Monatsspruch Februar

5. Mose 26,11/E

Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.


Rundbrief

Februar

Diese aus dem Kontext gerissenen Bibelverse sind sehr schön. Sie klingen so als ob da nichts mehr kommt. Fröhlich sollst du sein über all das Gute, das Gott dir und deiner Familie schenkt, wunderbar. Nehm ich so - und scheitere nahezu täglich an der Umsetzung, dieses „du sollst...“. Es ist einfacher gesagt als getan, immer dessen eingedenk zu sein, was Gott für mich getan hat. Wie schnell lasse ich mich ablenken von schlechten Launen, miesem Essen, glatter Fahrbahn, die verhindert, dass ich raus kann, den x-ten Anruf von einer Betrugsbande bekommen, dem Handy Akku, der schon wieder leer ist (warum eigentlich?), ganz zu schweigen von den Nachrichten, die ja fast nur Schlechtes zu berichten haben und und und...

Und da auch noch diese Doppelung: fröhlich sollst du sein und dich freuen...ist das nicht irgendwie dasselbe? Ist das nicht ein viel zu hoher Anspruch? Der war vielleicht damals leichter umzusetzen, da gab es nicht so viel von dem, was wir eigentlich gar nicht brauchen, das uns die Aufmerksamkeit wegzieht von dem, der wirklich wichtig ist. Aber ich sag mal so: in der Antike war das Leben sicherlich (außer natürlich für die Elite, das ist bis heute so) für die meisten Menschen viel existentieller bedroht als heute. Technologie, Fortschritt, Medizin und Lebensmittelproduktion haben heute ein Ausmaß erreicht, das zum Himmel schreit. Und des Wachstums scheint kein Ende in Sicht. Es geht uns um so vieles besser als früher, aber ich fürchte manchmal, dass wir auch einen viel zu hohen Preis dafür bezahlen müssen: eine furchtbar verschmutzte Umwelt, ethische Grenzverletzungen, ungebremste Machtgier und Größenwahn weniger, die alle betreffen, schwindende Solidarität in der Gesellschaft und die Rückkehr von Faschismus und Nationalismus. In einer globalen Welt hat alles globale Auswirkungen. Bei einem solchen Befund will mir die Freude zuweilen abhanden kommen. Wäre da nicht mein Motto, das mir schon so oft geholfen hat: Kontext, Kontext, Kontext!

Denn der Kontext des Monatsspruchs ist einer, der mich am Ende wirklich dankbar macht. Und zwar deswegen: Das 26. Kapitel im 5. Buch Mose ist in meiner Übersetzung (NGÜ) überschrieben mit: Das Bekenntnis des Volkes bei der Darbringung der Erntegaben. Wir befinden uns noch jenseits des Jordans. Das Volk Israel ist noch nicht in das Land Kanaan eingezogen und hat sich dort niedergelassen, aber es werden von Mose letzte Anweisungen gegeben, wie zu leben und zu verfahren ist, wenn das Volk dereinst sesshaft geworden ist im gelobten Land. In diesem Kapitel geht es um die ersten Ernteerträge. Ernteerträge waren damals nicht nur überlebensnotwendig, sondern in hohem Maße abhängig davon, ob es den Früh- und Spätregen gab, keine Insekten die Felder befielen und genug Leute da waren, um die Ernte einzubringen. Diesen ersten Ernteertrag also, sollen die Israeliten ihrem Gott schenken, aus Dankbarkeit dafür, dass er sie und ihre Familien mit dem Überlebensnotwendigen versorgt hat. In diesem Zusammenhang soll sich auch jede Israelitin und jeder Israelit in die Geschichte des Volkes einreihen, in die Erinnerung an die Sklaverei in Ägypten und wie Gott sie daraus befreite und in das Land führte, in dem Milch und Honig fließen. Da erscheint es nur recht und billig, Gott dafür zu danken, indem ihm die ersten Früchte der Ernte dargebracht werden. Und dann heißt es: Freut euch über alles Gute, dass Gott euch und euren Familien gegeben hat. Lasst auch die Leviten (die Bediensteten im Heiligtum) und die Ausländer, die bei euch leben, mitfeiern.

Das macht mich jetzt also wirklich froh! Denn die Freude wird geteilt. Mit denen, die nicht selber anbauen, weil sie einen anderen Dienst zu versehen haben (Leviten) und mit denen, die nicht zum eigenen Volk gehören. So ist Gott! Offen, einladend, gastfrei und zugewandt, versorgt alle, damit alle fröhlich sein können. Dazu wird in den folgenden Versen noch einiges gesagt. Auch die Witwen und Waisen bekommen von der Gemeinschaft etwas ab, damit sie ein gutes Auskommen haben, und dies alles mündet in die gegenseitige Bundesverpflichtung: Gott will seinen Bund mit Israel nicht vergessen, und Israel soll an seinen Bund mit Gott denken.... In dieser Verbindung, in diesem engen Verbund mit Gott lässt es sich fröhlich leben, auch im Leid, denn für uns ist gesorgt. Ja, wir haben im Grunde zu viel. Deshalb ist es eine Freude, anderen etwas abzugeben von dem, was ich im Überfluss habe. Generell gastfrei und großzügig zu sein. Wer schenkt, beschenkt auch sich selbst. Und wer mit einer dankbaren Haltung lebt, wird auch mit den schlechten Nachrichten besser fertig und weiß, welche Prioritäten im Leben wirklich wichtig sind. Also freu ich mich jetzt einfach über diesen Monatsspruch, weil er mir nahe bringt, dass Gott niemals die Gerechtigkeit vergisst und uns Menschen einander zugewandt sehen will, denn von ihm bekommen wir alles, was wir brauchen, unter seinem Segen leben wir in der Fülle, die wir fröhlich mit denen teilen können, die um uns her leben. Gott sei Dank, für alles was ich haben darf. Gott schenke es mir, dass ich es mit anderen teile.

Eure Pastorin Raphaela


52 Filme über Menschen in Begegnung - gestartet!

bring&share

"Geht hinaus in alle Welt" - lautet der Auftrag Jesu an seine Jünger. Doch wie kann dieser Auftrag heute, im Jahr 2025, umgesetzt werden? Die Aktion "52 Filme" der Süddeutsche Jährliche Konferenz startet ab dem 1. Advent und liefert Woche für Woche kurze Videoclips, die zeigen, wie und wo Kirche ganz lebendig ist: überall genau dort, wo Menschen einander begegnen. Auslöser für diese Aktion ist der Claim der Süddeutschen Jährlichen Konferenz: "bring & share - Menschen in Begegnung". Seitdem entwickeln viele Gemeinden neue Formen des Miteinanders oder stärken bestehende Angebote. Andere sind noch auf der Suche nach Ideen, die zu ihnen passen.

52 Filme...

  • ...geben Einblicke in Projekte und Initiativen, die bereits heute Begegnung ermöglichen.
  • Sie machen sichtbar, wie vielfältig unsere Kirche ist - und wie viel schon geschieht.
  • Gleichzeitig möchten sie Gemeinden anregen und inspirieren, selbst aktiv zu werden.

     

52 Filme...

  • ...sind bewusst so gestaltet, dass sie sich gut auf Instagram und YouTube teilen lassen.
  • Wir laden dazu ein, diese Videos in den eigenen Kanälen zu verbreiten, darüber ins Gespräch zu kommen und so Teil der ganzen Aktion zu werden.

52 Filme...

  • ...zeigen so auch neue Seiten unserer Kirche und machen Lust, die EmK näher kennenzulernen.

     

Tobias Beißwenger

Weitere Infos zur Aktion finden sich hier: www.emk-sjk.de
Den ganzen Kanals unserer Konferenz findet ihr hier: https://www.youtube.com/channel/UCVVqy2xCg10rGNFYCnhMTAg


Ein Wort von Bischof Harald Rückert zur aktuellen Situation

Es ist gut, ...
... dass in den letzten Wochen eine neue Leidenschaft für die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Landes erwacht ist. Freiheit und Demokratie sind kostbare Güter!

... dass viele Menschen öffentlich bekunden, dass Antisemitismus, völkischer Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Gewalt in keiner Weise hingenommen werden können. Die Würde von Menschen ist unantastbar!

... dass Menschen in unseren Gemeinden ein sehr klares Urteil haben und sich positionieren. Sie wissen sich dem Evangelium verpflichtet und füllen die daraus abgeleiteten »Sozialen Grundsätze« unserer Kirche mit Leben.

... dass Menschen in der Nachfolge Jesu sich aktiv einsetzen für Menschenwürde und Menschenrechte. Das entspricht dem, wie die Bibel Gott bezeugt und wie sie den Menschen als Gottes Ebenbild beschreibt.

... dass sich die christlichen Kirchen in unserem Land in diesen Grundfragen einig sind und Stellung beziehen gegenüber Antisemitismus und Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Hier gibt es keine Kompromisse. Der gesellschaftliche Fokus ist derzeit aus erkennbaren Gründen auf den Rechtsextremismus ausgerichtet. Gleichzeitig gilt es, auch wachsam zu sein gegenüber anderen Entwicklungen, die ebenfalls dem Evangelium widersprechen. Das Nein der biblischen Botschaft zu menschenverachtendem Reden und Handeln gilt jeder Ausprägung inakzeptablen Verhaltens –von »rechts«, von »links«, aus religiösen Motiven oder woher es sonst gespeist sein mag.

 

Leider ...

... können viele Menschen etliche aktuelle politische Entscheidungen nicht mehr verstehen. Verunsicherung und die Sorge vor wirtschaftlichem und sozialem Abstieg nehmen zu.

... verstärkt sich eine Entwicklung in unserer Gesellschaft, bei der demokratische Prozesse und Institutionen im Allgemeinen angezweifelt und verächtlich gemacht werden.

... agieren die etablierten demokratischen Parteien mitunter ungeschickt. Menschen fühlen sich nicht wahrgenommen und abgehängt.

... verstärken sich Tendenzen, dass nicht mehr miteinander geredet wird. Persönliche Interessen oder Gruppenüberzeugungen werden so stark in den Mittelpunkt gestellt und verteidigt, dass ein Miteinander und die Bereitschaft zum Kompromiss auch über unterschiedliche Sichtweisen und Bedürfnisse hinweg auf der Strecke bleiben.

... werden Menschen mit einer anderen Meinung zu einem der vielen sehr komplexen Themen, die derzeit Politik und Gesellschaft herausfordern, ganz schnell »abgestempelt« und in Schubladen geschoben. Das konstruktive Zuhören und Aufeinander-Eingehen in Zuspruch und Widerspruch findet kaum mehr statt. Das notwendige gemeinsame Ringen unterbleibt. Wer anders ist als man selbst, wird abgeschrieben und kann schnell zur Zielscheibe von bösen Attacken, von Hass und Verleumdung werden.

... verstärken sich radikalisiertes Denken und Reden in unserer Gesellschaft. Extreme Haltungen sind »sagbar« geworden und gewinnen an Einfluss, auch weil die sozialen Medien diese in Windeseile verbreiten und verstärken.

... ist mit vielen dieser Entwicklungen der Boden bereitet für verführerischen Populismus, scheinbar einfache Lösungsangebote, Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und die Pflege von Feindbildern. Nicht zuletzt führt das zu einem in Deutschland nicht mehr für möglich gehaltenen Aufblühen des Antisemitismus. Längst bewältigt geglaubtes, extremes nationalistisches Gedankengut breitet sich aus und nistet sich in den Köpfen der Menschen ein. Misstrauen und Hetze drohen unsere Gesellschaft auseinanderzutreiben.

 

Liebe Schwestern und Brüder in der Evangelisch-methodistischen Kirche,

mit diesen Zeilen wende ich mich an euch. Statt einer öffentlichen Erklärung, was »die Haltung der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Menschen dieser Kirche ist«, liegt mir am Herzen, euch direkt anzusprechen. Das Zeugnis der Bibel und die daraus abgeleiteten »Sozialen Grundsätze« unserer Kirche sind unmissverständlich. Der Schrecken der beiden Weltkriege und die Gräueltaten des NS-Regimes führten dazu, dass im Nachkriegs-Deutschland und im inzwischen wiedervereinigten Deutschland der Schutz der unantastbaren Würde des Menschen bewusst im Grundgesetz verankert ist und als Richtschnur staatlichen Handelns dient. Extreme politische Gruppierungen und Parteien – egal welcher Couleur –, die diesen Grundsatz aufgeben oder untergraben, stellen sich außerhalb unserer gesellschaftlichen Ordnung und sind nicht zu akzeptieren.

Einige von euch beteiligen sich an den vielerorts stattfindenden Demonstrationen gegen menschenverachtenden Rechtsextremismus. Tut dies weiterhin mit Überzeugung und Klarheit. Doch tut dies mit menschenfreundlicher Gesinnung und einem klaren Blick, der auch inakzeptables Reden und Tun aus anderen Richtungen wahrnimmt und brandmarkt. Es ist beispielsweise auch nicht hinzunehmen, wenn bei pro-palästinensischen Demonstrationen der Terror der Hamas verharmlost, das Existenzrecht Israels bestritten und die Auslöschung des Staates Israel propagiert werden.

Es ist gut, auf den Marktplätzen mit vielen anderen zusammen gegen extremistisches Reden, Denken und Handeln einzutreten. Ungleich schwerer ist es, gerade in den Einzelbegegnungen des Alltags mutig und klar zu sein. Doch genau das ist nötig, um die in der großen Menge demonstrierte Einheit und Botschaft im Alltag zu leben.

Einige von euch meinen, dass eure Anliegen bei der AfD besser aufgehoben seien als bei den etablierten Parteien. Eure Beweggründe dafür mögen unterschiedlich sein. Ich vermute, dass die wenigsten von euch – wenn überhaupt – das in der AfD beförderte völkisch-nationale Gedankengut oder Antisemitismus oder Fremdenfeindlichkeit für richtig und gut befinden. Bitte haltet euch offen für das Gespräch darüber und stellt euch kritischen Fragen. Zugleich erinnere ich euch daran: Seit ihrer Gründung ist es dieser Partei zunehmend schwergefallen, sich von rechtsextremem Gedankengut deutlich, klar und dauerhaft abzugrenzen. Inzwischen wurden Teile der Partei und einzelne Personen in herausgehobener, einflussreicher Stellung vom Verfassungsschutz als eindeutig rechtsextrem eingestuft. Darum bedenkt ernstlich, was ihr bei einer möglichen Stimmabgabe für diese Partei tatsächlich unterstützt.

 

Liebe Schwestern und Brüder, lasst uns ...
... versuchen, in unseren Gemeinden, am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft das Gespräch über die derzeitigen großen Herausforderungen zu wagen. Ich weiß, dass dies unglaublich schwierig ist. Manchmal herrscht der Eindruck vor, als könnte das überhaupt nicht gelingen, da die Wahrnehmungen und Überzeugungen derer, die miteinander kommunizieren sollten, komplett unterschiedlich sind. Dennoch! Das ernste, aufrichtige und klare Gespräch ist die einzige Alternative.

... einander als Menschen achten. Es ist leicht, übereinander zu sprechen. Dabei geschieht es schnell, einander nur noch als Gegner zu sehen. Das kann sogar dazu führen, im Gegenüber nicht mehr einen Menschen aus Fleisch und Blut zu sehen, nicht mehr einen Menschen mit Gefühlen und Bedürfnissen, nicht mehr einen Menschen als Ebenbild Gottes.

... versuchen, auf der Grundlage der klaren Ablehnung von völkischem Nationalismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt einander zuzuhören und aufeinander einzugehen.

... versuchen, ungeachtet unterschiedlicher politischer Überzeugungen, gemeinsam für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie einzutreten.

... aufrichtig und mutig unsere biblische Überzeugung leben, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus zur Welt gekommen ist und unter uns »das Wort von der Versöhnung« aufgerichtet hat. Als mit Gott versöhnte Menschen, werden wir zu Botschafterinnen und Botschaftern der Versöhnung (2. Korintherbrief 5,18-20). So sind wir beauftragt, zu versöhnen und nicht zu spalten, zu heilen und nicht zu zerstören, zu verbinden und nicht zu trennen. Dazu schenke uns Gott die nötige Kraft, den nötigen Mut und die nötige Weisheit.


Mit herzlichen Segensgrüßen,
Bischof Harald Rückert

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