Jesus spricht: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ (Joh 14,19)

Als Martin Luther älter wurde, fiel ihm so manches schwer und er fühlte sich von Zeit zu Zeit niedergedrückt. So nutzte, wie berichtet wird, seine Frau Käthe einmal die Zeit seiner Abwesenheit, um ihm eine bleibende Erinnerung an den stärksten Trost zu schenken, den wir hier auf Erden haben: Sie beauftragte einen Steinmetzmeister, um ihr Hausportal neu gestalten zu lassen. Im Torbogen sollte das Wort „vivit“ eingemeißelt werden – (lat.) „Er lebt!
In diesem einen Wort steckt die Gewissheit der großen Hoffnungsbotschaft und Käthe Luther hatte sich wohl daran erinnert, dass ihr Mann schon früher immer wieder dieses eine Wort aufgemalt hatte, wenn er sich der lebendigen Gegenwart seines Herrn ganz augenfällig vergewissern wollte.

„Vivit“, das hatte er wohl schon in jüngeren Jahren immer wieder in Kreide sich vorgeschrieben. Dieses eine Wort machte ihm Mut: „Jesus lebt, und wenn er nicht lebte, so begehrte ich nicht, eine Stunde zu leben. Allein weil er lebt, so werden auch wir leben durch ihn, wie er selber gesagt hat: Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ (Martin Luther).

Und jetzt war es seine Frau, die dieser Botschaft einen neuen, besonderen Platz gab. Wenn Martin wieder nach Hause kam, so sollte er es als erstes lesen – und mit ihm alle Besucherinnen und Besucher, die durch diesen „Trostbogen“ bald hereinkommen werden.

Jesus lebt – und das ist der Grund unserer Hoffnung.

Jesus selbst hat es schon seinen Jüngern gesagt, als sein irdischer Abschied unausweichlich bevorstand.
Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ (Joh 14,19)

Manchmal tut es gut, sich das aufzumalen. Auch wenn kaum jemand von uns einen Text in seinen eigenen Torbogen hineinmeißeln kann – es gibt so viele Möglichkeiten, wie das Wort, wie das Zeichen, dass unser Herr lebt und bei uns ist Gestalt annehmen kann. Hauptsache, wir haben es vor Augen – und in unserem Herzen!
 

Für dieses Osterfest wünsche ich unserer Gemeinde ganz besonders, dass wir selbst zu so einem großen gemeinsamen „Trostbogen“ werden, wo auch immer jede und jeder einzelne gerade die meiste Zeit verbringt. Dass wir für andere zu einem lebendigen Trostbogen werden – und dass wir spüren, das dieser himmlisch – irdische Bogen auch jederzeit über uns ausgespannt ist, wenn wir ihn nötig haben. Jesu Leben schließt unser Leben ein.

Auf das Leben – Alleluja!

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Fest der Auferstehung -
weil Jesus lebt und will, dass auch wir leben!

Mit herzlichem Ostergruß,

Ihre Pastorin Anja Müller