Jesus und Johannes der Täufer

Predigtimpulse Matthäus 3, 13-17 zum

1. Sonntag nach Epiphanias /

11. Januar 2026[1]

 

 

Der Text: Matthäus 3, 13-17

 

  1. lässt sich von Johannes taufen

13Damals kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes. Er wollte sich von ihm taufen lassen.

14Johannes versuchte, ihn davon abzuhalten. Er sagte: »Ich müsste doch eigentlich von dir getauft werden! Und du kommst zu mir?«

15Jesus antwortete: »Das müssen wir jetzt tun. So erfüllen wir, was Gottes Gerechtigkeit fordert.« Da gab Johannes nach.

 

16Als Jesus getauft war, stieg er sofort aus dem Wasser. In diesem Moment öffnete sich der Himmel über ihm. Er sah den Geist Gottes, der wie eine Taube auf ihn herabkam. 17Da erklang eine Stimme aus dem Himmel: »Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.«

(Text nach der Übersetzung der Basisbibel 2021)

 

 

 

 

Liebe Lesende,

 

Bibelgeschichten tragen viele Traditionen von einer Generation in eine spätere Generation. In den christlichen Gemeinden des 6.-7. Jahrhunderts fing man an, nicht nur Jesus und Johannes bei der Taufe zu zeichnen und zu malen, sondern auch der Jordan wurde zu einer eigenen Person. Wie eine orientalische Gottheit ruht in der unteren Ecke des Bildes oben der Fluss Jordan und beobachtet, was da passiert. Die Fische schauen zu und auch der alte Hüter des Flusses. Alle lebenden und geschaffenen Dinge werden von der Offenbarung Gottes in der Taufe Jesu gerührt. Da passiert etwas, dem sich niemand und nichts entziehen kann.

 

Was bleibt in unserem Jahrhundert von dieser alten Geschichte übrig und kann man sich immer noch so faszinieren lassen von dieser Begegnung zwischen Jesus und Johannes, wie dies viele Menschen vor uns getan haben?

 

Durch Worte wird erklärt, was da passiert

 

Matthäus nutzt die Erklärungen, die die aktiven Personen in dieser Geschichte selbst geben, wenn er die Geschichte erzählt. Drei Zitate nimmt er auf:

 

»Ich müsste doch eigentlich von dir getauft werden! Und du kommst zu mir?«

Johannes bringt mit seiner Frage das Thema zur Sprache, das lange Zeit Menschen in den jungen Gemeinden umgetrieben hat. Auch nach dem Tod des Täufers gab es Menschen, die sich auf Johannes als ihrem Lehrer beriefen. Sie hatten dabei Kontakt zu den Anhängern Jesu (siehe Apostelgeschichte Kap. 19). Die Gruppen um Jesus und Johannes könnten einander als Konkurrenten erlebt haben in der Frage, welcher Rabbi und Lehrer nun die höhere Autorität hatte, um Gottes Zukunft mit seinem Volk zu prophezeien. Die Christen waren überzeugt, dass Jesus der erwartete Messias und der Sohn Gottes ist. Sie fragten sich, warum Johannes, der doch unter Jesus stand, diesen taufen durfte. Johannes selbst nimmt diese Fragen aus der Gemeinde auf und scheint dabei selbst nicht glücklich mit dem Arrangement zu sein.

 

»Das müssen wir jetzt tun. So erfüllen wir, was Gottes Gerechtigkeit fordert.«

Die Übersetzung der Basisbibel, die versucht unser aktuelles Sprachempfinden in die Übersetzung einfließen zu lassen, schreibt einfach: das muss man jetzt machen. Keine lange Diskussion oder eine dezidierte Abgrenzung gegenüber den Anhängern des Johannes, die man hier ja artikulieren könnte. Dafür gibt die Antwort Jesu ein ganz neues Stichwort: es geht um die Gerechtigkeit Gottes. Mit der Taufe wird dem Anspruch Gottes an diese Welt und seinen Geschöpfen neu Genüge getan. Wer sich taufen lässt anerkennt, dass allein Gottes Gerechtigkeit dieser Schöpfung das Leben schenkt und erhält.

 

»Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.«

Nun liest man von der Stimme aus dem Himmel. Gott bekennt sich mit seinem Wort zu Jesus als seinem himmlischen Sohn. Jesus wird vom Heiligen Geist gefüllt und eine Taube, die schon in der Noah-Geschichte eine wichtige Rolle am Ende der Sintflut spielte, setzt sich auf Jesu Schulter. Das vernichtende Gericht Gottes über seinem Volk und dieser Welt hat ein Ende. Zu Jesus und mit ihm spricht Gott ein Wort in diese Welt, das Freude und Wohlgefallen – so die Formulierung in der Weihnachtsgeschichte! - ausdrücken.

 

Zweifel über die Richtigkeit der Taufe, Bestärkung und Begründung, warum es nun diese Taufe braucht, und am Ende die Bestätigung, dass die Taufe Jesu neu den Himmel öffnet und Gottes Wort hörbar macht, so erzählt Matthäus diese Geschichte.

 

Sehr schlicht wird hier ein Augenblick beschrieben, der den Lauf der Welt verändert.

Nicht mehr die wirtschaftliche Not, die damals viele Familien und Freunde Jesu belastete, wird die Zukunft beherrschen, sondern Gottes Wort in Jesus mitten in dieser Welt.

Die Gewalt und die Tyrannei der römischen Besatzer wird Menschen nicht mehr in Angst und Mutlosigkeit treiben können, den Gott ist präsent. Gott hat seine Freude an dem, der da getauft wird.

 

Jesus und Johannes, wie stehen sie zueinander?

 

Es kann helfen, sich an die Bilder zu erinnern, vor denen wir selbst vielleicht schon mal gestanden haben oder die uns in Filmen und Büchern begegnet sind. Bei Leonardo da Vinci weißt der Finger von Johannes dem Täufer einfach nach oben. Dort im Himmel findet man den, dem der Täufer den Weg bereitet. Auf dem Isenheimer Altar hat der Maler Johannes einen stark übertriebenen Zeigefinger gegeben, der auf Jesu am Kreuz hinzeigt. Unsere Bilderwelt ordnet in altkirchlicher Tradition die Rolle des Johannes der von Jesus als dem Sohn Gottes unter.

 

Doch Jesus selbst hat dieses Schema aufgebrochen.

Er ordnet sich Johannes unter. Von ihm lässt er sich taufen und tauft nicht Johannes. Am Anfang seines Weges steht kein Symbol der Macht und der Stärke, sondern ein Akt der Unterordnung. Später wird er seinen Jüngern, als diese ihn fragen, erklären, dass der, der in Gottes neuer Welt leiten will, sich zum Diener der anderen machen muss.

 

Doch auch von Johannes dem Täufer sind neben der oben zitierten Frage Aussagen bekannt, die zeigen, wie wenig ihm daran gelegen war, als Lehrer oder Impulsgeber für die Sache Jesu im Bewusstsein zu bleiben: „Ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (Lukas 3,16) Das Aufschnüren der Riemen an den Wanderschuhen war eine Sklaventätigkeit. Der Täufer stellt sich selbst in seinem Tun in Hinblick auf Jesus unter die Tätigkeit eines Sklaven. Auch Johannes scheint in großer Demut und Wertschätzung Jesus begegnet zu sein. Später wird er im Gefängnis zweifeln, ob er sich vielleicht in Jesus getäuscht haben könnte. Doch die Antwort Jesus von den Lahmen, die nun gehen können, und den Blinden, denen das Augenlicht neu geschenkt wurde (siehe Matthäus 11), wird Johannes neu in seiner Meinung, in Jesus dem Messias begegnet zu sein, bestätigt haben.

 

Jesus achtet Johannes und Johannes ordnet sich dem jüngeren Jesus unter. Auch Männer „können“ Frieden, ohne dass dies gleich als tiefe Freundschaft verklärt werden muss. Beide müssen sich nicht feiern lassen, um in ihrem Dienst und ihrer Arbeit Anerkennung zu erleben. Beide sind sich ihrer Sendung durch Gottes Wort gewiss und leben sie einfach.

 

Was wäre das für ein Segen in unserer Zeit, wenn die, die es in ihrer Autorität und ihrer Macht über andere weit gebracht haben, nicht mehr als Könige und Unterdrücker einander begegnen, sondern Demut üben. Bei der Begegnung von Jesus und Johannes bekommt man eine Folie für gelingende Begegnung zwischen Alpha-Tieren an die Hand.

 

Jeder wird berührt von dem, was geschieht

 

Wir haben am Anfang gefragt, was uns heute an dieser Taufe Jesu fasziniert.

In der Krippenerzählung hat man sich wieder erinnern lassen, wie alltäglich und menschlich der Weg Jesu in dieser Welt angefangen hat. Das Heilige und das Himmlische tauchen nur durch kurze Impulse der himmlischen Boten auf.

 

Bei der Taufe Jesu verschiebt sich die Dimension. Es gibt für alle, die mit dabei sind, keinen Zweifel mehr daran, dass sich in Jesus Himmel und Erde berühren. Die Rettungsgeschichte des Noah wird in Jesu Taufe weitererzählt. Gottes Worte bleiben nicht verborgen, sondern alle hören sie. Die Tür zum Himmel mitten in unserer Zeit steht offen.

 

Das könnte etwas für unsere moderne Welt sein.

Wir sind nicht mehr allein, wo wir an den Lösungen für die großen Probleme unserer Zeit arbeiten. Wo Jesus in das Leben eines Menschen hineintritt – vielleicht auch durch Taufe -, hört man Gott zu sich persönlich, zu uns als Gemeinschaft und zu dieser Welt reden.

Es sind Worte der Zuversicht und der Freude.

Das Gericht und die Zerstörung dieser Schöpfung werden ein Ende haben.

Amen.

 

Haben Sie Rückfragen oder möchten Sie einen Gedanken der Predigt noch weiter im Gespräch vertiefen? Wenden Sie sich an mich über eine der unten genannten Kontaktmöglichkeiten,

Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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[1] Bild: Taufe Christi, Miniatur aus dem Hitda-Evangeliar, um 1020 – Wikipedia 2026