Rundbrief Mai 2022

An(ge)dacht

An(ge)dacht

Ach, wie schön! Endlich mal ein Monatsspruch, der so oder so ähnlich auch auf jeder Geburtstagskarte stehen könnte. Gute Wünsche, vor allem Gesundheit, das ist ja in zwar nachlassenden, aber dennoch fühlbaren Pandemie Zeiten ein allgemein akzeptierter und gern gehörter Wunsch. Alles ist in diesen Wunsch miteingeschlossen, geistliches, leibliches und seelisches Wohlergehen, also ein umfassender Wunsch, der den ganzen Menschen meint und der ganzen Person einfach ein rundum Wohlergehens-Paket wünscht. Herrlich! Damit könnten wir jetzt

Schluss machen und uns entspannt zurücklehnen. Es ist ja alles gesagt, was wichtig ist. Aber ich wäre ja keine gute Bibelleserin, wenn ich nicht auch hier wieder meinem Lieblingsmotto treu bliebe, nämlich: Kontext, Kontext, Kontext! Dieser Bibelvers ist in Zusammenhang mit dem dritten Brief des Johannes, an einen ganz bestimmten Menschen geschrieben, nämlich an Gaius, einen engen Freund des Briefschreibers, der sich vor allem durch eine wunderbare Gastfreundschaft gegenüber den Geschwistern im Glauben erweist, die er auf ihren Missionsreisen beherbergt.

In den weiteren Zeilen des Briefes lesen wir dagegen wieder Altbekanntes heraus. Da ist von Auseinandersetzungen in der  Gemeinde zu lesen und Machtkämpfen unter den Gemeindeleitern.

Alle drei Johannesbriefe setzen sich ja mit Thematiken auseinander, die uns einen ziemlich guten Einblick in die Probleme und Lehrstreitigkeiten der frühen Christengemeinden geben: da wird gegen Irrlehren argumentiert, falsche Lehren müssen geprüft und verworfen werden, mit allen, oft auch schmerzhaften Konsequenzen, es herrscht allgemeine Unsicherheit in Bezug auf viele Alltagsfragen und es gibt Streitigkeiten unter den Gemeindeleuten. Wir sehen also, es war schon immer nicht ganz leicht, die verschiedenen Jesus-Nachfolger*innen unter einen Hut zu bringen. Jede und jeder hat da so jeweils eigene Auffassungen darüber, was „echte“ Nachfolge ist, und wodurch sich „die Wahrheit“ auszeichnet. Auch der Briefschreiber lobt Gaius für seine wackere Verteidigung der Wahrheit und meint damit wohl die frohe Botschaft von Jesus. Was die betrifft, erstaunt es mich schon immer wieder – und dann auch wieder nicht –, dass Jesu Worte offensichtlich doch nicht so ganz klar, direkt, eindeutig und eins zu eins zu verstehen, geschweige denn umzusetzen sind. Es erstaunt mich, dass Unfriede entstehen kann, statt dass der Versuch unternommen wird, einander in Frieden zu begegnen, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Und es erstaunt mich auch gar nicht, dass es immer wieder zu Zwist und Unsicherheit kommt, denn mal ehrlich, diese 2000 Jahre alten Worte sind zwar in modernen Übersetzungen besser verständlich, aber sie im eigenen Alltag umzusetzen, das war, ist und bleibt die größte Herausforderung für alle, die die Sache mit der Jesus-Nachfolge ernst nehmen wollen. Dass wir dabei sowohl von der einen als auch der anderen Seite vom Pferd herunterfallen können, ist uns hoffentlich spätestens dann bewusst, wenn die vermeintlich einfache Botschaft Jesu dazu führt, dass wir Menschen verletzen, vor den Kopf stoßen oder ausgrenzen. Solche Dinge passieren häufig dann, wenn dem Glauben noch die nötige Weite fehlt. Ich glaube nicht, dass ich mal eine annähernd große Weite wie Jesus erlangen könnte, der einfachjede/n angenommen und aufgebaut und wieder losgeschickt hat. Aber es ist sicherlich auch der Wunsch des Briefschreibers, dass dieser Gaius an Geist, Körper und Seele gesund bleibe und es ihm wohlergehe, weil er auf diese Weise einfach ein guter und treuer Mitarbeiter im Reich Gottes bleibt, und weiterhin die ihm übertragenen Aufgaben erfüllen kann: beherbergen und ausrüsten. Er geht nicht selbst auf Mission, nicht jede/r ist dazu berufen, aber er unterstützt die, die es tun mit allen Mitteln. Er hält fest an der Wahrheit, und die besteht darin, die zu lieben, die an seine Tür klopfen und die seinen Weg kreuzen. Das wiederum ist ein sehr sinnvoller Impuls für unseren Alltag, in dem wir sehr vielen unterschiedlichen Menschen begegnen, die alle unterschiedliche Dinge brauchen. Uns hier durch Großzügigkeit, Vergebungsbereitschaft, Nachsicht, aufrichtiges Interesse und Humor auszuzeichnen, wäre eine Möglichkeit, der Wahrheit treu zu bleiben. Eine andere besteht darin, unerschütterlich darauf zu vertrauen, dass Jesus uns mit allem ausrüstet, was wir brauchen, um das Wohlergehen anderer zu fördern und dass wir selbst dabei nicht zu kurz kommen, sondern bei Jesus Herberge und Stärkung finden für unsere müden Seelen und Körper.


Herzlichst eure Pastorin Raphaela Swadosch

 

 

Friedensgebet zur Ukrainekrise

Jesus Christus spricht: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch,
wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. 
Joh 14,27
 

Stille
Gott, Schöpfer aller Dinge, wir beten zu dir für den Frieden in deiner Welt.
Wir beten für das Wohlergehen und die Sicherheit unserer Schwestern und Brüder in der Ukraine
und in Russland:


Wir beten im Namen des Friedensfürsten.


Wir beten um Weisheit für alle, die Macht haben, damit sie zum Wohle aller Menschen
zusammenarbeiten:


Wir beten im Namen des Friedensfürsten.


Wir beten für diejenigen, die aufgrund von Konflikten vertrieben wurden oder werden, und für
diejenigen, die Aufnahme und Zuflucht bieten:


Wir beten im Namen des Friedensfürsten.


Wir beten für den Frieden in unserem eigenen Leben, in unseren Familien und in unseren Kirchen,
damit wir Gerechtigkeit, Würde und Liebe für alle anbieten können:


Wir beten im Namen des Friedensfürsten.


Gnädiger Gott, erhöre unser Gebet.


Im Namen Jesu Christi, des Friedensfürsten.
Amen.


Text: Pastorin Michaela Youngson, Methodistische Kirche in Großbritannien (Übersetzung: Harald Rückert).

 

Spenden für Ukraine
Geldspenden können auch direkt über die Weltmission laufen:

EmK-Weltmission
IBAN: DE65 5206 0410 0000 4017 73 BIC: GENODEF1EK1
Für eine Zuwendungsbescheinigung sind im Verwendungszweck Namen, Straße und PLZ
anzugeben.


Spenden sind auch über die Gemeindekonten möglich. Bitte gebt "Ukraine" an und wir leiten die Spenden dann umgehend weiter; der Spendenbetrag wird dann in die Jahresbescheinigung aufgenommen.

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