Die Evangelisch-methodistische Kirche Reinsdorf    

 

1. Einleitung

Die Evangelisch-methodistische Kirche ist eine Freikirche auf dem Boden der Reformation. Sie selbst verdankt ihre Entstehung einer kirchlichenErneuerungsbewegung (Erweckungsbewegung). Diese nahm 1740  in England durch den Pfarrer John Wesley ihren Anfang. Von da aus verbreitete sie sich in viele Länder, darunter auch Deutschland. Heute ist die methodistische Kirche weltweit vertreten.

Die methodistische Gemeinde in Reinsdorf ist durch diese Bewegung im Laufe des Jahres 1891 entstanden.

Bis 1968 war die Bezeichnung „Bischöfliche Methodistenkirche“ gebräuchlich. Jedoch nach der Vereinigung mit der „Evangelischen Gemeinschaft“ ist die heutige Bezeichnung „Evangelisch-methodistische Kirche“ (EmK).

 

2. Die Gemeinde vom Anfang bis 1945

Die ersten Gottesdienste wurden 1891 von Pastor Welti aus Zwickau in Privatwohnungen von Reinsdorfer Gemeindegliedern gehalten. Als die Wohnungen durch den starken Zuwachs zu klein wurden, ging man damals in Versammlungsräume der Gasthöfe „Glück auf“ und „Leonhardt (ehem. Ratskeller).

1895 erfolgte die Gründung des Gemischten Chores, den August Gerisch aus Zwickau leitete.

Die ständig wachsende Gemeinde konnte 1907 das heutige Gemeindehaus mit einem kleinen Grundstück von einem Gemeindemitglied (Ernst Kunz) erwerben. In diesem Haus wurde in der unteren Etage ein größerer Gemeindesaal und in den Folgejahren in der mittleren Etage eine Pastorenwohnung eingebaut.

 

Seit 1914 ist die methodistische Gemeinde Reinsdorf selbstständiger Gemeindebezirk mit Wohnsitz des Pastors.

Die Evangelisch-methodistischen Gemeinden Mülsen mit Neuschönburg und Zwickau-Oberhohndorf gehören mit zum Gemeindebezirk Reinsdorf.

 

In den Jahren nach 1920 war ein ständiger Zuwachs der Gemeinde zu verzeichnen. Etliche Gemeindegruppen entstanden und belebten die Gemeindearbeit. So seien mehrere Hauskreise (damals als „Klassen“ bezeichnet), Frauendienst, Kindergottesdienst, Männerchor, Gemischter Chor und ein Posaunenchor genannt.

Der damalige Pastor Wurzbacher schreibt:

 

„Unser Saal fängt an, zu klein zu werden“.

 

In der Tat war es auch so. Die methodistische Gemeinde Reinsdorf zählte damals ca. 220 Gemeindeglieder und hatte eine Sonntagschule (Kindergottesdienst) von ca. 100 Kindern.

In einem Bericht von 1926 heißt es:

 

„Der Gedanke eines Neubaues bleibt immer rege unter uns und sollte recht bald verwirklicht werden. Man neigt dem Plan zu, eine Kirche ohne Wohnung zu erstellen, schon des Preises wegen. Unser Fonds beträgt z.Zt. 1100 Reichsmark“.

 

1927 wurde dann dieser Plan Wirklichkeit. Auf dem Grundstück neben dem Gemeindehaus wurde der Kirchenbau durchgeführt. Die wenigen nüchternen Angaben der Gemeindechronik besagen über den Bau:

 

„In der Vierteljahreskonferenz vom 09.01.1927 wird eingehend über den Bau einer Kapelle gesprochen.

Am 13.02.27 berichtet Pastor O. Lindner, dass der Bau bevorsteht. Ein Entwurf von Kirchenbaumeister Paulus Zeuner wurde angenommen.

Anfang Juli konnte der Bau unter der Leitung von P. Zeuner begonnen werden.

Am 31.07.27 erfolgte die Grundsteinlegung, am 23.08.27 fand das Richtfest statt und

am 11.12.27 wurde die neue Kirche feierlich geweiht.“

 

Für uns scheint es heute fast unmöglich, dass die Gemeinde innerhalb eines Jahres den Bau planen und dann in 4 ½ Monaten auch zur Ausführung bringen konnte. Der Bau sollte 50.000 Reichsmark (RM) nicht übersteigen. Die Kosten beliefen sich jedoch am Ende auf 56.000 RM, einschließlich der Kosten für den Einbau einer Wohnung im Erdgeschoss der Kirche und im bisherigen Gemeindesaal. Die Gesamtkosten wurden durch viele freiwillige, unbezahlte Arbeitsleistungen der Gemeindeglieder spürbar vermindert.

50.000 RM hat die Gesamtkirche dazu beigetragen.

 

In der damals wirtschaftlich schweren Zeit war die Gemeinde mit einem geringen Anfangskapital, aber mit einem großen Gottvertrauen, an diesen Bau herangegangen und hat ihn durchgeführt.

Mit dem Bau der Kirche war die bisherige Enge und Platznot für die aktive Gemeinde beendet. Beide Kirchsäle haben zusammen ca. 300 mögliche Sitzplätze. Diese waren zu den Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen oft voll besetzt. Der Gemeindebezirk zählte damals 287 Glieder und hatte eine Sonntagschule (Kindergottesdienst) von ca. 180 Kindern.

 

 

3. Die Gemeinde von 1945 bis heute

 

Die Zeit des 2. Weltkrieges und die Nachkriegszeit ging auch an der Reinsdorfer methodistischen Gemeinde nicht spurlos vorüber. Der Krieg riss deutliche Lücken bei den männlichen Gemeindegliedern. Jedoch waren in der Folgezeit die Gottesdienste und anderen Veranstaltungen, ebenso die Gemeindegruppen, sehr gut besucht.

Es gab ein großes Verlangen nach Gottes Wort und kirchlicher Mitarbeit.

Im Laufe der weiteren Jahre und in der später einsetzenden atheistischen Beeinflussung durch den kommunistischen Staat gingen die Mitgliederzahlen zurück. Sie lagen 1950 bei ca. 180 Gemeindegliedern, der Gottesdienstbesuch bei ca. 120 und die Sonntagschule bei ca. 60 Kindern.

 

Aus Anlass des 60-jährigen Gemeindejubiläums wurde 1951 die Steintreppe, die auf den Berg zur Kirche führt, erbaut. Die Kirche erhielt den Namen „Erlöserkirche“, und ein gemalter Flügelaltar wurde aufgestellt. Der freischaffende Künstler Albert Schwarz (U), ein ehemaliges Gemeindeglied, hat diesen Altar geschaffen.

 

Die methodistische Gemeinde war von Anfang an eine sangesfreudige Gemeinde. Ein Gemeindechor und auch zeitweise ein Männerchor gestalteten über Jahre hinweg jeden Gottesdienst mit aus. Jährlich wurden 1 – 2 musikalische Gottesdienste durchgeführt. Auch kam der Wunsch nach einer Orgel auf. 1969 konnte von der Dresdener Orgelbaufirma „Gebrüder Jehmlich“ eine 2-manualige Orgel geweiht werden, die seitdem zur Freude der Gemeinde gespielt wird.

 

Wie es bei jedem Bauwerk ist, nagte der Zahn der Zeit in den vergangenen Jahren am Gemeindehaus und ebenso am Kirchgebäude. Manches wurde unbrauchbar und musste erneuert werden. Modernisierungen waren nötig. So ist im Zuge der Rekonstruktion des Gemeindehauses 1988 – 1990 die ehemalige Hausmannswohnung von den unteren Räumen der Kirche ins Gemeindehaus verlegt worden. Die freigewordenen Räume der Kirche werden nach erfolgtem Umbau von den Gemeindegruppen genutzt.

 

1995/96 wurde eine neue Gas-Heizungsanlage für Gemeindehaus und Kirche eingebaut. Eingangstüren, Fenster und die Elektro-Anlage mussten erneuert werden. Eine neueDacheindeckung der Kirche folgte 1998. Dabei wurde gleichzeitig das Kreuz auf dem Turm wieder neu vergoldet.

Durch die Anstrahlung kommt die Kirche mit Turm und Kreuz besonders zur Geltung.

 

Der Gemeindebezirk Reinsdorf (mit  Crossen) zählt heute rund 100 Gemeindeglieder und Angehörige, davon über 70 Reinsdorfer Glieder und Angehörige. Im Kindergottesdienst werden wöchentlich in Reinsdorf ca. 9 Kinder betreut.

Das Gemeindeleben vollzieht sich heute in aktiven Arbeitskreisen. Angeboten werden der sonntägliche Gottesdienst und Kindergottesdienst, die Mitarbeit im Gemischten Chor, Seniorenkreis, Frauenkreis,  Jugendkreis, Ehepaarkreis, Hauskreis und der "Treff für junge Familien".

 

Die vergangenen Jahrzehnte waren reich an Ereignissen. Wirtschaftssysteme änderten sich, Regierungen und Parteien wurden gegründet und lösten sich wieder ab. Wissenschaftliche Erkenntnisse wurden überholt.

All dies ging auch nicht spurlos an der methodistischen Kirche Reinsdorf vorüber. Gott hat aber die Gemeinde über alle politischen Stürme hinweg wunderbar bewahrt. Die methodistische Gemeinde ist vielen Menschen in Reinsdorf und Umgebung zu einem Stück Heimat geworden.

 

4. Partnerschaft mit dem Gemeindebezirk Pliezhausen/Reutlingen

 

Seit 1980 verbindet beide Gemeindebezirke eine gute partnerschaftliche Beziehung, die der ehemalige Reinsdorfer Pastor i. R. Horst Langer und sein damaliger Studienkollege Pastor Manfred Geißler (ehem. Pastor in Pliezhausen) aufgebaut haben. Daraus ergab sich eine rege Brief- und Besuchsgemeinschaft. Letztere war bis zur Wende 1989/1990 eine Einbahnstraße.

Danach sind die Verbindungen zu den Familien durch die möglichen Gegenbesuche noch gewachsen. Die Evangelisch-methodistische Kirche Reinsdorf begrüßt es, dass aus diesen zuerst rein kirchlichen Verbindungen heraus auch auf bürgerlicher Ebene die Partnerschaft zu Pliezhausen erweitert und gefestigt wurde.

Diese Partnerschaft ist in den vergangenen Jahren für unseren Ort Reinsdorf zu einer praktisch spürbaren Hilfe geworden.

 

 

5. Schlussbemerkungen

 

Als evangelische Freikirche ist der EmK Reinsdorf von Anfang an ihre Eigenständigkeit und finanzielle Unabhängigkeit wichtig. Sie ist auf dem Prinzip der Freiwilligkeit aufgebaut. Man tritt bewusst in sie ein, wenn man durch Gottes Wort und von dem Leben in der Gemeinde überzeugt ist.

Die EmK verzichtet auf Kirchensteuern. Sie erfüllt ihre Aufgaben nur aus freiwilligen Gaben ihrer Mitglieder und Freunde. Sie unterhält u.a. Krankenhäuser sowie eine eigene staatlich anerkannte "Theologische Hochschule" zur Ausbildung ihrer Pastoren.

 

Ein gelegentlicher Pastorenwechsel ist in der EmK üblich. Die Gemeinden werden durchschnittlich aller 6 -– 10 Jahre von einem neuen Pastor geleitet. Für die vielfältigen Arbeitskreise sind außer dem Gemeindepastor aktive Laien tätig. Freiwillig und unentgeltlich führen diese ihren Dienst zur Ehre Gottes aus.

Die EmK  ist offen für eine vom Vertrauen geprägte Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften. Diese Zusammenarbeit ist in den letzten Jahren besonders mit der Evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Reinsdorf gefestigt worden.

 

 

6. Kurze gemeindegeschichtliche Notizen

 

1891  Erste Gottesdienste mit Pastor Welti aus Zwickau

 

1895   Gründung des Gemischten Chores

 

1907  Erwerb des Gemeindehauses mit Grundstück

 

1914  eigener Gemeindebezirk mit Mülsen, Glauchau und Meerane; –

          aber wegen des 1. Weltkrieges noch von Zwickau aus bedient

 

1919 bis– 1920  Pastor Bruno Schubert - erster Gemeindeprediger, der in 

Reinsdorf wohnt

 

1920 –bis– 1924  Pastor Hilmar Wurzbacher

 

1924 bis– 1928  Pastor Oskar Lindner

 

1927  Kirchenbau

 

1928 bis– 1934  Pastor Arthur Voigt

 

1934 bis– 1950  Pastor Kurt Fleischmann

 

1934  kommt die  Gemeinde Oberhohndorf zum Gemeindebezirk Reinsdorf

 

1950 bis– 1960 Pastor Helmut Trommer

 

1951  Bau der Steintreppe, Aufstellung des Flügelaltars,

 

 

die Kirche erhält den Namen „Erlöserkirche“

 

1957   die Gemeinde Mülsen wird abgetrennt

 

1960 bis– 1964   Pastor Hugo Plat

 

1964 bis– 1972   Pastor Manfred Gottschald

 

1967  erfolgt die Umgestaltung des Altarraumes

 

1969Einbau der „Jehmlich-Orgel“

 

1972 bis– 1978 Pastor Walter Klee

 

1978 bis– 1992 Pastor Horst Langer

 

seit 1980   Partnerschaft mit dem Gemeindebezirk Pliezhausen

 

1988 bis– 1990 Rekonstruktion des Gemeindehauses und Umgestaltung der

unteren Kirchenräume mit Gemeinderäumen und Küche

 

1992 –bis 1999  Pastor Siegfried Rex

 

1992   kommt die Gemeinde Mülsen wieder zum Gemeindebezirk Reinsdorf

 

1995 bis 1996 Einbau neuer Türen, Fenster, Heizung

 

1998  Neue Dacheindeckung der Kirche mit vergoldetem Kreuz

 

1999 bis 2006  Pastor Van Jollie

 

1999 bis– 2000   Anlegen eines Parkplatzes

 

2006 kommt die Gemeinde Crossen zum Gemeindebezirk

 

2006 bis 2014 Pastorin Uta Uhlmann

 

2012 erhält unser Kirchgebäude einen neuen Farbanstrich

 

ab Mai 2014 ist die Pastorenstelle unbesetzt

 

ab September 2014 wurde Lutz Rochlitzer als Gemeindehelfer auf unserem Gemeindebezirk eingesetzt (er ist Gemeinde- und Religionspädagoge und Laienprediger)

 

Seit September 2015 ist Lutz Rochlitzer der Pastor unseres Bezirkes