Das war’s!

Nach sieben guten und von Gott gesegneten Jahren geht am 31. August mein hauptamtlicher Dienst in den Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche in Mülheim an der Ruhr zu Ende.

 

Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, die mir das Kabinett eröffnet hat, meine pastorale Zeit in der schönen Tersteegen-Stadt abschließen zu dürfen. In jedem Jahresbericht konnte ich mich bei allen Geschwistern und Mitarbeitern für die wertvolle Zusammenarbeit bedanken. Das möchte ich auch mit diesem letzten Impuls tun: Habt ganz herzlichen Dank für alles! Danke für euer Da-Sein, für das Singen und Musizieren, für das Lesen und Mit-Beten, für eure Gedanken und für eure Gastfreundschaft!

Wie geht es jetzt weiter? Zum Thema Abschiede fallen mir spontan zwei biblische Texte ein, die vielleicht unsere jeweiligen Situationen ausleuchten können.

Der erste Text - eigentlich nur ein Satz aus den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium - lautet:

Ich bitte für sie. Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. 
Johannes 17,9

Jesus macht uns hier etwas Wichtiges vor: Er betet. Gerade dort, wo es ernst wird, betet er – und es ist keine verlorene Zeit! Er weiß, dass die Zeit, die im Gebet zugebracht wird, keine verlorene Zeit ist. Er spricht mit seinem Vater im Himmel und betet für die Menschen, die nun ohne ihn leben müssen. Thema dieses Gebetes ist aber weniger die Trauer, als vielmehr der Lobpreis. Jesus glaubt fest, dass auch aus etwas Traurigem wie einem Abschied etwas Herrliches hervorgehen kann. Er hat den Seinen das Wort Gottes gebracht, den Willen Gottes bekannt gemacht und den Heiligen Geist zugesagt. Und sie sind nun nicht sich selbst überlassen: Gott hat dafür gesorgt, dass seine Geschichte mit der Gemeinde weitergehen kann.

So bin ich ganz froh, dass nach meinem Abschied die Gemeinde nicht allein gelassen wird. Ein Nachfolger ist da, das Leben geht weiter! Ja, es ist vielleicht erst der Anfang! Und für den Neuanfang zwischen Sven Kockrick und den Gemeinden bitte ich: Heilige sie in der Wahrheit!

Der zweite Text steht im ersten Buch Mose 24, Vers 56 und lautet:

Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Lasset mich, dass ich zu meinem Herrn ziehe.

Vielleicht erinnern wir uns noch an die biblischen Geschichten von Abraham und Isaak. Nun, es war der Knecht Abrahams, Eliëser, der dieses Wort gesprochen hatte. Er hatte ja seinem Herrn, dem inzwischen alt gewordenen Abraham, versprechen müssen, dass er für dessen Sohn Isaak eine Frau nehmen werde aus der Heimat Abrahams, aus Mesopotamien. So zog denn Eliëser hin in die Heimat Abrahams. Dort fand er eine Braut für Isaak aus der Verwandtschaft Abra­hams. Auftrag erfüllt! Die Freude bei den Verwandten war groß. Endlich hörte man wieder einmal etwas von Abraham, der ja schon so lange weggezogen war. So lud man jenen Knecht Abrahams ein, doch noch einige Tage zu bleiben. Es gab ja so viel zu erzählen. Doch da steht Eliëser auf und spricht die Worte, die ich oben zitiert habe: „Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben.“ Er hat seinen Auftrag erledigt und weiß, dass sein Platz woanders ist.

Ob auch ich so gut meinen Auftrag erledigt habe? Hat der Herr „Gnade zu meiner Reise“ gegeben?

Ich bin meiner Berufung nachgegangen und bin in einem Alter, wo es Pastoren nur noch mit der Bezeichnung „i.R.“ gibt. Es mag dahingestellt sein, ob „i.R.“ „in Ruhe“ oder „in Reichweite“ heißt. Das wird sich später zeigen. Sicherlich, man hätte mehr erreichen können…

Als Nächstes hoffe ich aber, dass der Herr doch noch „Gnade zu meiner Reise“ - einer ganz anderen Reise wohl - geben möge und mich gesund wieder nach Hause führen wird! Vierzig Tage möchte ich mit Gottes Hilfe allein unterwegs sein, um einen Zyklus abzuschließen, den ich vor 32 Jahren begonnen habe. Es wird wie eine kurze Lebensreise sein, um Klarheit über das Vergangene und über die Tage zu bekommen, die Gott mir schenken möge. Für die Gemeinden bitte ich weiterhin um Gottes Beistand und Kraft.

Ihr / euer Pastor Daniele Baglio