Diese Weihnachtszeit erwarten viele von uns wahrscheinlich mit einer besonderen Gefühlsmischung: Vorfreude und Bangen wechseln einander ab. Auf der einen Seite schaut die Vorfreude schon ganz zuversichtlich auf das Fest der Menschwerdung Gottes: ein Grund zum Feiern. Doch ihr gegenüber steht oft noch das Bangen, ob wir die Festfreude in diesem Jahr überhaupt so richtig miteinander teilen können.
Wie werden wir in unserer Kirche miteinander feiern können?
Werden Verwandte und Freunde sich unbeschwert treffen können?
Werden beispielsweise mein Mann und ich in den Urlaubstagen zum Jahreswechsel nach Österreich fahren können, um endlich wieder Familie und Freunde dort ganz „in echt“ sehen zu können?
Die Wartezeit auf das, was kommt, wird wohl auch in diesem Jahr nicht einfacher.
So manche der älteren Geschwister in unserer Gemeinde und an allen anderen Orten kennen diese Erfahrung nur zu gut: an Weihnachten, da wird die Sehnsucht nach Nähe zu liebgewordenen Menschen oft unermesslich groß. Wer das eigene Zimmer, die eigene Wohnung nicht verlassen kann, der weiß meistens nur allzu gut: so fühlt sie sich an, diese Sehnsucht.
Wir alle wissen jetzt noch nicht, was in den kommenden Wochen mit Blick auf das Pandemie-Geschehen an Kontakten möglich sein wird. Aber eines können wir ausprobieren, jede und jeder für sich: diese Sehnsucht der Anderen mitzufühlen.
Erst ein kleines bisschen, und dann je länger mehr und mehr.
Und wenn wir dann in dieser Sehnsucht verbunden sind, ruft uns das alte biblische Wort zu:
Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!
Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.
(Sach 2,14)

Die Freude hat sich durch die Sehnsucht durchgekämpft. Übersprudelnd kündigt sie den einen „Besuch“ an, der zu uns kommt – auf jeden Fall, egal, wie die Umstände um uns herum auch aussehen mögen. Gott selbst kündigt sein Kommen an – und so, wie wir es in diesen Zeilen lesen können, ist das wirklich eine durch und durch gute Nachricht: Gott kommt zu dir und will bei dir wohnen. Das hat Er selbst zugesagt, in jenen alten Zeiten, die uns gleichzeitig so fern und so nahe sind.
An Weihnachten lässt Gott uns auf besondere Weise spüren, wie sehr Er mit uns Menschen mitfühlt. So sehr, dass Er einer von uns wird, sich als Mensch berühren und fühlen lässt, mit all dem, was zu unserem menschlichen Leben dazugehört. So nahe ist der Herr uns gekommen, dass Er bei uns wohnen möchte.  
Zum Wohnen, da gehören die Feiertage dazu, aber auch jeder einzelne Alltag. Wer miteinander wohnt, teilt Warte-Tage, Fest-Tage und all die anderen Tage, die auf einen zukommen. Wenn Gott bei dir wohnt, dann ist Er an allen Tagen mit dir:
an den Tagen, wo du um die Zukunft bangst, an den Tagen der leisen Vorfreude oder des frohen Festes; an den Tagen, mit den das alte Jahr ausklingt und an allen Tagen des neuen Jahres. Immer.
 

Ich wünsche Euch/Ihnen, dass sich die Freude über Gottes Nähe spüren lässt – und wohnen bleibt und uns verbindet. Ganz besonders in Tagen um Weihnachten herum und an jedem Tag im Neuen Jahr.

Mit herzlichen Segenswünschen,

Eure / Ihre Pastorin Anja Müller