminar und wurde Jungscharleiter. Dabei lernte ich viele tolle junge Menschen kennen. In der Gemeindearbeit der EMK gab es auch einen Jugendkreis, der von Horst Pokropp und seiner Frau Gisela sonntagabends gestaltet wurde. Diese Prägungen waren für meinen weiteren Glaubensweg wichtig und ich fühlte mich in dem Jugendkreis angenommen und geistlich beheimatet. Nach meiner Ausbildung zum Schweißtechniker folgten durch meine Arbeitsbedingungen im Ausland ein paar Jahre Abstand von Kandel. In dieser Zeit hatte ich jedoch regen Kontakt zur Hardtmühle und Familie Günther. Durch meine späteren Ausbildungen zum Sozialpädagogen und Diakon bei der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck arbeitete ich in der Jugendarbeit, Familienberatung, Paarberatung und ein paar Jahre führten mich auch nach Holland in die deutsche Militärseelsorge, wo ich die deutsche Gemeinde betreute. Nach meiner Berentung überlegten meine Frau und ich, wo wir unseren Lebensabend verbringen wollten. Da wurde uns klar, es sollte der südpfälzer Raum sein, wo wir wieder an alte Beziehungen anknüpfen wollten. So freute ich mich, als wir 2017 in Bad Bergzabern ein schönes Heim anmieten und an meine einstigen Wurzeln bei der EMK wieder anknüpfen konnten. Inzwischen engagiere ich mich mit meinen Gaben und Fähigkeiten in der Gemeinde. Friedrich Wagner

Angela Tiesler berichtet:

Als mich Horst angerufen und um diesen Bericht gebeten hat, fragte ich ihn zuerst, ob er denn denkt, dass ich dafür die Richtige bin – schließlich bin ich quasi in die EmK hinein geboren worden. Ganz so selbstverständlich ist es aber doch nicht, dass ich immer noch dabei bin, denn eigentlich wollte ich mal sehr weit von Speyer wegziehen, um eine Ausbildung für die Mission zu machen. Doch dann kam alles anders: Ich begann eine Ausbildung zur Buchhändlerin, heiratete noch währenddessen und wurde ein gutes Jahr nach unserer Hochzeit von Michael Moerschel gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für den Gemeindevorstand zu kandidieren. Zu der Zeit war ich noch kein Kirchenglied, aber wir waren beide fest in der Gemeinde dabei. Am gleichen Tag als die Wahl anstand, wurde ich in die Gemeinde aufgenommen – und direkt in den Vorstand gewählt, in dem ich dann gut 32 Jahre lang mitgearbeitet habe.

Es waren gute und zugleich schwierige Jahre, die mich herausforderten, die immer mehr zunehmenden Aufgaben mit der wachsenden Familie in Einklang zu bringen und auch in Konflikten nicht die Flinte ins Korn zu werfen. Meine Beziehung zu Jesus wuchs aber gerade an diesen Konflikten und mein Glaube gewann eine neue Qualität, je mehr ich mich auch mit meinen eigenen Prägungen durch das Aufwachsen in der Gemeinde befasste. Durch den Start meiner Ausbildung zur Christlichen Beraterin bei IGNIS 2004 wurde diese Überprüfung meiner Standpunkte intensiviert. Dadurch merkte ich auch, wie sehr ich in Vielem auf ein Bild festgelegt war, wie ich als Mensch und als Christ sein und handeln sollte, das mich unfrei machte. Dort wurde ich als erwachsene Frau wahrgenommen, die einzigartige Gaben und Fähigkeiten hat, niemand steckte mich in eine Schublade mit meiner Familie – das hatte ich leider in der Gemeinde häufig nicht so erlebt. Da war ich oft eher die Tochter meiner Eltern und die Enkelin meiner Großeltern und nicht jeder machte sich die Mühe, dieses Bild zu hinterfragen. Auch die Aufgaben, die ich in der Gemeinde ausfüllte hatten häufig mehr mit dem zu tun, was halt gemacht werden musste als mit dem, wofür ich befähigt war, was auch sehr oft Frustration auslöste. Das führte mich in einen langen Kampf mit meiner Rolle und meiner Berufung in dieser Gemeinde, in dem ich mehr als einmal nahe dran war, die Gemeinde zu verlassen – wären da nicht die einzelnen Menschen gewesen, die mir wichtig und ans Herz gewachsen waren. Jesus hat die Gemeinde ja nicht eingesetzt, dass ich dort alles bekomme, was ich brauche, sondern damit wir alle zusammen Jesus immer ähnlicher werden. Das geht dann auch nicht ohne Konflikte und schmerzhafte Situationen, doch ER selber hilft uns da durch. Weil ich mich von Jesus an diesen Platz gestellt sehe und wegen der lang andauernden persönlichen Beziehungen bin ich immer noch dabei, wenn auch nicht mehr in der Gremienarbeit, sondern da, wo mein Herz schlägt und Gott mich begabt hat. Angela Tiesler

Wolfgang Pausch berichtet:

Wir schreiben das Jahr 1945. Der Krieg war gerade vorbei und die Daheimgebliebenen mussten sich neu orientieren. Meine Mutter und ich waren in Landau heimatlos geworden. So waren wir froh und dankbar zur Oma nach Kandel ziehen zu können. Eine Wohnung mit großem Garten, vielen Kindern auf der Straße, das war neu für mich. Noch keine Schule, dafür den ganzen Tag spielen zu können. Irgendwer nahm mich dann mit in die Sonntagsschule und die lag irgendwo weit weg im Wald. Interessant war das schon, was Fräulein Elisabeth erzählte, aber schöner war das Herumgeistern im Wald. Als einziger hatte ich ein Vogelbuch und so konnte man die Vögel und ihre Nester zuordnen. Eine schöne Jungenzeit, trotz vieler Entbehrungen. Schulzeit, Konfirmation mit Horst Pokropp und Karl Runck in der prot. Kirche. Zwischenzeitlich Jugendstunde auch in der Hardtmühle, sonntagabends. Das war aufregend, weil auch ein paar Mädchen anwesend waren. Es folgten die ersten schüchternen Annäherungen, noch folgenlos. Die ersten Gehversuche in der Gemeindearbeit wurden eingeplant. Kleine und größere Aufgaben kamen dazu: Krippenspiel an Weihnachten, Theateraufführungen zu besonderen Anlässen, vor allem die „erschröcklichen“ Abenteuer zur Hexenjagd.

Und das setzte sich fort bis heute im Alter. Dazwischen die Treffen mit Brüdern und Schwestern über die Jahre. Ausflüge mit der Gemeinde, Diavorträge über verschiedene Länder, die Rosemarie und ich besuchten. Die Serie „Kennst du deine Heimat“, die 13 Jahre durchgeführt wurde. Große Aufgaben standen an in der Renovierung der Friedenskirche mit der Wohnung und dem Haus am Wonneberg in Bad Bergzabern.

Wenn ich heute zurückblicke auf die vergangenen Jahrzehnte, dann darf ich froh und dankbar sein auf die EmK-Gemeinde in Kandel, die auch mich aufgenommen und geprägt hat und mir die Gewissheit gibt, dies alles für meinen Herrn getan zu haben. Wolfgang Pausch

Horst Pokropp berichtet:

Ich wurde nicht in die EmK hineingeboren. Aber geboren als Landeskirchler in Ostpreußen (man sagt, das würde man manchmal merken), Januar 1945 Befehl (vertrieben) ins „Reich“ mit dem Treck im Winter. Ankunft am 29.3.1945 in Rade/Schleswig-Holstein (200 Einwohner, davon 2/3 Vertriebene). Aus beruflichen Gründen meines Vaters Anfang Oktober 1950 Übersiedlung nach Rheinland- Pfalz, gelandet als 13-jähriger in Kandel. In der Schule Einladung von Karl Runck in die Sonntagsschule. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein, wir sind auch freundschaftlich verbunden. Mit Wolfgang haben wir einige Zeit die Sonntagsschule gehalten, sind Freunde geworden. Über die Sonntagsschule und die Jugendzeit mit Gehversuchen in der Gemeindearbeit schreibt Wolfgang in seinem Bericht, dazu auch Chor und Posaunenchor. Durch Buchhaltungsarbeiten auf der Hardtmühle hatte ich vor allem mit Hans Günther sen., „der Alte Hans“, in den Abendstunden viele Gespräche, die mir Wegweisung gaben. Auch: ich müsste nicht unbedingt Pastor werden, ich könnte auch als Laie in Kirche und Gemeinde wirken.

Nachdem ich mit Predigen auf der Hardtmühle begonnen hatte, erhielt ich am 31.05.1959 die Bestätigung als Predigthelfer, damals die Erlaubnis als Ermahner. Vorher hatte ich gebeten, mich in die EmK aufzunehmen. Das geschah ganz im Stillen, ohne Gemeinde wie es üblich ist. Dann Gemeindevorstand und Bezirkskonferenz.

Im August war der Alte Hans von Gott wieder im Spiel. Eine Familie aus Schönheide/Erzgeb. war auf dem Weg aus der DDR nach Wolfsburg, wo der Vater vor dem Krieg tätig war. Ludwigshafen war die Zwischenstation. Hans holte sie mit dem Lastwagen nach Kandel. Das noch 17-jährige Mädchen Gisela muss es mir angetan haben. Das war ein Geschenk von Gott. Die Verbindung hielt auch durch die einjährige Trennung durch die Wehrpflicht – auch die Jugendstunde fiel für mich aus – und dauert in diesem August 61 Jahre. Sie, eine geborene Methodistin. Die Eltern waren schon vor 1940 auf der Hardtmühle, da der Bruder im Arbeitsdienst in Freckenfeld war. Deshalb die Verbindung zur Fam. Günther.

Nach der Jugend formierte sich der „harte Kern“ als Gemeindegruppe Junge Erwachsene, Junge Familien + bis heute als Senioren 60 plus. Immer ein Jahresprogramm. Wolfgang hat etwas angeschnitten, was durch ihn beigetragen wurde. Weiter mit Konzerten, Vorträgen, Multivisionsshows, geistlichen Themen, Wanderungen, Radtouren usw.

Unter Pastor Dieter Kunzmann planten wir schon einen Kirchenbau mit Kindergarten (an der Schießmauer – Saarstraße rechts ab zum Wald). Es waren offizielle Gespräche. In den 1980-iger Jahren war dann der Wunsch sehr stark nach einem Gebäude in der Stadt. Nach einigen Projekten war die Bienwald-Gaststätte im Gespräch, die frei war. In der Finanzbehörde der Konferenz wurde abgestimmt, ob ich als Schriftführer der Bezirkskonferenz „Rederecht“ bekomme. Ja, so war es.

Als Rainer Schaubhut (Gemeindevertreter) und ich die Gaststätte mit Tanzsaal in Augenschein nahmen, sprachen wir von Tapezierarbeiten und Ausbau des OG als Wohnung. Dann wurde der Eingang, die Toiletten usw. alles geändert und es entstanden 7.000 freiwillige Arbeitsstunden. Alles in einem Protokollbuch dokumentiert.

Kauf im April 1986 und Einweihung des Gemeindezentrums Friedenskirche am 1. Advent des gleichen Jahres mit Pastor Michael Moerschel als Bauherr. Die Wohnung wurde im kommenden Jahr fertigstellt. Dabei die gute Verpflegung nicht zu vergessen!

Warum ich so darüber berichte, es hätten viele tun können. Es ist dieser Dank, unter Gottes Führung ist etwas entstanden, was wir uns gewünscht haben. In der Stadt tätig sein zu können.

1987 Pastor Philipp Zimmermann mit Pastorat in Kandel (Bezirk Speyer/ Kandel). Es gelang eine Aufbruchstimmung mit vielen Veranstaltungen, Gemeindebesuchen aus der Region mit Mittagessen oder Vesper (Spenden zur Darlehnstilgung). Kandel als gastfreundliche Gemeinde.

Mit dem 125-jährigen Jubiläum der Gemeinde Speyer begann 1987 nach der Pastoren- Patenschaft die Gemeinde-Partnerschaft mit Marienberg/ Erzgebirge. Über 30 Jahre mit gegenseitigen Besuchen und ab 1997 alle 2 Jahre die einwöchige Wanderfreizeit in Hohenschwangau (Hotel Martha-Maria).

1997 feierte Kandel das 75-jährige Gemeindejubiläum mit einigen Veranstaltungen und Bischof Dr. Walter Klaiber.

Auch ein Höhepunkt im Gemeindeleben: 2003 zum „Jahr der Bibel“ die Marc-Chagall-Ausstellung auf ökumenischer Basis (auch Allianz) in der Stadthalle mit Vorträgen, Konzerten und Gottesdiensten unter Federführung unserer Gemeinde mit Pastor Wolf-Dieter Keßler.

Am 18. September 2011 Festgottesdienst 25 Jahre Friedenskirche Kandel. Die Ökumene und die Weltgebetstage mit der Allianz waren und sind mir wichtig.

Auch durch „Anstöße von außen“ übernahm ich weitere Verantwortung in Gemeinde und Kirche ab 1987: Gemeindevertreter (16 J.); Jährliche Konferenz mit Ausschüssen (20 J); Zentralkonferenz D (16 J.) Aber nicht nur Kirche, ich wollte auch in der Kommune präsent sein und beides miteinander verbinden: Schulelternbeirat mit Vorsitz (Schulfeste usw.); Gründung Musikschule Kandel e.V. und 27 Jahre stellv. Vorsitzender; Gesangverein bis heute. Dazu in der Industrie in leitender Stellung. Manchmal eine Gratwanderung, ich gebe es zu. Es hieß auch, du kannst es nur machen, weil dir Gisela den Rücken freihält. Danke, Gila!

Eines darf ich nicht vergessen: Der Streich- und Bautrupp mit Wolfgang Pausch, Karl Runck, Horst Hörl, Adolf Nies und dem Maurer Emil Wenner als Arbeitsfreund. „Was willst du in diesem Jahr alles streichen“? fragte oft Wolfgang Pausch und tat es meistens von der Leiter aus. Und Karl Runck war der, der in Hof und Garten für Ordnung sorgte, außer Bauhilfsarbeiter. Auch Horst Hörl wurde immer wieder in Anspruch genommen. Wer hätte Spaß + Lust so etwas wieder ins Leben zu rufen und Manfred Härdter dadurch zu unterstützen?!

Nach fast 55 Jahren im Gemeindevorstand und der Bezirkskonferenz war es Zeit, für Jüngere Platz zu machen (ich glaube Frühjahr 2014). Die Senioren 60 plus (die sich verkleinert haben), die Öffentlichkeitsarbeit und irgendwann kam der Gemeindebrief dazu. Es macht mir noch Spaß, solange es die Gesundheit zulässt oder wenn jemand Freude hätte, es zu übernehmen. Mein Bericht sollte solange nicht werden. Aber diese Jahrzehnte mit meinem Gott, meiner Gemeinde und meiner Kirche haben mir viel gegeben und mich erfüllt. Ich bin dafür sehr dankbar.

Allen Lieben, die sich aufnehmen lassen, wünsche ich Freude, dass sie sich wohlfühlen in der Gemeinde und Mut haben für neue Ideen. Gott segne euch. Horst Pokropp

Wunder

Wie oft habe ich schon den Satz gehört:“ Ich bin zu sehr Realist, um an Wunder zu glauben“. Der große Staatsmann David Ben Gurion, der bei der Ausrufung des Staates Israel im Jahre 1948 den Satz prägte: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“!

Und wenn wir uns die Speisung der Fünftausend in den Blick nehmen, wo Jesus zu den Jüngern sagt: „Gebt ihr ihnen zu essen“. Sie antworteten: „Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische“.

Fragen und Zweifel – Die Dinge mit Gottes Augen sehen

Und Johann Gottfried Lessing, ein deutscher lutherischer Theologe (lebte von 1693-1770), der es so zusammen gefasst hat: Andreas hat gefehlt, Philippus falsch gezählt (200 Dinare reichen nicht), sie rechnen wie ein Kind (rein menschlich).

Mein Jesus kann addieren und multiplizieren wo lauter Nullen sind. Auch wenn das sehr kindlich und naiv klingt, werden wir nicht müde, in unseren täglichen Herausforderungen dem Wunder, leise wie einem Vogel die Hand hinhaltend, Gottes Hilfe/ Wirken erwartend; gegen alle Widerstände. Ingrid Wagner