Andacht zur Wochenmitte vom 01.07.2020

Wohin des Wegs? – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden 1.7.2020

Kerze anzünden | Stille

 

Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lesung aus Psalm 25

4 HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! 5 Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich. 6 Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. 7 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen! 8 Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. 9 Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg. 10 Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten.

12 Wer ist es, der den HERRN fürchtet? Er wird ihm den Weg weisen, den er wählen soll. 20 Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!

 

Lied: 271 Kehret um, kehret um und ihr werdet leben

Kehret um, kehret um und ihr werdet leben. / Kehret um, kehret um und ihr werdet leben. Zeige du, Herr, uns den Weg, den wir gehen sollen.

 

Gedanken

 

Als Jugendliche bin ich mit meinen Eltern im Urlaub viel gewandert. Eine „Gewalt-Tour“ war immer dabei. So ein Tag mit gleißender Hitze oder ungemütlichstem Schmuddelwetter, an dem wir ungeplant viel länger unterwegs waren als gedacht.

 „Das sah auf der Karte viel kürzer aus“ sagte mein Vater oft, manchmal wussten wir auch einfach nicht mehr weiter. Obwohl wir große Fans von Rundtouren waren (warum zweimal das gleiche angucken, wenn man noch mehr Abwechslung haben kann?), half manchmal nur noch umkehren: Wir kannten uns nicht mehr aus, hatten keine Kraft mehr, was vor uns lag, wirkte bedrohlich.

In so einer Situation wäre ich am liebsten nur noch sitzen geblieben. Aber schnell war klar, das ist auch keine Lösung.

Zum Glück gibt es in den Bergen viele Wegweiser und Wegmarkierungen. Und hin und wieder begegnet einem ein anderer Wanderer, den man fragen kann.

 

Als Menschen sind wir auf unserem Lebensweg. Diese Wege können sehr unterschiedlich aussehen. Selten sind sie geradlinig – wir gehen Umwege, Abwege, Einbahnstraßen, enge Gassen und breite Alleen, Steilkurven. Und wir wissen selten, was als nächstes kommt.

Vor allem in Corona-Zeiten wussten wir überhaupt nicht, was als nächstes kommt und wir wissen es bis jetzt noch nicht. Da braucht es Wegweiser. Der Psalmbeter ist sich dessen auch bewusst, wenn er Gott bittet: „Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!“  Er holt sich Gott ausdrücklich als Wandelgesellen an die Seite und bittet ihn, sein Weg-Weiser zu sein. Von Wahrheit und Barmherzigkeit, von Beharrungsvermögen und Vertrauen ist da die Rede. Das ist das, was sich der Psalmist von dem Weg mit Gott erhofft und was er wohl auch schon erfahren hat.

 

Unser Weg wird, auch wenn wir ihn mit Gott gehen, trotzdem unübersichtlich bleiben. Zumindest aus unserer Perspektive: „Das hatte ich mir anders vorgestellt“ oder eben „das sah doch erst viel kürzer und einfacher aus.“ In solchen Situationen gibt Gott aber zumindest die Zuversicht, die nächsten Schritte zu wagen. Und im Nachhinein macht die Wegführung dann vielleicht sogar Sinn, wenn wir nochmal draufschauen und den Weg nachvollziehen.

 

Und das Umkehren hat auf dem Weg mit Gott auch seinen Platz. Umkehren ist nicht nur Scheitern: oft ist es das realistische Eingestehen, dass es so nicht mehr weitergeht. Das kann dann sehr heilsam sein. Die Bibel hat ein altes Wort dafür: Buße. Es meint aber etwas sehr frisches, gar nicht zwanghaftes: Sinneswandel, Erneuerung, Chance.

 

Wie auch immer wir uns be-Weg-en, Gott gebe uns seine Gnade dazu.

 

Nein, bleib nicht stehen!

Es ist eine göttliche Gnade, gut zu beginnen.

Es ist eine größere Gnade, auf einem guten Weg zu bleiben.

Dom Helder Camara

 

Gebet

Herr, mein Gott,

ich danke Dir, dass Du mit mir unterwegs sein willst,

auf allen meinen Lebenswegen

Ich brauche dich als Weggefährten

ja, als der Weg selbst.

Geh mit mir und zeige mir die Richtung.

 

Stell mir Menschen an die Seite,

die ich nach dem Weg fragen kann,

die schon ein Stück mit dir gegangen sind

und deine Wegmarkierungen erkennen können.

 

Herr, mein Gott,

zeig mir rechtzeitig, wenn ich umkehren muss.

Manchmal sehe ich nicht,

wie lange ich schon in die falsche Richtung gehe,

dann brauche ich ein deutliches Stopp-Zeichen.

 

Herr, ich danke dir,

dass ich nicht allein gehen muss.

Lass mich hin und wieder dein göttliches Wegenetz erkennen,

damit mir mein Leben nicht wirr vorkommt.

Und auch wenn ich nur bis zur nächsten Kurve sehen kann,

vertraue ich auf deine Weisheit.

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.Dein Wille geschehe,wie im Himmel, so auf Erden.Unser tägliches Brot gib uns heute.Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen.Denn dein ist das Reichund die Kraft und die Herrlichkeitin Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

 

 

Kathrin Posdzich

Andacht zur Wochenmitte vom 24.06.2020

Wer hofft, lebt anders – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden 24.6.2020

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Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lesung aus Psalm 42

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? 4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott? … Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

 

Lied: 361 Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Gedanken

„Wer hofft, lebt anders!“ – unter diesem Motto sollte eigentlich Ende April/Anfang Mai diesen Jahres der EmK-Kongress in Gerlingen bei Stuttgart stattfinden. Coronabedingt musste aber diese Veranstaltung, wie so viele andere auch, abgesagt werden.

„Wer hofft, lebt anders!“ – an diesen Satz musste ich unwillkürlich denken, als ich kürzlich im Internet einen ganz anderen Satz las: „Hoffnung ist mehr Betrug als Seelenheil!“ (oder so ähnlich). Hier wurde Hoffnung als etwas Negatives dargestellt. Als etwas, was der Realität widerspricht und nur Augenwischerei ist. Wer hofft, macht sich und anderen was vor. Wer hofft, hat den Bezug zum Leben und zur Realität verloren.

Welche Aussage stimmt denn jetzt? Klar, auch ich habe schon gehofft und es kam anders. War aber deswegen meine Hoffnung weltfremd, Betrug, Selbsttäuschung?

 

„Wer hofft, lebt anders!“ -  dieser Satz erinnert mich an biblische Aussagen, die ganz anders klingen und deren Wahrheit ich selbst schon erlebt habe: In der Bibel wird die Hoffnung, die über das hinausreicht, was vor Augen oder was anfassbar ist, zu einer Grundlage des Lebens und Glaubens. Die Hoffnung, die Gott uns schenkt, hält uns am Leben. Die Hoffnung lässt uns schwere Wege gehen und manche Lasten tragen. Warum? Weil sie über das, was gerade schwer ist, hinausschaut und uns auf die viel größeren Zusammenhänge hinweist, auf den, der uns geschaffen hat und uns erlösen will.

 

Von alters her schon ist der Anker das Symbol für die Hoffnung. Im Hebräerbrief (Kapitel 6,19) ist davon die Rede, dass wir „diese (Hoffnung) als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele“ haben. Die Hoffnung hält uns also fest in stürmischen Zeiten. Sie lässt uns nicht untergehen, wenn das Meer unseres Lebens aufgewühlt ist. Sie lässt uns verankert sein in dem, der uns bedingungslos liebt.

 

Das lässt uns anders leben, auch jetzt in dieser merkwürdigen Zeit, wo alles Kopf zu stehen scheint und viele unserer vermeintlichen Sicherheiten sang- und klanglos den Bach hinunter gegangen sind.

Die Hoffnung lässt uns nicht zuschanden werden, die Hoffnung hält uns fest und lässt uns den Blick auf den richten, von dem wir alles erwarten dürfen. Die Hoffnung lässt uns leben. Die Hoffnung gibt uns auch in Coronazeiten immer wieder neuen Lebensmut und hilft uns, das Leben trotz aller Einschränkungen zu bestehen.

In diesem Sinne, liebe Geschwister, stärken wir doch einander unsere Hoffnung und damit unseren Glauben, unseren Lebensmut, unsere Liebe für andere Menschen. Dann kann uns auch die Angst und die Verunsicherung nicht wirklich etwas anhaben. Denn: Wer hofft, lebt anders, befreiter, fröhlicher, zuversichtlicher. Wer hofft, weiß sich geliebt und getragen.

Das wünsche ich uns allen – dass wir trotz allem, was uns zu schaffen macht, hoffen können, hoffen auf Gott, der uns nicht verlässt. Amen.

 

Gebet

Herr, mein Gott,

ich danke Dir, dass Du mich hoffen lässt,

auch und gerade in den Zeiten,

wo andere meinen,

dass es nichts zu hoffen gäbe.

Hilf mir,

dass ich mich von all den negativen Dingen nicht anstecken lasse,

sondern aus der Hoffnung auf Dich leben kann.

Sei Du mein Halt,

mein Anker in stürmischer Zeit.

Lass mich von Dir geprägt sein,

von Deiner Liebe und Barmherzigkeit.

Schenke mir Zuversicht,

wenn mich der Mut zu verlassen droht.

Sei mir nahe,

wenn ich mich einsam fühle.

Stärke mich,

wenn ich schwach bin.

Lass die Hoffnung in meinem Herzen nicht erlöschen,

sondern entfache sie jeden Tag aufs Neue,

dass sie zum Anker meiner Seele wird,

die mich an Dir festmacht,

an Dir,

dem lebendigen, allmächtigen und liebenden Gott.

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.Dein Wille geschehe,wie im Himmel, so auf Erden.Unser tägliches Brot gib uns heute.Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen.Denn dein ist das Reichund die Kraft und die Herrlichkeitin Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

 

 

Lutz Brückner

Andacht zur Wochenmitte vom 17.06.2020

Christus, dein Licht – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

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Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 8

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen,

dass du vertilgest den Feind und den Rachgierigen.

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan:

Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere,

die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

 

Lied (Str. 1.3)

Weißt du, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt
Weißt du, wie viel Wolken gehen weit hin über alle Welt.
Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.

 

Weißt du, wie viel Kinder frühe stehen aus ihrem Bettlein auf,
Dass sie ohne Sorg und Mühe fröhlich sind im Tageslauf
Gott im Himmel hat an allen seine Lust sein Wohlgefallen.
Kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.

 

Stille

 

Gedanken

Jetzt, wo die Tage wieder länger sind, die Luft sommerlich lau ist und in den Gärten die Blumen zu duften beginnen, da erinnere ich mich an sommerlich warme Sonntagschultage im Kirchengarten meiner Heimatgemeinde. Wir sangen: „Weißt Du wie viel Sternlein stehen… Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen, kennt auch dich und hat dich lieb.“

 

Das Lied besingt die Weite des unendlichen Sternenhimmels und lässt etwas von der Größe Gottes als Schöpfer aufleuchten. Wenn das Lied dann weiter ausführt: Der Schöpfer dieser Weiten kennt und liebt dich, dann schenkt mir dies Geborgenheit. Diese Erfahrung hat mir auch in den vergangenen Wochen die Gewissheit gegeben, dass wir durch diese Krise kommen. Ganz sicher, der Zeit mit Corona wird eine Zeit nach Corona folgen.

 

Auch Psalm 8 in der Bibel schlägt diesen vergewissernden Ton an. Gottes schöpferische Größe zeigt sich in der Weite des „Himmelszeltes“, an dem viele „Wolken gehen weit hin über alle Welt.“

 

Doch es gibt es auch Bedrohungen in der Welt, so wie wir es in der Corona-Krise auch erlebt haben. Zerstörerische Kräfte sind am Werk. Im Psalm treten sie uns in Gestalt der Feinde und „Rachgierigen“ entgegen. Aber Gott überwindet ihr Tun. Wir Menschen dürfen weiter erschaffen und gestalten.

 

Deshalb heißt es von uns Menschen:

„Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan.“

 

Das gilt auch weiterhin.

 

Aber wir sollten nach der Corona-Zeit überlegen, was wir anders machen können als vorher.

 

Jede Bedrohung erfordert in gewisser Weise eine Verhaltensänderung ein. Aus Krisen nichts zu lernen, scheint nicht das Klügste zu sein.

 

Albert Einstein wird der Spruch nachgesagt: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

 

Also, was ist dran in der Zeit mit Corona, in der Zeit nach Corona?

Ein Patentrezept dazu habe ich nicht, aber die Zeichen, die uns die Krise gegeben hat, stimmen mich nachdenklich:

 

Leere Kirchen, ein Himmel nahezu ohne Flugzeuge, eine beinahe stillstehende Wirtschaft, Ärzte in Bergamo und in Mailand, die nicht wissen, wen sie zuerst an ein Beatmungsgerät anschließen sollen…

 

All das hat Ängste ausgelöst und auf der anderen Seite ein Bedürfnis, dazu zu gehören, zu einer betenden Gemeinschaft, zu einer Andachtsgruppe über „Whatsapp“, per Email, Papier…oder auch Telefon…

 

Ein Einfaches „weiter so“ ist zumindest für mich nicht dran.

 

Über viele diese Dinge sollten wir in den kommenden Wochen in unseren Gemeinden und in unserer Kirche weiter nachdenken, beraten und beten.

 

Ich wünsche uns dabei die Gewissheit, die mir aus Kindertagen ins Erwachsenenleben herübergewachsen ist: Dass der Schöpfer des Himmels und der Erde all die „Sternlein an dem blauen Himmelszelt“, alle unser Anliegen und Gedanken und ganz gewiss auch dich und mich kennt und liebt.

 

Gebet

Schöpfer des Himmels und der Erde,

wir blicken zurück auf unsere Ängste.

Lehre uns, sie in Freude zu verwandeln.

 

Schöpfer des Himmels und der Erde,

wir blicken auf unsere Gesellschaft.

Lehre uns, wie Gemeinschaft gelingt.

 

Schöpfer des Himmels und der Erde,

wir blicken auf die verschiedenen Meinungen.

Lehre uns, wie wir einander verstehen.

 

Schöpfer des Himmels und der Erde,

wir blicken auf Ungerechtigkeit und Hass.

Lehre uns, Versöhnung zu suchen.

 

Schöpfer des Himmels und der Erde,

wir blicken auf unsere wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten.

Lehre uns, dem Leben zu dienen.

Schöpfer des Himmels und der Erde,

wir blicken auf unser Unvermögen.

Lehre uns, nach dem Machbaren zu streben.

 

Schöpfer des Himmels und der Erde,

wir blicken auf unseren Zweifel.

Lehre uns den Glauben

in deiner weltweiten Kirche,

in unserer Gemeinde,

bei unseren Freunden und Familien.

 

Schöpfer des Himmels und der Erde,

Dir vertrauen wir uns an – durch Jesus Christus heute und alle Tage.

 

Vater Unser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied (Str. 1.3)

Weißt du, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt
Weißt du, wie viel Wolken gehen weit hinüber alle Welt.
Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.

 

Weißt du, wie viel Kinder frühe stehen aus ihrem Bettlein auf,
Dass sie ohne Sorg und Mühe fröhlich sind im Tageslauf
Gott im Himmel hat an allen seine Lust sein Wohlgefallen.
Kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.

 

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns

und schenke uns Frieden. Amen.

Pastor Dr. Thomas Roscher

Andacht zur Wochenmitte vom 10.06.2020

Als Gesegnete unterwegs – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden | Stille

Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 113

1 Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN,

lobet den Namen des HERRN!

2 Gelobt sei der Name des HERRN

von nun an bis in Ewigkeit!

3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang

sei gelobet der Name des HERRN!

4 Der HERR ist hoch über alle Völker;

seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

5 Wer ist wie der HERR, unser Gott,

der oben thront in der Höhe,

6 der niederschaut in die Tiefe,

auf Himmel und Erde;

7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube

und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

8 dass er ihn setze neben die Fürsten,

neben die Fürsten seines Volkes;

9 der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt,       

dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

Lied - EM 42 (Str. 1-3)

1. Schöpfer der ganzen Welt, du Quell und Lebensgrund, / der liebevoll uns führt und trägt, dir danken Herz und Mund / und mit der Engel Heer erschalle unser Lied. / Wir bringen Lob und Preis und Ehr und danken deiner Güt.

2. Du Mensch gewordner Gott, der uns unendlich liebt, / der uns erlöst von Sünd und Tod und wahres Leben gibt: / Wir wenden unser Herz dir, unserm Heiland, zu. / Dein Blut, o Lamm, dein Todesschmerz bringt unsrer Seele Ruh.

3. O heilger Gottesgeist, wir trauen deiner Kraft, / die uns den Weg zum Leben führt und Neues in uns schafft. / Wenn Liebe uns erfüllt, verliert sich Sorg und Leid, / von unermessnem Trost umhüllt bestehen wir die Zeit.

Stille

Gedanken

Ein alter Mann ist vollkommen taub. Aber er geht jeden Sonntag zum Gottesdienst. Als ihn jemand fragt, warum er in die Kirche geht, obwohl er kein Wort versteht, antwortet er: „Der Segen!”‘

Was ist denn so Besonderes am Segen, diesem kurzen Schlussritual? Warum braucht der alte, vollkommen taube Mann den Segen? Was verbindet er damit?

Offensichtlich mehr als nur Worte, mehr als eine Information. Die erhobenen Hände und das gemeinsame Stellen in seinen Segen sind ihm ein göttliches Versprechen, ein wirksames Zeichen für Gottes freundliche Gegenwart in seinem Leben.

Das Wort „Segen“ ist vielen Menschen bekannt. „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen“, das singt man am Geburtstag. „Gesegnete Mahlzeit“ oder „gesegneten Sonntag“, das wünschen sich manche. „Gottes Segen zur Hochzeit“ schreibt man auf Glückwunschkarten und hier im Gottesdienst kommt der „Segen“ in vielen Liedern, Gebeten und ganz am Ende des Gottesdienstes vor. Jemandem Gutes wünschen. Gottes Namen über jemandem aussprechen.

Jemandem die Hände auflegen und ihm sagen, dass er zu Gott gehört…

Was ist Segen?

Wie würdet ihr euren Kinder, euren Enkeln, euren Nachbarn Segen beschreiben? Was bedeutet er für euch?

Es gibt viele schöne und tiefsinnige Segenssprüche, moderne, alt-irische, Segensverse aus der ganzen Welt. Für mich aber haben die alten Vers aus dem 4. Mosebuch eine besondere Kraft: 24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Es ist phänomenal: Diese drei Verse habe ich schon hundertmale gehört oder selbst gesprochen. Und immer wieder berühren sie mich neu. Worte, die Heimat bieten, die ein Dach über dem Kopf sein können wenn es regnet und stürmt, die Zuflucht bieten in den Wüstenwanderungen des Lebens. Worte, an die sich Gott selbst bindet. Worte, die nicht nur das Gefühl geben: Gott ist da, sondern die auch noch sagen: Und das macht einen Unterschied.

Gott behüte dich: Gott will, dass dein Leben gelingt. Er erspart dir das Schwere nicht; aber er gibt dir die Kraft, es zu tragen, und wandelt es zum Guten. Gott steht dir bei, sei getrost.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir: Du suchst nicht im Ungewissen. Denn in Jesus zeigt Gott dir sein gnädiges Angesicht. Gottes Gnade leuchtet über dir; sie zeigt dir den Weg in die Freiheit. Fürchte nicht, dass Gott dich auf deine Fehler festlegt. Er schaut mit den Augen der Barmherzigkeit auf dich. Warum solltest du dann unbarmherzig auf andere oder auf dich selbst schauen. Mach dich davon frei! Atme auf!

Gott erhebe sein Angesicht auf dichund schenke dir Frieden: Sein Blick richtet dich auf, ermutigt dich zu deinem Weg. Und das soll ein Weg des Friedens sein. Auf diesen Weg des  Friedens richtet Gott unsere Füße. Deshalb brauchen wir nicht unstet umherzuirren. Wir suchen immer wieder; aber wir wissen, wohin es geht.

Eine Frage zum Nachdenken: Können die Menschen es uns ansehen, dass wir mit Gott gehen? Wenn wir unsere Wege durch unseren Alltag gehen – werden sie dann merken, dass unser Schritt beflügelt ist von der Zuversicht auf Gottes Güte, von der Freiheit, die aus der Gnade kommt, von dem Frieden, auf den wir zugehen wollen? Oder holt uns schon in der Kirchentür der alte Trott ein? „Erlöster müssten mir die Christen aussehen“, sagte der Spötter Friedrich Nietzsche schon vor mehr als hundert Jahren. So Unrecht hatte er nicht. Es gibt keinen Grund, das zu verstecken, was uns wichtig ist: die Zuversicht, dass Gott es gut meint mit uns und unserer Welt, die Dankbarkeit dafür, dass er uns einen neuen Anfang schenkt, die Klarheit über den Weg, auf den er uns weist.

Gebet

Gott.

Wir sind verbunden.

Als Menschen mit Menschen.

Als Glaubende untereinander.

Als Glaubende und Menschen mit dir.

Wir bringen dir unsere Gedanken.

Unseren Dank. Und unsere Sorgen.

Stille

Wir denken an alle, die wir lieben.

Was tun sie gerade?

Stille.

Wir denken an alle, die erschöpft sind – vom Arbeiten, vom Durchhalten, vom Wieder-Auf-Stehen, vom Es-richtig-Machen.

Stille.

Wir denken an die Sterbenden. An die Trauernden. In Krankenhäusern, Lagern, auf dem Meer. An die, die versuchen, für sie zu sorgen.

Stille.

Und wir denken an die Liebe, das Leuchten. Die Herrlichkeit schon jetzt.

Stille

Unser Vater im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied - EM 500

1. Nun segne und behüte uns, zeig uns dein Angesicht. |: Dein Friede leuchte überall, Gott, komm! Verlass uns nicht! :|

2. Du segnest, dass wir als dein Volk der Zeit ein Segen sind. |: Dein Geist erwirkt Gerechtigkeit. Hilf, dass sie bald beginnt! :|

3. Dein Segen, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist. |: Dass diese Welt bewohnbar bleibt, das gib uns, Jesus Christ! :|

4. Im Segen gehn, zusammenstehn für deine neue Welt. |: Wir legen dafür Hand in Hand, weil deine Hand uns hält. :|

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns

und schenke uns Frieden. Amen.

P. Christian Posdzich, P. Christine Meyer-Seifert

Herzliche Einladung zum Gottesdienst am 14. Juni 2020 10.00 Uhr in der Eben-Ezer-Kirche!

Andacht in der Wochenmitte vom 04.06.2020

Christus, dein Licht – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden | Stille

Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 42, 3-6

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,

weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst:

wie ich einherzog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Lied - EM 342 (Str. 1-2)

Gott, ich suche dich, darum bitte ich jetzt: Vater, halte mich fest und bleibe immer bei mir! Mir verheißt dein Wort: Du verlässt niemals die, die dich suchen und bitten: „bleibe immer bei mir!“

Stille

Gedanken

Ihr lieben Schwestern und Brüder in den Gemeinden unseres Zwickauer Konventes!

Ich würde gern mal wieder zu einem Fußballspiel gehen. Warum? Weil ich nicht weiß, wie es ausgeht. Ich würde auch gern mal wieder einen Gottesdienst feiern ohne Mund-Nasenschutz, Mindestabstände, aber dafür mit Gemeindegesang, Chor- und Posaunenchormusik… Wann? Ich weiß es nicht.

Das Coronavirus hat mein schön geplantes Leben ganz schön durcheinandergebracht. Meine Tochter hat mir ein drittes Enkelkind geschenkt. Im Krankenhaus darf ich das Kind und seine Mutter nicht besuchen. So sind die Regeln derzeit. Aber ich will nicht lamentieren und auch nicht protestieren, wie es derzeit Viele tun.

Ich will mich daran erinnern lassen, dass mein fein durchgeplantes Leben nicht alles ist, was ich über das Leben und das Glauben weiß.

Eine prophetische Stimme in der Bibel sagt:

„…Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen. Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem Herrn soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird. (Jes 55,8-13)

Kann ich Gottes andere, für mich unverständliche Gedanken akzeptieren?

Will ich seine Wege, die Wege, die ich nicht kenne, gehen? Es singt sich leicht: „Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl.“ Doch einen Weg zu gehen, von dem ich nicht weiß, wo er hinführt, das ist schon eine andere Sache.

Mit dem Virus ist mir zumindest die Jahresplanung durcheinandergewirbelt worden.Wo verbringe ich meinen Urlaub in diesem Jahr? Wie werde ich nicht krank? Wie gehe ich mit meinen Ängsten um?

Manche Ungewissheit ist schwer auszuhalten, mancher Luxus fehlt vermutlich, wie der Auslandsurlaub. Und dann ist da noch die Angst vor der Krankheit… Manche begegnen der Ungewissheit, indem sie Verantwortliche oder gar Schuldige für die Krise benennen: Bill Gates, die Chinesen…

Andere erkennen einen Plan fremder Mächte hinter und in den Geschehnissen.

Als Christ möchte ich Gottes anderen Gedanken vertrauen mit uns und über uns, Gedanken, die wir nicht oder noch nicht kennen.

„…Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Nicht immer will mir das in den Kopf, dass Gottes Gedanken nicht meine Gedanken sind und meine Wege nicht Gottes Wege.

Und doch ist es eine uralte Erfahrung des Glaubens, dass mein Leben nicht nur dann gesegnet ist, wenn es nach meinen Plänen und Gedanken läuft, wenn ich darüber verfügen kann, wie ich will.

Beim Propheten Jesaja, der Gottes unverfügbare Gedanken und Wege über unsere Wege und Gedanken stellt, ist es das Wort aus Gottes Mund, dass die Saat in der Erde befeuchtet und etwas wachsen lässt, über das wir nicht verfügen.

Ich bin gespannt, was Gott wachsen lassen wird.

Und ich will auch auf die Freude warten, die Gott verspricht:

„Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden.“

Ich will darauf warten,

auch wenn ich mir im Moment noch nicht vorstelle,

wann ich wieder zu einem Fußballspiel gehe.

Ich will darauf warten,

bis ich wieder einen Gottesdienst feiern werde ohne Mund-Nasenschutz, Mindestabständen, Chor- und Posaunenchormusik, Gemeindegesang … Musik, die aus mir kommt und mich berührt.

Gebet

Gott, ich suche dich, darum bitte ich jetzt: (EM 342)

So singen wir, verborgener Gott.

Komm zu uns und öffne unsere Sinne, dass wir dich spüren,
wie du wirkst und Leben schaffst in uns
und unter uns und in allem,
was wir sehen und hören und erfahren.
 

Gott, ich suche dich, darum bitte ich jetzt: (EM 342)

So singen wir, verborgener Gott.

Wir bitten dich um dein Erscheinen, wo du zu fehlen scheinst,
bei den Kranken und Trostbedürftigen,
bei denen, die Angst haben vor der Zukunft.

Gott, ich suche dich, darum bitte ich jetzt: (EM 342)

So singen wir, verborgener Gott.

Wir bitten dich um dein Erscheinen, wo du fern zu sein scheinst,
bei denen, die nicht an deine tieferen Gedanken glauben

und deine anderen Wege gehen möchten.
Gott, ich suche dich, darum bitte ich jetzt: (EM 342)

So singen wir, verborgener Gott.

Komm zu uns und öffne unsere Sinne, dass wir dich spüren,
wie du wirkst und Leben schaffst in uns
und unter uns und in allem,
was wir sehen und hören und erfahren.

Vater unser im Himmel…

Lied - EM 432 (Str. 3-4)

Du bleibst mir nicht fern, wenn mein Herz nach dir sucht; du versorgst mich mit Gutem und bleibst immer bei mir.

Gott ich suche dich, darum bitte ich jetzt: Vater, halte mich fest und bleibe immer bei mir!

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns

und schenke uns Frieden. Amen.

 

P. Dr. Thomas Roscher, P. Christine Meyer-Seifert

 

Pastorin Kathrin Posdzich

 

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Herzliche Einladung zum Gottesdienst am 7. Juni 2020 10.00 Uhr in der Eben-Ezer-Kirche!

Andacht zur Wochenmitte vom 27.05.2020

Systemrelevant – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden 27.5.2020

Kerze anzünden / Stille

 

Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lesung Psalm 103,1-5.10-13

Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler. … Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

 

Lied: 323,1-2 – Liebe komm herab zur Erde

1. Liebe, komm herab zur Erde! Die du nicht von dieser Welt, mach, dass sie die deine werde, schlage bei uns auf dein Zelt! Liebe, komm, du heißt Erbarmen, keine Schranke schränkt dich ein, darum lass auch bei uns Armen

heute dein Erbarmen sein.

2. Noch ist unser Herz gefangen, Angst und Trauer hält es fest, aber es war dein Verlangen, das uns Ruhe finden lässt. Liebe, komm, komm und befreie

eilends uns aus aller Not, schenk das Leben uns, das neue, schenk das Leben ohne Tod.

Gedanken

„Systemrelevant“. Das ist ein Wort, das wir bisher so nur selten gehört haben. Seit Beginn der Corona-Pandemie begegnet es uns deutlich häufiger. Da werden einige Berufe oder Firmen als „systemrelevant“ eingestuft, andere dagegen nicht. Man versucht damit einzuteilen, welche Berufe und Firmen für die Aufrechterhaltung der Versorgung, für die Pflege und Heilung von Patienten und für die Bekämpfung der Pandemie wichtig erscheinen. Ohne sie würde unsere Gesellschaft zusammenbrechen – weil es eben keine Lebensmittel mehr zu kaufen gäbe oder kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt. (Im Übrigen sind Kunst und Kultur offenbar nicht systemrelevant.)

Und was ist mit Kirche und Glauben? Ich zumindest habe noch nichts darüber gehört, dass Kirche oder Geistliche oder Gläubige wegen des Glaubens als systemrelevant eingestuft wurden.

Ich persönlich glaube, dass Gott bzw. Gottes Liebe sowas von systemrelevant sind, dass sie vielleicht noch viel wichtiger als alles andere sind. Denn ohne Gott, ohne seine bedingungslose Liebe zu uns Menschen würde alles den Bach runter gehen, ja das Leben überhaupt würde nicht mehr funktionieren.

Wie so oft in unserem alltäglichen Leben haben wir uns an alles Mögliche gewöhnt und merken gar nicht, wie besonders, wertvoll oder unverzichtbar manches ist. Das war und ist mit vielen „systemrelevanten“ Berufen so. Aber das ist auch mit Gottes Liebe so.

Wir haben uns daran gewöhnt, ja es ist nichts Besonderes mehr für uns, wenn uns jemand zusagt: Gott liebt dich!

Und dabei ist das etwas so Wertvolles! Denn Gott schaut in unser Herz. Er weiß, wo uns der Schuh drückt. Er weiß, wovor wir uns fürchten. Er kennt unsere begrenzte Sicht der Dinge. Er weiß um unsere Sorgen und kennt unser Versagen. Es bleibt ihm nichts verborgen. Er weiß, was uns fehlt und wonach wir uns sehnen. Aber leider vergessen wir das oft!

Deshalb lese ich in der Bibel diesen Satz: „Vergiss nicht, was ER Dir Gutes getan hat!“ Gott erinnert uns daran, was wir nicht vergessen sollten – und jetzt in dieser gegenwärtigen Situation ist das vielleicht besonders wichtig: Vergesst nicht, dass ich Euch liebe!

In den Psalmen und an vielen anderen Stellen der Bibel finden wir das des Öfteren: Wenn uns die Angst vor der Zukunft beschleicht, dann werden wir erinnert an das, was ER getan hat: … der Dir alle Deine Sünde vergibt; der Dich heilt; der sein Leben für Dich gab.

Die Liebe Gottes ist alles andere als selbstverständlich, haben wir sie doch überhaupt nicht verdient. Aber er schenkt sie uns, bringt sie uns entgegen. Und diese Liebe gibt uns Kraft, auch in dieser besonderen Zeit den Mut nicht zu verlieren, solidarisch zu sein, Hoffnung zu haben, Liebe zu üben.

Ohne Gottes Liebe, ohne seine Güte und Treue, ohne seine Gegenwart würde unser Leben nicht funktionieren. Insofern stimmt es schon: Gott, Gottes Liebe ist systemrelevant, also unverzichtbar. Und ich denke: unverzichtbar nicht nur für uns Christen, sondern für alle Menschen.

 

Gebet

Herr, mein Gott, ich danke Dir, dass Du mich erinnerst. An Deine Liebe zu uns Menschen. Gerade jetzt in dieser Zeit haben wir das besonders nötig. Danke, dass Du es bist, der für mich da ist und der mich hält und trägt. Ich habe erkannt, Herr, dass Du für mich systemrelevant bist, unverzichtbar. Ich bin angewiesen auf Dich. Ohne Dich wäre ich verloren. Danke, dass Du zu mir stehst und mich nicht verlässt. Schenke mir und uns allen in dieser Zeit Deine Kraft und Stärke, Deine Liebe und Hoffnung, die über das hinaussehen kann, was vor Augen ist. Stärke uns und mach uns fähig, füreinander da zu sein, statt uns gegenseitig das Leben schwer zu machen. Deine Nähe möge uns verwandeln und uns befähigen, Deine Liebe weiter zu geben.

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.Dein Wille geschehe,wie im Himmel, so auf Erden.Unser tägliches Brot gib uns heute.Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen.Denn dein ist das Reichund die Kraft und die Herrlichkeitin Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

 

 

Lutz Brückner

Andacht zur Wochenmitte vom 20.05.2020

Der Himmel, der ist – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden / Stille

 

Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lesung Apostelgeschichte 1,3-11

 

Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

 

Lied: Der Himmel, der ist (GB 671,1.2)

1. Der Himmel, der ist, / ist nicht der Himmel, der kommt, /  

wenn einst Himmel und Erde vergehen.

2. Der Himmel, der kommt, / das ist der kommende Herr, /

wenn die Herren der Erde gegangen.

 

Stille

Gedanken

 

Von meinem Balkon aus kann ich in den Himmel sehen. Mittags  blicke ich in das klare Blau mit den Wattewolken. Abends, in der blauen Stunde, wenn gerade Ruhe eingekehrt ist, sehe ich den wunderschönen Sonnenuntergang. Nachts, bevor ich zu Bett gehe, breiten sich die Sterne unendlich weit über mir aus. Wenn ich wandere oder Rad fahre, bin ich am liebsten auf Feldern oder  an Waldrändern mit Rundumblick und dem weiten Himmel über mir. Der Blick in den Himmel gibt mir ein Gefühl von Freiheit, macht mit seiner Größe meine momentanen Sorgen klein und muntert mich mit seiner Schönheit auf.

 

Wenn ich eine Weile so in den Himmel geschaut habe, bin ich wieder empfänglicher für das, was auf der Erde „himmlisch“ ist oder was himmlisch sein könnte.

 

„Hm, himmlisch…“ denke ich, wenn ich einen Löffel meines neuen Lieblings-Eis genieße, das mir der Tiefkühlkostbote meines Vertrauens gerade gebracht hat.

 

„Wie im Himmel“ hieß vor Jahren ein Film über einen Star-Dirigenten im Burnout, der einem kleinen Dorfchor durch Einfühlungsvermögen und Geduld zu wunderschönen Klängen verhilft und nebenbei sich und den anderen mit der Kraft der Musik neuen Lebensmut bringt.

Genuss ist himmlisch – kann es sein, wenn wir ihn uns gönnen.

Jesus wusste einiges vom Genuss – sprach vom Himmel in genussreichen Bildern, von Hochzeitsfeiern und einem festlichen Essen in fröhlicher Runde.

 

Himmlisch ist auch Geduld und Hingabe. So erzählt es Jesus:  „Er redete mit ihnen vom Reich Gottes“. Ich denke, es werden wohl ähnliche Reden gewesen sein wie die, die wir aus dem Matthäusevangelium kennen:

Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker streut und auf die Ernte wartet.

Oder: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch ausstreut und wartet, bis ein großer Baum daraus wird und die Vögel des Himmels darin nisten.

Das Himmelreich oder das Reich Gottes gleicht einem Schatz im Acker, den einer findet und für den er alles verkauft.

Diese Beispiele zeigen: Der Himmel ist nicht streng geschieden von uns. Es ist nicht nur Gottes Bereich, in den wir Menschen hier auf dieser Erde unmöglich gelangen können. Sondern das Himmelreich kann durch uns wachsen. Ich behaupte sogar: es hat uns nötig.

All diese Beispiele zeigen: der Himmel, das Himmelreich ist mehr als ein Ort. Es die andere Zeit, die Zukunft, die kommen soll. Es ist ein Zustand, der schon in euch selber ist, so heißt es bei Lukas.

 

Wenn wir ernst nehmen, was Jesus vom Himmelreich erzählt, dann ist das eine mutige und schöpferische Vision für die Zukunft unserer Welt:  Es soll im Himmel sein wie auf Erden und auf Erden wie im Himmel. Gottes Wille soll geschehen im Himmel wie auf Erden – so beten wir es im Vater Unser. Himmel heißt: eine Arbeit auf Erden zu haben. Die große Würde des Menschen: Mitarbeiter und Co-Autor des Himmels sein, Trost spenden zu können. Sich für Gerechtigkeit einsetzen. Frieden leben. Sehnsucht und Liebe zu Gott entwickeln und wecken.

Und da bin ich wieder auf meinem Balkon. Wenn ich in den wunderschönen Himmel schaue, spüre ich Ehrfurcht vor dem, der ihn gemacht hat. Und wenn ich dann höre: „Der Himmel ist in euch selber“ dann staune ich über die Weite, die Gott meinem Herzen zutraut.

Natürlich ist der Himmel ein Versprechen, das am Ende immer größer ist als alle menschliche Herzensweite oder –enge.  Zum Glück. Die große Verheißung heißt: „Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz.“ Das können wir hier auf der Erde nicht erzwingen.

Aber es muss ja auch noch Luft nach oben sein.

 

Gebet

 

Jesus.

Hier sind wir.

Du hast gesagt: Wir sind mit dir verbunden.

Wir sind erlöst.

Wir wollen das glauben.

Hilf uns dabei.

 

Wir denken an alle, die wir lieben.

Was tun sie gerade?

Wir denken an alle, die erschöpft sind – vom Arbeiten, vom Liebhaben, vom Es-richtig-Machen.

Wir denken an die Sterbenden. An die Trauernden. In Krankenhäusern, Lagern, auf dem Meer.

An die, die versuchen, für sie zu sorgen.

 

Und wir denken an die Liebe, das Leuchten. Die Herrlichkeit schon jetzt. Wir denken an den Himmel in uns.

 

Wie ein frischer Lufthauch mich erfrischt, wenn ich erschöpft und matt bin,

wie Rückenwind mich beflügelt, wenn meine Glieder lahm werden,

wie Gegenwind mich zweifeln lässt, ob der eingeschlagene Weg noch der richtige ist,

so schicke mir deinen Geist, Gott.

 

Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

 Lied: Der Himmel, der ist  (GB 671,3-5)

3. Der Himmel, der kommt, / das ist die Welt ohne Leid, /

wo Gewalttat und Elend besiegt sind.

4. Der Himmel, der kommt, / das ist die fröhliche Stadt /

und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

5. Der Himmel, der kommt, / grüßt schon die Erde, die ist, /

wenn die Liebe das Leben verändert.

 

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns

und schenke uns Frieden. Amen.

Andacht zur Wochenmitte vom 13.05.2020

Ich sing dir mein Lied – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden | Stille

 

Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

 

Gebet mit Worten des Psalm 98

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. 2 Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. 3 Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. 4 Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet! 5 Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! 6 Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König! 7 Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. 8 Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich 9 vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist. Amen

 

Stille | Melodie „Ich sing dir mein Lied“ (Gesangbuch Nr. 22)

 

Gedanken

„Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben“ – so heißt das Lied, dessen Melodie wir gerade gehört haben und das eines der schönsten Lieder in unserem Gesangbuch ist. Es ist ein tröstliches und Mut machendes Lied.

Es geht um den Takt und den Rhythmus unseres Lebens. Und dieser Takt und Rhythmus ist ja gerade gehörig durcheinandergekommen. Die einen sind sehr isoliert und alleine zuhause; haben kaum noch Kontakte; können oder sollen das Haus nicht verlassen. Es fehlen die alltäglichen Bewegungen und Schritte, die man sonst durch den Ort gemacht hat.

 

Für andere ist es ganz hektisch geworden. Sie müssen dauernd hin- und herwechseln zwischen beruflicher Anforderung und Kinderbetreuung; sollen für die Kinder Ersatzlehrer/in sein und nebenher arbeiten; sollen den Kindern auch den Spielpartner ersetzen oder den immer wieder aufkommenden Streit in der Familie eindämmen.

 

Ja, unser Rhythmus, unser Takt ist durcheinandergeraten. Gut, dass wir es unserem Gott einfach vorsingen dürfen, wie es uns gerade geht. Unsere Lieder, die wir Gott vorsingen von unserem Leben und von unserem Gemütszustand, die klingen wahrscheinlich etwas holprig oder unharmonisch. Aber es sind ehrliche und offene Lieder. Und ich bin gewiss: Gott hört sie. Er hört unsere Lieder; er hört unsere Fragen und unseren Dank, er hört unsere Klagelieder und unsere Hoffnungsgesänge. Wir alle können und dürfen jetzt Gott unsere ganz persönlichen Lieder singen. Die Lieder, die von unserem Leben erzählen.

 

Ein Leben, dass Gott uns schenkte und dessen Takt und Tonart er uns gegeben hat. Und mit dem er uns in die Nähe anderer stellt – und in seine Nähe, die heilt macht – so wie es das Lied formuliert. Eine Nähe der inneren Verbundenheit, der unsichtbaren Gemeinschaft, die uns alle trägt und hält.

Wir sind ganz nahe mit anderen Menschen hier aus Zwickau oder Schönfels oder Altenburg oder anderswo verbunden. Wir singen dasselbe Lied; wir lassen uns ansprechen von denselben Worten. Und auch wenn unsere persönlichen Lebenslieder gerade ganz unterschiedlich sind, sind wir doch miteinander verbunden.

 

Melodie „Ich sing dir mein Lied“     

 

Das Lied erzählt von den Höhen und Tiefen unseres Lebens und macht damit deutlich: beide gehören zu einem ganzen Leben dazu. Jede und jeder kann von den eigenen Höhen und Tiefen erzählen. Höhen sind für mich gerade, dass ich viel mit meinen Kindern spielen und reden kann; dass Gespräche zustande kommen, die eine besondere Tiefe erreichen. Weil wir mehr miteinander umgehen als sonst im Alltag. Zu den Höhen gehört, den tollen Zusammenhalt in der Gemeinde und die hohe Bereitschaft vieler, mit anzupacken.

 

Zu den Tiefen gehört, dass es viel, viel Mühe kostet, ständig zwischen Beruf und Familie, zwischen dem Dienst in der Gemeinde und HomeSchooling hin- und herzuspringen. Und dass dies auch zu Spannung und Streit führt. Zu den Tiefen gehört, dass ich mir große Sorgen mache um Menschen, die um ihre Arbeit und ihre berufliche Existenz bangen. Oder dass ich mit denen mitleide, die sich nicht auf die erwünschte Art und Weise von ihren Verstorbenen verabschieden können. - Was sind eure Höhen und Ihre Tiefen gerade? Was macht euch gerade besonders traurig oder wütend? Und was tut euch gut? Was erfreut und tröstet euch in dieser Zeit?

Ich hoffe, ihr könnt das, was euch bewegt, mit anderen teilen; euch anderen mitteilen und erzählen. Damit andere sich mit euch mitfreuen oder Anteil nehmen an dem, was euch belastet. Im Lied heißt es: „Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung, du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied!“ Gott hält uns zusammen.

 

Für mich heißt das zunächst einmal: Gott hält mich als Person zusammen. Ich muss mich nicht zusammennehmen; ich muss nicht das perfekte Bild nach außen abgeben. Ich muss mich nicht als Person darstellen, die mit diesen äußerlich so schwierigen Umständen wunderbar zurechtkommt. Er hält mich in seiner Hand; gerade auch mit alledem, was ich selbst nicht mehr in der Hand habe. Was ich selbst nicht mehr regeln kann. Gott hält mich zusammen; das ist ein großer Trost für mich.

 

Und Gott hält uns als Gemeinschaft zusammen. Dadurch, dass wir verbunden sind über diese wöchentliche Andacht, über das gemeinsame tägliche Mittagsgebet oder andere Formen der Anteilnahme.

 

Melodie „Ich sing dir mein Lied“

 

Im letzten Vers weist uns der Liedtext in die Zukunft, wenn es heißt: „Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang hast du mir gegeben. Von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen, du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.“

 

Ja, Zeichen der Hoffnung begleiten uns durch diesen Tag; und sie werden uns auch durch die kommende Woche tragen; da bin ich gewiss. Freilich, es gibt noch keine Entwarnung. Und auch in nächster Nähe bangt man um schwer erkrankte Menschen oder betrauert Verstorbene, die allzu rasch gehen mussten.

 

Und es ist leider so: auch die weiteren Wege sind steinig und werden steinig bleiben. Da mache ich mir gar keine Illusion. Viele Wege der nächsten Zeit werden schwierig und unübersichtlich sein. Menschen eröffnet sich eine ungewisse berufliche Zukunft.

 

Und doch wollen und können wir unsere Wege zuversichtlich gehen. Denn wir gehen unsere Wege nicht alleine; und wir gehen unsere Wege nicht in eine düstere Zukunft. Denn wir vertrauen einem Gott, der für uns „Zukunft des Lebens“ ist, so wie es im letzten Vers des Liedes heißt. Wir vertrauen einem Gott, der es mit und in seinem eigenen Sohn erlebt hat, dass Lebenswege durchkreuzt wurden. Und dennoch nicht zu Ende waren. Wir wissen uns begleitet von einem zugewandten Gott, der uns und allen seinen Geschöpfen zugesagt hat: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der

Welt Ende.“ Amen.

 

Melodie „Ich sing dir mein Lied“

 

Gebet

Jesus.

Hier sind wir.

Du hast gesagt: Wir sind mit dir verbunden.

Wir sind erlöst.

Wir wollen das glauben.

Hilf uns dabei.

 

Wir denken an alle, die wir lieben.

Was tun sie gerade?

[Stille.]

Wir denken an alle, die erschöpft sind – vom Arbeiten, vom Liebhaben, vom Es-richtig-Machen.

[Stille.]

Wir denken an die Sterbenden. An die Trauernden. In Krankenhäusern, Lagern, auf dem Meer.

An die, die versuchen, für sie zu sorgen.

[Stille.]

Und wir denken an die Liebe, das Leuchten. Die Herrlichkeit schon jetzt.

[Stille.]

 

Unser Vater im Himmel…

 

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns

und schenke uns Frieden. Amen.

 

Andacht zur Wochenmitte vom 06.05.2020

Christus, dein Licht – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden / Stille

Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 66, 8-12

Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert, wie das Silber geläutert wird; du hast uns in den Turm werfen lassen, du hast auf unsern Rücken eine Last gelegt, du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen, / wir sind in Feuer und Wasser geraten. Aber du hast uns herausgeführt und uns erquickt.

Lied - EM 239 (Str. 2)

Es ist erstanden Jesu Christ,

der an dem Kreuz gestorben ist.

Dem sei Lob, Ehr zu aller Frist.

Stille

Gedanken

Ihr lieben Schwestern und Brüder in den Gemeinden unseres Zwickauer Konventes!

Mitunter höre ich:

Was wird da bloß mit uns gemacht seit Mitte März?

Das ganze Land einfach still legen...

Sie sind schnell weggeschoben, die Bilder aus Italien und Spanien... erkrankte Menschen ohne Behandlung in Hallen geschoben... überforderte Ärztinnen und Pfleger...

Bilder, die uns ängstigten und uns das Fürchten lehrten... in den vergangenen Tagen und Wochen.

Wir haben es hingenommen, Kontaktverbote, keine Gottesdienste in unseren Kirchen und Gemeinden.

Wer weiß, was da dahintersteckt, wurde gemutmaßt, wer weiß, was die uns alles nicht sagen...?

Doch das ist Vergangenheit.

Jetzt wollen wir endlich, endlich, endlich unser Leben zurück.

Die Ängste, die in uns sitzen, sollen dort bleiben, wo wir sie nicht merken, nämlich in den verborgenen Tiefen unserer Seelen.

Die Bundesländer überbieten sich mittlerweile mit den Lockerungen, die unser Leben immer noch bestimmen.

Sachsen hat schon vor einiger Zeit Gottesdienste mit 15 Personen erlaubt. In Sachsen-Anhalt können jetzt 5 Personen, die nicht zum Hausstand gehören wieder gemeinsam was unternehmen. Und so soll es weitergehen...

Und wir können bereits am kommenden Sonntag wieder in unseren Gemeinden zusammenkommen... freilich mit Einschränkungen, Mundschutz, Desinfektion an der Kirchentür, kein Gemeindegesang...

Den Geist der Furcht haben wir anscheinend hinter uns gelassen.

Ein Bibelwort scheint uns recht zu geben: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 2Tim 1, 17

Und genau das ist es, was wir jetzt brauchen: Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Doch wissen wir, wovon wir reden?

Die Kraft, die Gottes Geist schenkt, ist zunächst einmal geistige Kraft und erst in zweiter Linie die Kraft, die unseren Spaten bewegt, wenn wir im Garten das Beet umgraben. Geistige Kraft steckt in Überlegungen, wie man jetzt klug mit dem Virus umgehen kann, so dass möglichst wenige Menschen Schaden erleiden.

Wenn wir das wollen, sind wir auch schon bei der Liebe. Gottes Geist der Liebe bewegt uns so zu handeln, damit Menschen nicht zu Schaden kommen, damit Sie auch morgen noch die Güter unserer hoffentlich dann veränderten Weltwirtschaft kaufen können und auch wollen.

Und, die Besonnenheit lehrt uns, einen Spagat zu wagen zwischen denen, die jetzt schnell, ganz schnell, ganz viel Freiheit, ganz viel Glauben, ganz viel Leben wollen und denen, die ängstlicher und zurückhaltender sind. Vielleicht auch, weil sie zu einer Risikogruppe zählen, an einer chronischen Erkrankung leiden oder ihre Kinder schützen möchten.

Wir sind als Menschen eben nicht nur körperliche, sondern auch geistige Wesen. Darum ist es nur normal, dass wir unser Leben und die Zeit, in der wir leben, deuten.

Und als Christinnen und Christen deuten wir unsere Situation eben auch im Spiegel von Bibelworten.

Bitten wir Gott um seinen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!

Gebet

Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit. (EM 239)

So singen wir. Christus, du Auferstandener,
unsichtbar in unserer Mitte.

Du bist das Leben, das die Angst überwindet.
Wir bitten für die Mutigen, die sich einsetzen für das Leben und den Glauben.

Wir bitten für die Ängstlichen, die Zurückhaltenden, die sich weniger zutrauen.

Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit. (EM 239, wer will, kann Strophe 1 singen)

So singen wir. Christus, du Auferstandener,
unsichtbar in unserer Mitte.

Du bist das Leben, das Orientierung schenkt.
Wir bitten um Hilfe bei der Suche nach dem richtigen Weg.

Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit. (EM 239, wer will, kann Strophe 2 singen)

So singen wir. Christus, du Auferstandener,
unsichtbar in unserer Mitte.

Du bist das Leben, das den Müden Kraft gibt.
Wir danken dir

für das tägliche Brot,

für den Atem,
für die Menschen an unserer Seite,
für den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Dir vertrauen wir diese Welt an.
Dir vertrauen wir uns an.
Du bist das Leben.

Halleluja, halleluja, halleluja, halleluja, gelobt sei Christus Marien Sohn. (EM 239, wer will, kann Strophe 3 singen)

Vater Unser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied - EM 239 (Str. 4+5, wer will, kann diese Strophen gerne singen)

Es singt der ganze Erdenkreis

dem Gottessohne Lob und Preis,

der uns erkauft vom Paradeis.

Des freu sich alle Christenheit

und lobe die Dreifaltigkeit

von nun an bis in Ewigkeit.

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns

und schenke uns Frieden. Amen.


Ausführende: P. Dr. Thomas Roscher, P. Christine Meyer-Seifert

Orgel: Simon Fröhlich / Technik: Michael Unger


Kontaktmöglichkeiten

 

Pastorin Christine Meyer-Seifert

Pastor Christian Posdzich

Pastorin Kathrin Posdzich

Pastor Lutz Brückner

Pastor Jeremias Georgi

Pastor Dr. Thomas Roscher

0375/88364181

0375/282661

0375/287144

0152 2929 8888

0375/243883

0375/780529

Andacht zur Wochenmitte vom 29.04.2020

Durchatmen – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden 29.4.2020

Kerze anzünden / Stille

 

Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lesung Römer 8,31-39

31 Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?  32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?  33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.  34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt.  35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?  36 Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.«  37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.  38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,  39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

 

Stille (dazu Musik: Ist Gott für mich, so trete – EM 303)

 

Gedanken

O mein Gott, es gibt so vieles, was ich nicht verstehe. Es gibt so vieles, was ich nicht durchschaue. Es gibt so vieles, was ich nicht in der Hand habe. Es gibt so vieles, was mich bedrängt. Das wird mir gerade jetzt in dieser Zeit besonders deutlich. Hilflos fühle ich mich dem ausgesetzt, was um mich herum passiert. Hilflos fühle ich mich angesichts der vielen schlechten Nachrichten, die derzeit auf mich einprasseln. Und ich kann dabei gar nicht abschätzen, was sie für mich und für die, die mir am Herzen liegen, bedeuten.

Und so fliehe ich zu Dir, mein Gott. So suche ich nach Dir, und frage nach dem, was Du mir zu sagen hast. Und ich danke Dir, Gott, dass Du mich nicht allein und ohne Antwort lässt. Dein Wort spricht zu mir, ist wie ein Licht auf meinem Weg. Danke, Gott.

Und da lese ich, dass wir überwinden werden durch Dich! Und ich lese, dass nichts und niemand, noch nicht einmal so ein Scheißvirus, uns von Dir und Deiner Liebe trennen kann.

Danke, Gott, dass Du mir das zusagst, gerade jetzt.

Wenn ich mich ohnmächtig fühle, dann lässt Du mich tief durchatmen und darauf vertrauen, dass ich nicht das Ganze allein bewältigen muss, sondern dass ich das tun kann, was mein Part ist.

Wenn ich verunsichert bin, dann lässt Du mich tief durchatmen und darauf vertrauen, dass ich nicht alleine bin und dass Deine Weisheit viel größer und reicher ist, als ich denken kann.

Wenn ich Angst habe, dann lässt Du mich tief durchatmen und darauf vertrauen, dass ich nicht aus Deiner Nähe herausfalle, sondern dass Dein Geist, mein Gott, mir nahe ist.

Ich weiß nicht viel, mein Gott. Aber was ich durch Dich weiß, ist: Mein Leben und meine Liebe und meine Würde reichen so viel weiter als das, was ich verstehen kann oder zu leisten imstande bin.

Ich verstehe nicht viel, aber was ich verstehen und mit eigenen Augen sehen kann, ist: Nach jedem Winter kommt der Frühling und neues Leben wächst aus dem kalten Erdboden. Und das macht mir Hoffnung!

Ich kann nicht viel, mein Gott. Aber was ich kann, was ich durch Dich, mein Gott, kann, ist: tief durchatmen und dieser Welt mit Liebe begegnen, die sie so dringend braucht.

"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen."  Amen

 

Gebet

Mein Gott, ich rufe zu dir, gemeinsam mit vielen anderen Menschen will ich Dir meine und unsere Sorgen sagen:

Das gewohnte Zusammenleben unter uns hat sich verändert. Wir müssen Abstand halten voneinander, selbst von den Menschen, die uns lieb und wert sind, denn wir wollen sie keiner Gefahr aussetzen.

Gott, ich bitte dich um Zuversicht und Hoffnung in dieser verrückten Situation. Lass mich, lass uns besonnen handeln, die Gefahr nicht auf die leichte Schulter nehmen, aber auch nicht übertrieben reagieren und unseren Mitmenschen zugewandt bleiben.

Herr, ich denke an die Menschen, die an diesem Virus erkrankt sind: Schenke ihnen Genesung und Heilung!

Ich höre von der unerträglichen Situation in den überfüllten Krankenhäusern in anderen Ländern, und ich bitte dich: Lass die Menschen dort nicht allein!

Ich denke an Eltern mit ihren Kindern und bitte dich um Frieden in den Familien - gerade unter den besonderen Belastungen, denen sie derzeit ausgesetzt sind.

Ich denke an Menschen, die einsam und auf die Zuwendung anderer angewiesen sind: Schenke mir und uns allen Phantasie, ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Ich denke an Ärztinnen und Ärzte, an Pflegerinnen und Pfleger, an Mitarbeitende im Rettungswesen, an alle, die im Gesundheitswesen und in den Pflegeeinrichtungen arbeiten: Gib ihnen Kraft und lass sie nicht müde werden, den Kranken beizustehen und ihnen freundlich zu begegnen.

Ich denke an die Politikerinnen und Politiker, an die Mitarbeitenden in den Gesundheitsämtern und in den wissenschaftlichen Instituten: Schenke ihnen Weisheit und Augenmaß in ihren Entscheidungen, die unser Zusammenleben betreffen, aber auch entschlossenes Handeln, wenn es nötig ist.

Mein Gott, ich denke auch an alle, die jetzt noch schlimmer leiden als wir, in den Kriegsgebieten in Syrien, Obdachlose und Flüchtlinge, die auf der Straße leben müssen. Schenke ihnen Trost und Menschen, die sich über sie erbarmen.

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.Dein Wille geschehe,wie im Himmel, so auf Erden.Unser tägliches Brot gib uns heute.Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen.Denn dein ist das Reichund die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

Andacht in der Wochenmitte vom 22.04.2020

Unsichtbar sichtbar – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

22.4.2020

Kerze anzünden / Stille

 

Gebet:

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott,

wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen

 

Herzliche Einladung, Johannes 21,1-14 zu lesen.

Der Auferstandene am See von Tiberias

 

Stille

 

Gedanken

 

Jeder Mensch reagiert auf seine Weise, wenn auf einmal nichts mehr so ist, wie es gestern noch war. Es gibt für solche Wendepunkte im Leben keine Formeln, es gibt keine Regeln. So wie im Moment. Diese Zeit ist beispiellos.

Was den Unterschied macht kann ganz verschiedene Gründe haben.

Manchmal ist es nur ein Tag, der den Unterschied macht.

Manchmal sind es Wochen.

Manchmal liegt es an einem plötzlichen Ereignis,

manchmal an einem schleichenden Prozess.

 

Oft geht es dabei um Wendepunkte zwischen Tod und Leben. Oder zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Erfolg und Scheitern, zwischen Glück und Traurigkeit.

 

Was dann genau geschehen ist, wird einem oft erst am Morgen danach bewusst. Der „Morgen danach“ bleibt oft unvergesslich. Er fühlt sich an wie „alles auf Null“ gebracht.

 

Alles auf Null - so werden sich auch die Jünger Jesu gefühlt haben, nach Jesu Tod. Nichts mehr wie es vorher war.

Und nun stehen sie wieder genau da, wo sie mal angefangen hatten mit Jesus oder besser gesagt: wo ER mit IHNEN angefangen hatte. Und jetzt?

 

Sie stehen da und gucken Löcher in den Horizont. Petrus malt mit dem Fuß Kreise in den Sand. Triumphaler Einzug in Jerusalem, das war vorgestern. Dann der grausame Tod, aber auch die jubelnde Erfahrung der Auferstehung. Das war gestern.

Und heute? Kein triumphaler Auszug in die Weite, sondern erstmal nach Hause. Rückkehr und Rückzug in die galiläische Heimat. Zurück auf Anfang. Statt Apostelgeschichte jetzt wieder Fischergeschichten. Ran an die Arbeit. Das lenkt wenigstens ab.

Bei den Jüngern bleibt erstmal alles auf Null. In dieser Nacht fingen sie nichts! Die Netze sind leer. Vielleicht geht’s dir wie ihnen... erschöpft und leer nach diesen vielen Wochen der Ausgangssperre, der Kontaktarmut, der Einschränkungen?

Und doch: Das tut sich etwas. Im Morgenlicht taucht am Ufer eine Gestalt auf. Sie steht im Morgen und ruft herüber. „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“

„Habt ihr nichts zu essen?“. wenn Mama fragt: Hast du schon was gegessen? Wunderbare Fürsorge! Die lässt man sich gern gefallen. Jesus, der einfach dasteht und sieht und fragt und sich sorgt! Er schenkt Ansehen...

Und die eben noch im Trüben fischten, schöpfen jetzt Hoffnung. Hungrige Existenzen sehen in ihm das rettende Brot, das vom Himmel kommt, das zu essen und ruhig und unbesorgt sein lässt! „Kommt, und haltet das Mahl!“, sagt er - wörtlich übersetzt: "Kommt, frühstücken!“

Denn schon ehe die Jünger ihren Fang beisteuern können, hat Jesus am Ufer längst alles fertig. Kommt, denn es ist alles bereit! Bringt euren Fang mit, aber seht und schmeckt, wie freundlich der Herr ist!

Was sich eben noch wie Ende anfühlte, ist nun end-gültig ein neuer Anfang. Gott steht da im Morgenlicht und erwartet uns schon. Schweigend hält er den Blickkontakt mit denen, die auf ihre leeren Netze starren. Gnädig sieht er auch auf unsere trüben Stunden.

 

Das An-sehen Gottes, sein Blick vom Ufer herüber bleibt uns allen gewiss. Und auf seinen Rat hin, wollen wir doch weiter unsere Netze auswerfen. Auch, wenn wir dabei immer noch auf Abstand bleiben müssen. Wir ziehen am gemeinsamen Strang. Aus Fürsorge füreinander! Wir gehen weiter oder bald wieder an die Arbeit. Denn es gibt gewiss noch viel zu tun! Aber bevor wir das tun, lassen wir uns Gottes Fürsorge gefallen.

 

Gebet

Gott.

Wir sind verbunden.

Als Menschen mit Menschen.

Als Glaubende miteinander.

Als Glaubende und Menschen mit Dir.

Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.

Stille

Gott, wir bitten dich: Bleibe du uns nah, auch wenn wir uns weiterhin voneinander fernhalten müssen.

Bleib uns nah, dass wir dich nicht nur im Glück und Erfolg erkennen, sondern auch in all unseren Erfahrungen von Leere und Scheitern, von Abschied und Tod. Fülle du unsere Netze, wenn sie leer sind, mit allem, was es braucht.

Stille

Für die Traurigen beten wir und bitten dich um Zeichen der Fürsorge, die auch auf Abstand Nähe schenkt und Trost. Für die Fröhlichen beten wir

und danken für alle Osterstimmung in diesen Tagen, für alle Heiterkeit, für den Humor, für fröhliches Lachen.

Stille.

Wir beten für alle, die Leben schützen und retten. Für die Verantwortlichen in Wissenschaft und Politik. Für den Frieden und das Recht.

Stille.

Wir beten für all die kleinen Herzen, die schon schlagen, in Menschen, die noch nicht geboren sind, doch deren Ankunft uns schon jetzt bewegt. Für die schaukelnden Boote auf offenen Meeren und alle die gebeugten Menschen darin. Führe sie an rettende Ufer. Für uns alle, die wir mal recht mal schlecht durchs Leben rudern und unsere Netze auswerfen auf der Suche nach dem großen Fang. Für die Welt, die nicht von dieser Welt ist, in der nur Lebensworte gesprochen werden und offene Arme und alles ist bereit - dass wir die nicht aus den Augen verlieren in allem, was wir tun.

Stille.

Gott. Wir sind Deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden. Atmen die Luft Deiner Schöpfung. Beten zu Dir in allem, was ist. Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

(nach einer Idee von Marianne Gorka)

Andacht in der Wochenmitte vom 15.04.2020

Unsichtbar sichtbar – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden / Stille

Gebet: In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott, wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden. Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Gebet mit Worten des Psalm 118

Danket dem HERRN, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg! Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom HERRN geschehen und ein Wunder vor unseren Augen. Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasset uns freuen und fröhlich darin sein.

Stille

Gedanken: Ich sehe Menschen, die sich ausweichen und anlächeln dabei. Ich sehe Regenbögen in Fensterscheiben. Ich sehe Blumen to go und eine Vertrauenskasse daneben. Ich sehe meinen Eltern und meine Geschwister über Skype.

Ich sehe Nachrichten, ein Mal am Tag. Und darin: Kinder in Syrien, Menschen eng an eng auf Lesbos, leere Innenstädte, volle Parks. Ich sehe Menschen mit Mundschutz.

Ich sehe die Tulpen erblühen in unserem Garten. Ich sehe in den Himmel, jeden Tag - er steht offen. Ich sehe meine Kinder an, die wissen, dass alles anders ist und zugleich nicht, wie anders alles ist.

Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

Ich sehe nicht, wer infiziert ist. Ich sehe nicht, wer sich um seine Mutter sorgt. Ich sehe nicht, was sich hinter Wohnungstüren abspielt an dunklen Gedanken oder Taten. Ich sehe nicht, wie das Herz schwer wird und eng vor Angst um das Morgen. Ich sehe nicht, wie die Wände immer enger rücken.

Ich sehe das alles nicht, aber es ist da.

Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

Was ist mehr wahr - das Sichtbare oder das Unsichtbare? Das Sichtbare gibt mir Halt und lässt mich gehen. Linien auf der Straße. Ampeln am Weg. Doch auch manches Unsichtbare gibt mir Halt.

Nicht alles, was ich nicht sehe, ist bedrohlich. Wie die Liebe - unsichtbar und tief wahr und da. Manch Unsichtbares gibt mir Halt und fängt mich auf. Die Liebe lässt Eltern mit ihren Kindern Regenbögen basteln und sie leuchten in den Fenstern. Und die Zuversicht singt jeden Abend vom Balkon. Manch Unsichtbares ist wirklich da und hält mich zusammen.

Die Verbundenheit mit meinen Großeltern in Leipzig und mit dem Freund in Bielefeld und mit dem in Australien. Die Verbundenheit mit Menschen unter Menschen auf der ganzen Welt - weil wir alle Menschen sind.

Unsichtbar und wahr ist auch die Hoffnung: es wird eine Zukunft geben. Und der Glaube: Ich bin nicht allein. Da ist einer.

Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

Kennst Du das? Diese perfekten Momente, wie aus der Zeit gefallen und für die Ewigkeit gemacht? Du kannst diese Momente nicht machen oder greifen, aber es gibt sie. So muss Himmel sein. Augenblicke wie im rauschenden Kornfeld oder im Kuss oder im Ansehen Deines Kindes oder im Plätschern des Baches - und für einen Bruchteil der Zeit, aber für die Gewissheit der Ewigkeit spürst Du: Alles ist gut.

Himmelmomente auf Erden. Solche Momente sind - so glaube ich - in diesem Raum dazwischen. Zwischen Erkennen und Verschwinden. Zwischen Sichtbar und Unsichtbar. Zwischen Gewissheit und Zweifel. Und in diesem Raum dazwischen - da ist mein Glaube geboren. Dieser Glaube: Gott ist da - jenseits aller Sinne und jenseits aller Zeit und jenseits aller Grenzen, die mein Körper und das Leben vorgeben.

Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

In diesem Raum jenseits aller Grenzen hat das Leben über alles gesiegt. Da ist der Glaube geboren. Und mein Herz brennt. Und die Hände tun. Und ich sehe Jesus Christus. Ich sehe ihn in vielen kleinen Händen an vielen kleinen Orten die viele kleine Dinge tun: Kinder basteln für ihre Urgroßeltern. Studenten stellen Einkäufe vor die Türen fremder Menschen. Sozialarbeiter telefonieren mit ihren Schützlingen. Menschen geben in Telefonketten gute Nachrichten weiter.

Ich sehe Jesus Christus. Ich sehe ihn in Dir und mir, was wir auch in uns tragen an Gefühlen und Viren. Der Glaube ist geboren im Raum zwischen Erkennen und Verschwinden. Und er schwankt gern mal wieder nach hier oder nach dort, zum gewissen Erkennen, zum zweifelnden Verschwinden. Aber er ist da, sichtbar unsichtbar, und gibt mir Halt. Da ist es. Da ist er.

Da! - Und das Herz brennt, und das Brot schmeckt. Und Du lächelst mich an, während wir Abstand halten.

Gebet: Gott. Wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir. Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen. Heute.

Stille

Wir denken an alle, die wir lieben. Was tun sie gerade?

Stille.

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

Stille.

Wir denken an alle Kranken. Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.

Stille.

Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

Stille.

Gott. Wir sind Deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden. Atmen die Luft Deiner Schöpfung. Beten zu Dir in allem, was ist. Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen: Vater Unser im Himmel…

Segen: Gott segne uns und behüte uns Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

Andacht in der Karwoche

Christus, dein Licht – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden / Stille

Gebet: In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott, wir sind durch deinen Geist miteinander verbunden. Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm: Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Psalm 42, 6

Lied - EM 200 – Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten

Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten, lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht! Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.

Stille

Gedanken: Ihr lieben Schwestern und Brüder in den Gemeinden unseres Zwickauer Konventes! Ostern kommt so sicher wie das „Amen“ in der Kirche!

Woher nehme ich diese Zuversicht? Ich nehme sie aus meinem Glauben an Jesus und aus der guten Angewohnheit in der Kirche „Amen“ zu sagen. Der Glaube lässt mich auf den Weg von Jesus sehen, lässt mich Parallelen in meinem Leben erkennen und lehrt mich „Amen“ dazu zu sagen. Die Erinnerung an diesen großen und tiefen Weg Gottes in Jesus Christus hilft mir, Ähnlichkeiten und Vergleichbares in meinem Leben zu entdecken und dazu auch ein „Ja“, ein „Amen“ zu finden.

Schon für mich ist es nicht einfach, die jetzt nötigen Einschränkungen zu bejahen. Um wieviel schwieriger mag das für die Menschen in viel zu kleinen Wohnungen sein, für die vielen Gewerbetreibenden, die kleinen und mittelständischen Betriebe, das medizinische Personal, die Polizei, die politisch Verantwortlichen und viele, viele andere.

Es fällt mitunter sehr schwer „Ja“ zu sagen, so wie Jesus es auf seinem Weg getan hat. Das Evangelium beschreibt diesen inneren Weg Jesu, an dessen Ende er dann sagen kann: „…doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ (Mt 26, 39)

Es ist die Abwägung zweier Dinge in uns. Einerseits sollen und müssen wir unser Leben leben, Entscheidungen treffen, einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, Kinder großziehen, Pläne verfolgen und vieles mehr. Andererseits müssen wir Vertrauen wagen, uns wie Jesus von Gott führen zu lassen. Beides sehen wir wie in einem Vergrößerungsglas in dieser Heiligen Woche, aus der sich einmal das ganze Kirchenjahr entwickelt hat. Wir können in ihr sehen, wie Jesus sein Leben gestaltet und wie er sich führen lässt und Gottes Berufung folgt.

Lasst uns mit diesem Blick auf die Stationen dieser Woche blicken: Jesus wäscht den Jüngern die Füße und setzt das Abendmahl ein am Gründonnerstag. Am Karfreitag trägt er das Kreuz und es wird ihm getragen, hin bis zu seiner Todesstätte. Am Karsamstag wirken Gottes Kräfte in der Stille des Grabes, und in der Osternacht zeigt sich, was Jesus in der Auferweckung von den Toten am dritten Tag geschenkt wird.

Die Andachten und Gottesdienste vom Gründonnerstag bis zum Ostermorgen erinnern an diese Geschehnisse. In diesem Jahr müssen wir auf die Gottesdienste in dieser Zeit verzichten, aber wir verzichten nicht auf die Kraft der Erinnerung.

Wir erinnern uns an den Gemeindegesang, indem wir am Karfreitag zu Hause singen. „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ und am Ostersonntag „Christ ist erstanden!“ Wir erinnern uns an die Einsetzung des Abendmahls am Gründonnerstag, den Kreuzweg von Jesus am Karfreitag, den stillen Karsamstag, den Einzug mit der Osterkerze am Ostersonntag, ein befreites Osterlachen, in manchen Gemeinden Taufen und als Dank eine fröhliche Mahlfeier. Schließlich ist Christus auferstanden von den Toten. Wir erinnern uns, dass Jesus „Ja“ gesagt hat zu seinem Weg. Deshalb kann er ihn gestalten und sich führen lassen. Lasst uns das auch versuchen.

Meine Mutter ist mir hierin ein gutes Beispiel: Sie sagte mir am Telefon: Mein lieber Sohn: Mach Dir keine Sorgen! Ich halte mich an das Kontaktverbot und sehe mich vor beim Einkaufen und überall, wo ich hingehen und hinfahren muss. Alles andere ist meine Bestimmung. Mein Leben ist in Gottes Hand.

Als Christen können wir zuversichtlich sein und „Ja“ sagen zu den jetzt nötigen Kontaktbeschränkungen auch über die Ostertage. Seien wir achtsam und lassen uns führen! Ich bin neugierig, auf die Zeit nach „Corona“, darauf, was anders werden wird und was wir anders machen werden. Ich warte darauf, was Gott uns schenkt. Diese Gelassenheit des Glaubens habe ich auch nicht immer, aber ich bete um sie. Bitten wir darum, dass Gott uns in dieser Karwoche zeigt, was wir gestalten können und sollen und wo wir uns von ihm führen lassen. In dieser Zuversicht sage ich es noch einmal: Ostern kommt so sicher wie das „Amen“ in der Kirche!

Gebet: Jesu, meine Freude. Ich singe es. Allein und mit schwacher Stimme - und bin nicht allein. Ich singe es. Getrennt von meinen Freundinnen und Freunden - und bin nicht allein. Erbarme dich. Jesu, meine Freude. Ich singe es bangen Herzens, in Sorge um die Kranken - sie sind nicht allein. Ich singe es bangen Herzens, in Trauer um geliebte Menschen – und bin nicht allein. Erbarme dich. Jesu, meine Freude. Ich singe es mit deiner Hilfe. Ich singe es und bitte um Schutz für alle, die pflegen, die forschen, die retten. Ich singe es und bitte um Frieden in unserem Land, bei unseren Nachbarn und überall auf der Welt. Erbarme dich. Jesu, meine Freude. Allein und in dir verbunden singen wir. Wir singen und loben dich. Wir singen und beten mit unseren Freundinnen und Freunden. Wir singen und hoffen für alle, um die wir Angst haben, Dir vertrauen wir uns an, heute, morgen und jeden neuen Tag.

Vater Unser: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied - EM 202 – Bleibet hier und wachet mit mir Bleibet hier und wachet mit mir. / Wachet und betet, / wachet und betet!

Segen: Gott segne uns und behüte uns Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

Pastor Dr. Thomas Roscher, Pastorin Christine Meyer-Seifert

Andacht in der Wochenmitte vom 01.04.2020

Wer nur den lieben Gott lässt walten – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden / Stille

Lied - EM 367 - Wer nur den lieben Gott lässt walten

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

2. Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.

4. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nützlich sei; wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh wir’s uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn.

6. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu; denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott, wir sind durch deinen Geist alle miteinander verbunden. Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 55,23

Wirf dein Anliegen auf den HERRN; / der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen.

Stille

Gedanken

Ihr lieben Schwestern und Brüder! Dieses Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ gehört zu meinen Lieblingsliedern in unserem Gesangbuch. Besonders die ersten beiden, die vierte und die letzte Strophe haben es mir angetan. Dieses Lied lässt mich einfach aufatmen, wenn ich mich bedrängt fühle, und stärkt in mir die Gewissheit, dass das, was mir zu schaffen macht, nicht das letzte Wort haben wird.

In der modernen Popmusik gibt es Stars, die einen Hit nach dem anderen herausbringen. Und es gibt die sogenannten „One-Hit-Wonder“, also Künstler, die mit einem einzigen Lied groß herausgekommen sind, aber das blieb ihr einziger Hit. Ein solches Lied ist auch der Choral: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, aus der Feder von Georg Neumark.

Der Dichter, Bibliothekar und Sekretär Georg Neumark lebte in der Zeit des 30jährigen Krieges. Als relativ junger Mann, gerade mal 20 Jahre alt, dichtete er dieses Lied als Reaktion auf seine Erfahrungen der vorausgegangenen Monate. Mitten in den Kriegswirren verlässt er das Fürstliche Gymnasium in Gotha, um in Königsberg ein Jurastudium zu beginnen. Um dahin zu gelangen, schließt er sich verschiedenen Reisegesellschaften an, heute würde man das „trampen“ nennen. Auf dem Weg Leipzig nach Norden wird er überfallen und ausgeraubt. Sein Geld, Wertsachen und seine Bücher sind weg. Ihm bleibt nur das, was er am Leibe trug, sein Gebetbuch und sein Stammbuch. So ohne alles schlägt er sich bis nach Hamburg durch. Aber er findet keine dauerhafte Bleibe und auch keine Arbeit. Das löste in ihm tiefe Traurigkeit aus, eine Depression würden wir heute sagen. Monate später wendet sich sein Schicksal. Er kann in Kiel eine Lehrerstelle antreten und endlich auch seine musikalischen Talente ausleben. Das vertrieb auch seine Traurigkeit und inspirierte ihn zum Schreiben dieses wunderschönen Liedes.

Über 400 Jahre später stößt ein ganz anderer Liederdichter auf diesen alten Choral, Wolf Biermann. Ein Satz aus der zweiten Strophe spricht ihm aus der Seele und er schreibt: „Diese zwei Zeilen ‚Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit‘ trafen mich wie ein Blitz, sie erschüttern mein Herz wie eine Erleuchtung. … Meine Traurigkeit will ich mir gerne von einem Menschen ausreden lassen, aber nur von einem, der mir mein Leid nicht streitig macht.“

Und damit hat Wolf Biermann erkannt, was dieses Lied so aussagekräftig und stark macht: Es ignoriert menschliches Leid nicht, es will das Leid nicht einfach hinweg singen, so nach dem Motto: „alles halb so wild“ oder „heile, heile, Gänschen“.

Nein, so nicht. Aber das Lied macht allem menschlichen Leid und aller Angst das Recht streitig, die Oberhand zu behalten und das letzte Wort zu haben. Dahinter steht die unerschütterliche und biblisch begründete Überzeugung, dass dieser Zeit Leiden ein Ende haben wird. Dahinter steht auch die hoffnungsvolle Zuversicht, dass Unglück und Not nicht von Dauer sein werden, sondern von Gott in ihre Grenzen verwiesen werden.

Deshalb ist in der vierten Strophe nicht vom Kreuz oder dem Leid oder der Angst die Rede, sondern von den Freudenstunden und von dem Guten, das Gott uns geschehen lässt.

Unser Choral hat nicht nur Eingang in zahllose Gesangbücher gefunden, er wurde auch von Johann Sebastian Bach mehrfach aufgegriffen. Im Jahr 2002 hat er es sogar in einen Kinofilm geschafft – „Vaya con Dios“ (Geh mit Gott). Der Film erzählt die Geschichte der letzten drei Mönche des (natürlich erfundenen) Cantorianer-Ordens, der davon geprägt ist, dass der Glaube seinen Ausdruck in der Musik und im Singen findet.

Auf einer Reise zu ihrem Stammkloster in Italien kommen alle drei von ihrem eigentlichen Weg ab und es ist am Ende dieser Choral, der sie wieder zusammenführt. Als sich die drei Mönche in einer Kirche zur Messe versammeln, eilt Chiara, die sich in einen der Mönche verliebt hat, zum Organisten und bittet ihn, statt des angekündigten Liedes „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ zu spielen. Zunächst stimmt die ganze Gemeinde mit ein. Allmählich aber verstummt der Gemeindegesang und in der letzten Strophe singen nur noch die drei: „Sing bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“

Und als sie diese Worte singen, geschieht in ihnen etwas. Sie finden ihre Bestimmung wieder. Und dann folgen sie, jeder auf seine Weise, ihrer inneren Stimme, der Stimme des eigenen Herzens, der Stimme des Gesangs, der Stimme Gottes.

Vielleicht, Ihr lieben Geschwister, hilft uns ja dieses Lied, auch in dieser Zeit, die so merkwürdig und beängstigend ist, die Stimme Gottes zu hören und ihr zu folgen. Vielleicht hilft uns dieses Lied dazu, unseren Blick zu heben und auf den zu schauen, der auch in aller Angst bei uns ist und uns zugesagt hat, dass er die Welt überwunden hat.

So lasst uns singen und beten und zuversichtlich sein in der Situation, in der wir gerade sind und lasst uns die Wege gehen, die sich vor uns auftun. Lasst uns der Stimme folgen, die uns sagt: Welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht. Amen.

Gebet

Lieber Vater im Himmel, Du bist unsere Burg – ich suche bei Dir Schutz. Bei Dir bin ich geborgen, auch wenn die Coronaviren fliegen. Du gibst meinen Gedanken weiten Raum, obwohl meine Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Du schenkst mir Zeit, innezuhalten, auf Dich zu schauen, auf Jesus, Deinen Sohn, zu schauen. Du gibst mir Zeit, Dich in Deiner Größe zu entdecken, aufzuatmen, neuen Mut zu schöpfen. Danke, dass Du mich siehst. Meine Ängste haben Platz in Deinem Herzen. Ich bin frei, hoffnungsvolle Wege einzuschlagen in dem Raum, den Du mir gibst.

Vater Unser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

Pastor Lutz Brückner

Kontaktmöglichkeiten Pastorin Kathrin Posdzich 0375/287144

Andacht in der Wochenmitte vom 25.03.2020

Liebe Geschwister, es fühlt sich weiter sonderbar an, und doch leben wir damit: in dieser Zeit leben wir Gemeinschaft anders als für uns gewohnt. Wir sind miteinander unterwegs – verbunden in Gebet und Andacht.

Diese Andacht in der Mitte der Woche verbindet uns wieder auf unterschiedliche Weise – manche hören und manche lesen. Als eine Gemeinde! Als ganzer Konvent! Gott befohlen!

Wie die Träumenden – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden

Stille / Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott, wir sind durch deinen Geist alle miteinander verbunden. Wir sind verbunden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Aus Psalm 126 Luther Übersetzung 2017

1 Ein Wallfahrtslied. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

3 Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.

4 HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

6 Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. Amen Stille Gedanken Wie die Träumenden (ein Text von Simon Froben)

Das wird schön sein, wenn wir uns wieder treffen können! Das wird schön sein, wenn wir uns wieder direkt in die Augen schauen können. Das wird schön sein, wenn wir uns wieder die Hände geben und einander umarmen können – bestimmt umarme ich vor lauter Freude den einen oder die andere mehr als zuvor.

Das wird schön sein, wenn wir wieder gemeinsam Gebete sprechen und Lieder singen können – gerne auch lauthals: Zu Gott rufen, was Kummer ist und was Dankbarkeit, und den Mund voll nehmen mit zusammenklingender Freude.

Das wird schön sein, wenn wir uns wieder auf einen Kaffee zusammenhocken, miteinander reden, lachen und wo es Not tut auch weinen können.

Das wird schön sein, wenn wir die wärmende Sonne wieder in vollen Zügen genießen und die Kinder fröhlich auf dem Spielplatz spielen können.

Ja, es wird sogar schön sein, wieder zur Schule oder zur Arbeit gehen zu dürfen – wer hätte das gedacht?

All das und vieles mehr, was uns bislang vertraut und selbstverständlich war, werden wir ganz neu genießen, fast wie ein kleines Kind.

Das wird schön sein! Und bis wir uns wiedersehen halten wir aus und durch. Bis dahin leben wir in Quarantäne zwischen Hoffen und Bangen.

Bis dahin telefonieren wir und chatten wir, halten Abstand, ‚social distance‘.

Unser Schreibtisch heißt jetzt ‚home-office‘ und die Besprechungen halten wir per Video – geht alles, sogar Gottesdienste und Seelsorge, und wir beten für die Kranken und die Trauernden, und zugleich gegen die eigenen Ängste und Sorgen um die Zukunft und gegen die Verzweiflung.

Und bis wir uns wiedersehen lernen wir kreativ zu sein und viele neue Dinge. Bis dahin schreiben wir, ganz wie früher, Briefchen an unsere Nachbarn und Freunde mit Hilfsangeboten und mit Dank.

Bis dahin singen wir aus den Fenstern und musizieren auf Balkonen. Bis wir uns wiedersehen lernen wir einander neu kennen und unsere Familien und uns selbst.

Bis dahin fangen wir vielleicht sogar an, das Leben neu zu sehen: Was ist wirklich wichtig? Und bis wir uns wiedersehen fangen wir an zu träumen wie es sein könnte, nachdem es nun nicht mehr so ist wie es war.

Was wir verändern, neugestalten und wie wir neu beginnen werden.

Das wird schön sein, neu zu leben als Träumende im Hier und Jetzt, behütet, bewahrt und getröstet! Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. (Psalm 126,1-2)

Unser Vater

Fürbittgebet:

Herr, unser Gott, in diesen Tagen wird uns immer mehr das Ausmaß unserer Situation bewusst. Weltweit werden die Menschen durch das Corona-Virus bedroht, jetzt auch ganz in unserer Nähe.

Wir beten für alle Menschen, deren Angehörige in diesen Tagen an dem Virus sterben. Begleite sie in der Trauer, stärke sie, steh ihnen bei.

Wir danken dir für alle, die nun in den Krankhäusern bis ans Äußerste gehen, um anderen Menschen das Leben zu retten.

Hab dank, dass es diese Menschen gibt. Schenk ihnen Kraft, steh ihnen bei, schütze sie.

Wir danken dir, dass wir in einem Land leben können, das sich auf die Krise vorbereiten konnte und wir bitten dich für die Länder und Menschen, die das nicht in dem Maß können wie wir: steh ihnen weltweit bei und lass die Länder und Nationen enger zusammenrücken.

Herr, wir beten für alle, die nun tief erschüttert sind durch Ängste um ihre Existenz, weil ihre Arbeitsgrundlage auf unabsehbare Zeit fehlt. Schenk Ideen zur Hilfe, schenk Ruhe in die Herzen, schenk Zuversicht und Hoffnung.

Herr, wir beten für alle, die jetzt getrennt sein müssen: Enkel und Großeltern, Partner an verschiedenen Orten, Paare daheim und im Altersheim. Die Trennung schmerzt, wir verstehen nur mit Not, dass Liebe jetzt keine Nähe bedeuten darf.

Hilf uns, diese Not durchzustehen. Herr, wir haben uns gezwungenermaßen in einer anderen Welt eingerichtet. Hilf uns, diese Tage gut zu bestehen. Schenk uns jeden Tag neue Zuversicht und das Vertrauen auf dich.

Wir danken dir für all die Kreativität, die in diesen Tagen zum Vorschein kam, für das gute, liebevolle und hilfsbereite in den Menschen.

Herr, wir haben uns eingerichtet und können unser Herz doch nicht an die Schrecken gewöhnen. Wir müssen und wollen träumen, dass es ein „danach“ geben wird.

Gerade wird mit vielen Tränen gesät: Halte in uns die Hoffnung wach, dass Freude aufgehen wird. Amen.

Segen:

Gott segne uns und behüte uns Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden Amen.

(nach einer Idee von Doris Joachim)