Fassungslos schauen wir auf Bilder einer verheerenden Naturkatastrophe. Eine Flutwelle, bei der bis jetzt schon über 200 Menschen ihr Leben verloren haben, und die Sorge um weitere Vermisste nimmt noch kein Ende.  Bis auf 600 Kilometer ist uns das alles fortreißende Wasser nahe gerückt, mitten in den Sommerwochen, die wir doch endlich einmal wieder unbeschwert genießen wollten.

Auf einmal wird ein Naturereignis auch ganz offiziell als Folge des von Menschen verursachten Klimawandels bezeichnet.

Inmitten von Trauer und Mitgefühl lässt mich die Frage nicht los:
wie können wir als Christenmenschen mit all dem umgehen?

Wo können wir überhaupt etwas tun, wo haben wir noch einen ganz persönlichen Entscheidungsspielraum?

Zuallererst sind wir aufgerufen zu tätiger Nächstenliebe. Dazu bieten unter anderem die diakonischen und karitativen Werke gute Möglichkeiten, die wir je nach unseren Kräften unterstützen können.

Aber was ist mit unserer Schöpfungsvergessenheit? Was trägt unser alltägliches und oftmals achtloses Handeln zum Klimawandel und damit zu Katastrophen wie dieser bei? Wie werden wir unserer Verantwortung für das, was geschieht und für den Zustand, in dem kommende Generationen unsere Erde vorfinden werde, gerecht?

Was habt ihr unter euch im Lande Israels für ein Sprichwort:
»Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden«?  
So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Dies Sprichwort soll nicht mehr unter euch umgehen in Israel
 (Hes 18,2-3).

Gott sagt: Nein, so soll es auf keinen Fall weitergehen. Die nachfolgenden Generationen sollen nicht unter den Versäumnissen leiden, die wir uns leisten.

Wenn ich auf mich selbst schaue, merke ich: so richtig bereit, etwas zu verändern, bin ich oft nur, wenn mich die Folgen wirklich hautnah betreffen. Auch wenn ich mich zu denen zähle, denen die Umwelt schon „ziemlich wichtig“ ist, gibt es da nach wie vor Dinge in meinem Alltag, die ich mindestens ressourcenschonender angehen könnte. Tausendmal gelesen – und noch nichts geändert. So ging es mir jedenfalls im Umgang mit so einigen technischen Geräten, die über einen „Standby-Modus“ verfügen. Praktisch, weil man sie ja auch über Nacht nicht komplett abschalten muss – dann stehen sie einem beim nächsten Einsatz umso schneller wieder zur Verfügung.

Dass so etwas auf das ganze Jahr gerechnet viel Geld vergeudet, hat bei mir nicht allzu viel bewirkt; das Wissen um die Schädigung der Umwelt weckte wenigstens dann und wann mein Gewissen  – aber die Müdigkeit am Abend war dann meistens doch stärker. So schlimm wird das doch nicht sein …  und dann, in den ersten wirklich heißen Sommernächten habe ich es gespürt: in allen anderen Räumen kühlt es noch angenehm ab, nur bei den weiterhin kaum hörbar brummenden Elektro-Geräten im „Halbschlafzustand“, da kam die weiterhin abgegebene Wärme aufdringlich auf mich zu. Da ist es mir auf einmal leicht gefallen, auf den „Luxus“ des Standby-Modus zu verzichten, um der angenehmeren Temperatur in meinem Wohn- und Arbeitsbereich willen. Dieser Zusammenhang ist mir ja auch nahe genug gekommen.

Aber wie ist es mit all den Auswirkungen meines Lebensstils, die ich nicht so unmittelbar spüren kann?
Bin ich bereit, auch und gerade dort etwas zu verändern, wo es um die Lebensmöglichkeiten der Generationen nach mir geht?

Ich hoffe, dass die Flutkatastrophe uns aufrüttelt und bereit macht für alltägliche Achtsamkeit und für die Veränderung unserer Gewohnheiten. Als Christinnen und Christen sind wir immer wieder neu dazu aufgerufen, sorgsam mit der Schöpfung umzugehen. Umso mehr wissen wir um unsere Grenzen und um all die Situationen, in denen uns das nicht gelungen ist.

Still werden und sich auf den Schöpfungsatem in uns konzentrieren – das kann ein guter Anfang zu Veränderungen sein. Gott hat in uns in jedem Atemzug die Verbindung zu seiner Schöpfung hineingelegt und auch die Verbindung zu der Kraftquelle, die uns selbst und alles verändern kann:   

 „Sendest Du Deinen Atem aus, werden sie erschaffenund Du erneuerst das Angesicht der Erde.
Ps 104,30 (ELB)

Bleiben Sie behütet!

Ihre / Eure  Pastorin Anja Müller