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Predigtimpulse zu Apostelgeschichte 6, 1-7 // 29. August 2026

 

 

 

 

 

Der Text: Apostelgeschichte 6, 1-7 – Sieben Helfende für die Apostel

 

1In dieser Zeit wuchs die Zahl der Jünger stetig. Doch bald wurden in der Gemeinde Klagen laut. Sie kamen von den Griechisch sprechenden Mitgliedern, die aus anderen Ländern zugezogen waren. Die warfen den Hebräisch sprechenden Einheimischen vor, ihre Witwen bei der täglichen Speisung zu übergehen.

2Daraufhin beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und sagten: »So geht das nicht! Wir können doch nicht die Verkündigung von Gottes Wort vernachlässigen – und uns stattdessen selbst um die Essensausgabe an den Tischen kümmern. 3Brüder und Schwestern, wählt aus eurer Mitte sieben Männer aus. Sie sollen einen guten Ruf haben und vom Geist Gottes und von Weisheit erfüllt sein. Ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. 4Wir dagegen werden uns ganz dem Gebet und der Verkündigung widmen.«

5Der Vorschlag fand die Zustimmung der ganzen Versammlung. Sie wählten Stephanus, einen Mann mit festem Glauben und erfüllt vom Heiligen Geist. Hinzu kamen Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, ein Grieche aus Antiochia, der zum jüdischen Glauben übergetreten war. 6Diese sieben ließ man vor die Apostel treten. Die beteten für sie und legten ihnen die Hände auf.

7Das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wuchs immer weiter. Sogar von den Priestern nahmen viele den Glauben an Jesus an.

(Text nach der Übersetzung der Basisbibel 2021)

 

 

Liebe Gemeinde,

 

alleine etwas zu machen, gelingt nicht immer. Der Gedanke kommt einem beim Organisieren schnell mal, dass selbst die Sache in die Hand zu nehmen, doch schneller geht, wie jemand anders alles erst zu erklären, ihm oder ihr dann noch genau zeigen, wie etwas funktioniert, und am Ende das Ergebnis noch mal kritisch prüfen zu müssen. Doch je mehr Menschen von dem Erfolg einer Arbeit abhängig sind, desto intensiver müssen wir überlegen, wie wir gemeinsam eine Aufgabe am besten angehen können.

 

In der nordamerikanischen Politik erlebt man seit vielen Monaten, was für ein Chaos und wie viele Blessuren und Ärgeres zurückbleiben, wenn einer allein meint alles am besten machen zu können. Im günstigsten Falle lächeln wir über den neuen Namen eines der größten nordamerikanischen Binnenmeere. Aber es sind in den letzten Monaten auch die Kriege im Gaza und gegen die iranische Republik eskaliert und es gab einen von außen orchestrierten Putsch in Venezuela. Alleine kann man sich leicht als starker Mann inszenieren, aber Frieden und Gerechtigkeit braucht Gespräche, Kompromisse, Vereinbarungen und Vertrauen.

 

Die Episode aus der Jungen Gemeinde in Jerusalem, die man in der Apostelgeschichte nachlesen kann, dokumentiert, wie mit einem gut überlegten Vorschlag am Ende alle zu ihrem Recht kommen und es die Gemeinschaft insgesamt stärkt.

 

Verantwortung abgeben und verteilen

 

Die Probleme entstehen in der christlichen Gemeinde dort, wo man sie als letztes erwarten würde.

Da werden bei der Verteilung der gemeinsamen Güter im kommunitären, gemeinschaftlichen Zusammenleben die „Ausländer“ mit ihrer griechischen Sprache von den Anderen etwas weniger herzlich und gerecht bedient, wie alle anderen, die einheimisch sind und Hebräisch sprechen. Dass das nicht geht, steht gar nicht zur Debatte, aber nun muss verhandelt werden, wie man diese unfaire Praxis abstellt und es besser machen kann.

 

Die leitenden Apostel machen den klugen Vorschlag, sieben Personen nur für die Aufgabe der gerechten Güterverteilung und andere diakonische Dienste in der Gemeinschaft zu beauftragen. Heute fällt uns auf, dass den Frauen in der Gemeinde die Fähigkeit, dies überzeugend tun zu können, nicht zu gestanden wurde. Doch man achtet auf eine gute Verteilung zwischen Griechen und Hebräern bei der Auswahl der Beauftragungen. Die leitenden Apostel gaben ihre Macht ab und berufene Menschen nahmen die Verantwortung nun selbst in ihre Hände. So wurde das Problem gelöst und eine gerechte Fürsorge für alle in der Gemeinde konnte neu organisiert werden.

 

In der Gemeinde müssen dabei die gleichen Hürden bei einer Wahl von Menschen überwunden werden, wie in alle gesellschaftlichen Gruppen, wo man sich entschieden hat, gemeinsam die Probleme zu lösen. Es müssen einzelne gefunden werden, die bereit sind den Mehr-Einsatz für Anderen zu leisten. Dazu muss sichergestellt werden, dass die, die die anderen berufen und einsetzen, darauf achten, wer eine Aufgabe am besten lösen kann, und nicht zuerst überlegen, von wem ich nach einer Wahl die meisten persönlichen Vorteile erwarten kann.

 

Die Wahl gelingt in der Gemeinde und bis heute tut es allen in der Gemeinde gut, wenn die richtigen Menschen für Aufgaben und Ämter in der Gemeinschaft bestimmt wurden, die ihre Arbeit gut machen und alle zu ihrem Recht kommen lassen.

 

Fürsorge für andere und Nächstenliebe dokumentiert sich hier in der fairen Verteilung der Güter, die für alle zur Verfügung stehen.

 

Alle müssen etwas von den Regeln haben – dann geht es gerecht zu!

 

Die christlichen Gemeinden haben diesen Erfolg nach der Teilung der Aufgaben auf verschiedene Personen und Ämter zu einem Merkmal ihrer inneren Organisation gemacht. Predigen, organisieren, diakonisch helfen und pädagogisch gut leiten verteilt man bis heute auf verschiedene Schultern in der Gemeinde.

 

Wer die Ämter und Aufgaben miteinander bestimmt, hilft denen, die wenig in die Gemeinde einbringen können und die besondere Unterstützung brauchen. Damit die, die den Schutz der Gemeinschaft brauchen, diesen bekommen, lebt die Gemeinde ihre demokratischen Regeln.

 

Die Gemeinde spiegelt in ihrer Welt das, was auch in der großen Politik immer wieder erreicht werden muss: es müssen die eine Aufgabe übernehmen, die den Respekt der großen Mehrheit sich verdient haben. Gleichzeitig muss an Regeln und Ordnungen gearbeitet werden, die besonders die Schwachen und Schutzbedürftigen unterstützt und ihnen Lebensmöglichkeiten eröffnet.

Wie das richtig und überzeugend umgesetzt werden kann, dafür braucht es immer wieder – siehe oben! – Absprachen, Diskussionen, Kompromisse und ein tatkräftiges Zupacken.

 

Urho Kekkonen – ein Vorbild für eine Politik, die zusammenbringt und nicht spaltet

 

In dieser Woche jährt sich zum 40zigsten Mal der Todestag und die Beisetzung eines Mannes, der die ausgleichende Form der Politik an einer Konfliktlinie in Europa viele Jahre lang geprägt hat.

 

Urho Kekkonen wurde 1900 im nördlichen Finnland als Sohn eines einfachen Waldarbeiters geboren. Er war sein Leben lang sportlich aktiv, wurde 1924 finnischer Meister im Stabhochsprung und lief die 100-Meter in 11Sekunden. Er studierte Jura, war in verschiedenen öffentlichen Ämtern tätig. 1936 wurde er Justizminister, nach dem zweiten Weltkrieg wurde er zum Ministerpräsidenten berufen und ab 1956 wählte man ihn zum Staatspräsidenten, der er bis 1981 blieb.

 

Finnland hatte 1917 seine Unabhängigkeit vom russischen Vielvölkerstaat erklärt.

Die Grenze zwischen Russland und Finnland war nach dem zweiten Weltkrieg immer eine sehr sensible Grenze und nur mit viel diplomatischem Geschick konnte sich in diesen Jahren Finnland seine Unabhängigkeit bewahren, trotz der regelmäßigen Provokationen der russischen Föderation. Die Politik der Neutralität und des Ausgleichs übernahm Urho Kekkonen als Staatspräsident von seinem Vorgänger und erneuerte sie immer wieder in seiner Amtszeit. Sie schenkte seinem Land eine friedliche Koexistenz mit dem russischen Nachbarn.

 

1972 lud er zu Abrüstungsverhandlungen zwischen den beiden Machtblöcken in Ost und West nach Helsinki ein. 1975 kam es in Helsinki zu einem Vertragsabschluss aller beteiligten Nationen und die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (=KSZE) wurde gegründet. Die Spaltung in Europa wurde durch die Politik von Urho Kekkonen und vielen mit ihm verbundenen Persönlichkeiten erfolgreich überwunden und hat für uns im Berliner Mauerfall 1989 sein wichtigstes Symbol.

 

In der Traueransprache für Urho Kekkonen sagte am 7. September 1986 der Bischof von Helsinki, Jan Vikström:

„… Sein Leben lang war für Urho Kaleva Kekkonen die Zukunft unseres Volkes und Landes eine zentrale Frage. In seiner Abschiedsrede an seine Jünger sprach Jesus vom Weg und vom Leben. Aber in seiner Rede war auch ein drittes enthalten – die Wahrheit. Er sprach zu ihnen vom Weg, von der Wahrheit und vom Leben. Unser ehemaliger Präsident war ein Mann des Weges und er schaute auf der Reise immer nach vorne. … Und deshalb wollte er uns jene einmaligen Wahrheiten zeigen und warb um Respekt für sie, die Voraussetzung sind für das Leben in diesem Land, in dieser Ecke Europas. Der Weg, die Wahrheit und das Leben….

 

…Auf seinem letzten Weg folgt ihm unsere Flagge, auf der sich das Kreuz unseres Herren Jesus Christus befindet, das Kreuz der Versöhnung, das Kreuz, mit dem Christus heilte, was in unserer Welt zu Schaden gekommen war.

Mit diesem Kreuz wurde Urho Kekkonen bei seiner Taufe gezeichnet und im Zeichen dieses Kreuzes wurde er als Kind in seiner Heimat Pielavesi erzogen. Dieses Kreuz der Versöhnung, werde ich heute über seinem Sarg zeichnen hier im Dom in Helsinki. Das Kreuz Christi folgt ihm auch auf seiner letzten Reise. …“

 

Menschen des Friedens und Menschen, die den Ruf Jesu zur Nächstenliebe, hören, finden in dem finnischen Staatspräsidenten ein Vorbild, wie durch Begegnung, Verhandlung und Ausgleich diese Welt dem Reich Gottes ähnlicher wird und Jesu Wort der Umkehr und der Versöhnung in konkrete Lebenspraxis übersetzt werden kann.

Amen.

 

 

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Pastor Günter Loos

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Wie baut man weiter?

Predigtimpulse 1. Korinther 3, 9-14 //

 23. August 2026[1]

 

Der Text: 1. Korinther 3, 9-14

Das gemeinsame Fundament ist Christus

 

9Es ist also Gottes Werk, an dem wir mitarbeiten und ihr seid Gottes Ackerland oder besser: Gottes Bauwerk. 10Als erfahrener Bauleiter habe ich das Fundament gelegt. Dazu hat Gott mich in seiner Gnade befähigt. Jetzt baut ein anderer darauf weiter. Aber jeder muss aufpassen, wie er weiterbaut. 11Denn niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das schon gelegt ist. Und das ist Jesus Christus.

                                                                                                                                   

12Es kommt darauf an, womit auf dem Fundament weitergebaut wird: mit Gold, Silber, Edelsteinen, Holz, Heu oder Stroh. 13Es wird sich noch zeigen, was das Werk eines jeden Einzelnen wert ist. Denn der Tag des Gerichts wird es aufdecken, wenn er mit Feuer hereinbricht. Das Feuer wird prüfen, wie das Werk eines jeden Einzelnen beschaffen ist. 14Hält das von ihm gebaute Werk dem Feuer stand, wird er belohnt. 15Verbrennt das Werk, muss er den Verlust tragen. Er wird gerettet werden wie jemand, der gerade noch dem Feuer entkommen ist.

 

16Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und Gottes Geist darin wohnt? 17Wer den Tempel Gottes zugrunde richtet, den wird Gott zugrunde richten. Denn der Tempel Gottes ist heilig. Und dieser Tempel seid ihr. (Text nach der Übersetzung der Basisbibel 2021)

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

kennen Sie San Gimignano?

Diese Stadt im Herzen der Toscana ist berühmt für ihre vielen Hochhäuser, von denen die meisten im 13. Jahrhundert gebaut worden sind. Es war damals in Norditalien üblich, dass man seinen Wohlstand und seinen Einfluss in Geschlechtertürmen sichtbar für alle in die Stadt baute. Die Türme waren nicht sehr breit, aber einige erreichten eine Höhe von über 50 Metern. Dies führte in der Stadt dazu, dass ein Wettstreit unter den reichen Kaufleuten entstand, wer sich den höchsten Turm leisten konnte. Um hier mitzuhalten, verschuldeten sich verschiedene Handelshäuser über die Maße und drohten dadurch in die Insolvenz zu geraten. Man wollte zu den ganz Mächtigen in der Stadt gehören und riskierte dabei das sichere Fundament für das Leben der Familie und des Unternehmens zu verlieren.

 

Der Kampf der Überzeugungen in der Gemeinde

 

Auch nach 2 Jahrtausenden spürt man in den Briefzeilen von Paulus an die Gemeinde im griechischen Korinth, in welche aufgewühlte Situation hinein dieser Brief seine Leser und Leserinnen erreicht.

 

Wer in diesem Brief weiter liest, lernt von der Konkurrenz unter den verschiedenen Parteien in der Gemeinde.

Paulus schreibt dazu: „Ich habe erfahren, dass es unter euch Streit gibt. Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: `Ich gehöre zu Paulus.´ `Ich gehöre zu Apollos.´ `Ich gehöre zu Kephas.´ `Ich gehöre zu Christus.´“ An dieser Stelle wird klar, wie unsinnig dieser Streit ist. „Christus lässt sich nicht zerteilen! Bin ich etwa ich, Paulus, für euch gekreuzigt worden? Oder wurdet ihr im Namen von Paulus getauft?“ „Nein“, antwortet Paulus, „Ich bin nur gekommen um die Gute Nachricht von Christus in Korinth weiterzusagen.“[2]

 

In diese Konkurrenz zwischen den verschiedenen Fraktionen mischen sich auch sehr verschiedene Ideen davon mit hinein, worauf es in der christlichen Gemeinde ankommt. Es scheint Leute gegeben zu haben, die Visionen und Eingebungen hatten, und mit dem Anspruch auftraten, dass nun alle diese Gedanken als vom heiligen Geist autorisiert übernehmen müssen. Viele bauten da ihre geistlichen „Türme“ mitten in die Gemeinde hinein.

 

In dem Briefabschnitt, den Sie am Anfang gelesen haben, wirbt Paulus im Wildwuchs der vielen Ideen, die einander übertrumpfen wollten und ihre Anhänger zur wahren Leitung der Gemeinde ernannten, für ein anderes Wachstum des Glaubens in der Gemeinde.

 

Alle Fraktionen, davon geht Paulus aus, erinnerten sich gut daran, was am Anfang ihrer Diskussion gestanden hat. Man wollte in guter Weise an Gottes Werk in der Gemeinde mitarbeiten.

 

Dazu kommen die grundsätzlichen Glaubenserkenntnisse, warum man in der Gemeinde lebt:

  • Gottes Geist hat den Glauben in die Herzen der Geschwister mit ihren ganz eigenen Mentalitäten, Kulturen und Grundüberzeugungen gepflanzt und wachsen lassen.
  • Christus ist nicht nur für die auferstanden, die seine Botschaft von Gottes anbrechendem Himmelreich in dieser Welt mitunterschreiben konnten, sondern zur Erlösung von der Macht des Todes für alle Kreatur.
  • Gott hat selbst seinem Volk und allen in der Gemeinde diese Welt anvertraut, damit wir bewahrend und aufbauend in ihr leben.

 

Diese Überzeugungen verbanden in Korinth die Geschwister als sie sich als Gemeinde auf den Weg machten. Sich daran zu erinnern, öffnet den Raum, in dem ein fruchtbarer Dialog entsteht. In der Diskussion über die unterschiedlichen Positionen in der Sexualethik und welche Stellung die sexuelle Orientierung für den Glauben und die Mitgliedschaft in der christlichen Gemeinde hat, ist uns in den vergangenen Jahren in der methodistischen Bewegung ein Satz wichtig geworden:

„Wir wollen einander den Glauben glauben.“

 

Wenn man nicht mehr das Fundament des Glaubens, das in Christus gelegt wurde, in Frage stellt, dann kann man einander den Glauben glauben.

 

Wo sind die geschickten Handwerker und Handwerkerinnen in der Gemeinde Jesu?

 

Paulus will mit seinem Brief den Streit in der Gemeinde schlichten, aber er ermutigt auch, die Hoffnung und die Vision für diesen zerstrittenen Haufen nicht zu verlieren. Gemeinden bauen ein virtuelles Haus für Gott mitten in dieser Welt.

 

Wenige Jahre, nachdem Paulus seinen Brief geschrieben hat, wird im Bürgerkrieg der Juden mit der römischen Besatzungsmacht der Tempel in Jerusalem zerstört werden. Was die christlichen Gemeinden sich vornehmen und mit ihrem Engagement an vielen Stellen in dieser Welt umsetzen, wird gebraucht. Gott hat keine Adresse mehr. Die sichtbaren Tempel, die für ihn gebaut wurden, werden auch wieder zerstört und eingerissen. Doch es gibt in seinem Volk die Gemeinschaften von Menschen, die in ihrem Miteinander zeigen, wie wunderbar und heilig dieser Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde ist.

 

Dafür braucht es die Energie in der Gemeinschaft. Der Streit um die richtige Lehre und der Kampf um Macht und Anerkennung bindet viele gute Kräfte, aber sie könnten am Ende vor allem viele Verlierer zurücklassen.

 

Die Diskussion und die Suche danach, wie man das Haus Gottes in dieser Welt baut, welche Begabungen, Fertigkeiten und Ideen dafür notwendig sind, schafft etwas Neues. Wir werden in den kommenden Wochen im Oktober in der Lutherischen Gemeinde am Sedanplatz in Lage Kirchenjubiläum feiern und Anfang November laden die Methodisten in Lippe zu ihrem 150 Geburtstag als Kirche hier in der Region ein.

 

Als wir vor einigen Tagen in einem Treffen überlegt haben, was im vorletzten Jahrhundert wichtig war, damit die Arbeit der Gemeinde wachsen konnte, kamen wir zu überraschenden Entdeckungen. Die Evangelische Gemeinschaft, wie die methodistische Bewegung in ihren Anfangsjahren in Lippe hieß, kümmerte sich engagiert um Kinder. Sie brachte mit der Sonntagschule eine ganz neue Form der religions-pädagogischen Arbeit in diese Region. Was heute als Kindergottesdienst in vielen Gemeinden selbstverständlich geworden ist, fing mal mit sehr umstrittenen Treffen an, die von ehrenamtlichen Christen organisiert wurden. Bis heute bestätigen mir Menschen immer wieder, dass das Fundament ihres Glaubens in den Jahren, als sie in der Sonntagschule oder im Kindergottesdienst waren, gelegt wurde.

 

Das sind die hochwertigen Materialien und Baustoffe, mit denen christliche Gemeinden Gottes Zuhause in dieser Welt bauen. Mal sind es die musikalischen Projekte, die zu echten Edelsteinen im Kirchenalltag geschliffen werden. Ein anderes Mal pflegt die Gemeinde mit viel Demut und Liebe einen Menschen in die Gegenwart Gottes hinein. Oder man findet in den Mahlzeiten, den Kaffee-Runden und in den Treffen in den Gemeindehäusern einen Hafen, wo man sich erholen kann und innerlich aufgebaut wird.

 

Es bleibt bis heute eine berechtigte Warnung, sich nicht leichtfertig und nebenbei für Gottes Sache in dieser Welt zu engagieren. Doch wichtiger ist es, den Raum für Gottes Geist, der Menschen anspricht, der sie in die Gemeinschaft mit Christus hineinführt und der sie für die Liebe Gottes empfänglich macht, offen zu halten. Glaube wird nicht durch uns gestiftet. Aber wo Orte und Zeiten sind, um Gottes Geist zu erfahren, da passieren Wunder und Menschen fangen an zu glauben.

 

Ein Nachsatz

 

Die Stadt San Gimignano setzt irgendwann dem ruinösen Wettbewerb der Kaufleute und Händler eine Grenze. Man erhöhte um einige Meter den Rathausturm und es galt fortan, dass kein privater Turm mehr höher als der Rathausturm gebaut werden durfte. Dieser neue Turm bewahrte die einzelnen Familien davor, sich weiter gegenseitig übertrumpfen zu wollen und dabei am Ende den Wohlstand der ganzen Stadt aufs Spiel zu setzen.

 

Christus setzt den Maßstab in seiner Gemeinde für das, was unserem eigenen Ehrgeiz nicht mehr guttut und was wir als Gemeinschaft miteinander brauchen. Unsere Welt braucht nicht die vielen Kirchen und Ideologien, die miteinander in Konkurrenz leben und einander den Glauben absprechen. Es braucht Gemeinden und Kirchen, die gemeinsam auf dem Fundament, das Christus gelegt hat weiterbauen.

 

Die Autokraten mit ihren Kriegen und ihren Systemen von Unterdrückung und Ausbeutung oder die machtversessenen Bosse von Weltfirmen, die sich mit ihrer Technik und ihren Erfindungen zur Speerspitze des Fortschritts für die Menschheit ernennen, bräuchten heute wieder so einen Rathausturm wie in San Gimignano, der ihrem Ehrgeiz eine Grenze setzt.

 

Christus hat in seiner Gemeinde so einen Turm für diese Welt angefangen zu bauen. Wir dürfen dafür leben und werben, dass in Christus die Maßstäbe gesetzt sind, damit allen Kreaturen auch morgen noch das Leben geschenkt wird.

Amen.

 

 

 

 

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Ihr Günter Loos!

 

Pastor Günter Loos

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[1] Bild: Geschlechtertürme in San Gimignano, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org/w/index.php

[2][2] Siehe 1. Korinther 1, 12-17