Frühsommer – ich brauche nur ein paar Schritte vor die Türe zu machen, um wahrzunehmen, wie sehr Lebewesen nach Wasser dürsten. Wo bleibt es denn nur, das ersehnte Nass vom Himmel? Oder erbarmt sich wenigstens jemand und schnappt sich einen Gartenschlauch oder eine Gießkanne, um Vogeltränke, Blumen und Straßenbäume wieder mit Wasser zu versorgen?

Den Durst der Schöpfung um uns herum erkennen wir oft erst, wenn er schon negative Auswirkungen zeigt: eingerollte Blätter oder Verfärbungen sind typische Anzeichen von „Trockenstress“ bei Pflanzen. Die Gewächse lassen buchstäblich „alles hängen“. Das können wir Menschen gut nachfühlen. Wie sich Durst anfühlt, spüre ich schon bei mittellangen Wegzeiten, wenn meine Wasserflasche zu Hause geblieben ist.

Einen besonderen Durst drückt der Monatsspruch für Juli aus: „Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott“(Ps 42,3) und im Vers davor ist das Bild noch anschaulicher:„Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“

Für „Seele“ verwendet das biblische Althebräisch übrigens dasselbe Wort wie für „Kehle“: (נֶפֶשׁ nefesch). So sehr hängen unser Durst nach lebensnotwendigem Wasser und unser Durst nach dem lebendigen Gott zusammen! So sehr sind wir auf beides angewiesen, auf unseren lebendigen Gott wie auf sprudelndes frisches Wasser.

Wenn wir tagaus und tagein unseren Durst nach Gott wegdrängen, dann kann es passieren, dass unsere Seele leidet wie eine Staude ohne Wasser: „Trockenstress“ bedroht auch uns und dann rollen wir uns womöglich ganz in uns selbst ein. Manchmal nehmen wir das selbst gar nicht mehr war, wie groß der Durst in uns eigentlich ist. Oder wenn wir es spüren, fehlt uns vielleicht die Kraft, um es noch herauszuschreien wie der Psalmist.

Dann tut es gut, wenn andere uns dabei helfen und das Wassergefäß vor unseren Augen wieder mit frischem Wasser auffüllen: Schau her, hier ist lebendiges Wasser! Spüre hin, wie durstig du bist – und komm und trinke.

Es ist ein Segen, dass es diese sprudelnde Quelle gibt und Wegweiser, die uns zeigen, wie und wo wir unseren Durst stillen können. Unseren Durst spüren und wahrnehmen, ihn immer wieder neu zum Ausdruck bringen und bei jeder Gelegenheit vom frischen Wasser zu trinken, das ist der Weg, der uns und die ganze Schöpfung zum Leben führt.

 

Ich wünsche Euch eine gesegnete Sommerzeit!

 

Eure / Ihre Anja Müller, Pastorin