Andacht in der Wochenmitte

Liebe Geschwister, es fühlt sich weiter sonderbar an, und doch leben wir damit: in dieser Zeit leben wir Gemeinschaft anders als für uns gewohnt. Wir sind miteinander unterwegs – verbunden in Gebet und Andacht.

Diese Andacht in der Mitte der Woche verbindet uns wieder auf unterschiedliche Weise – manche hören und manche lesen. Als eine Gemeinde! Als ganzer Konvent! Gott befohlen!

Wie die Träumenden – eine Andacht in besonderen Zeiten zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Kerze anzünden

Stille / Gebet

In der Mitte der Woche halten wir inne, Gott, wir sind durch deinen Geist alle miteinander verbunden. Wir sind verbunden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Aus Psalm 126 Luther Übersetzung 2017

1 Ein Wallfahrtslied. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

3 Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.

4 HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

6 Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. Amen Stille Gedanken Wie die Träumenden (ein Text von Simon Froben)

Das wird schön sein, wenn wir uns wieder treffen können! Das wird schön sein, wenn wir uns wieder direkt in die Augen schauen können. Das wird schön sein, wenn wir uns wieder die Hände geben und einander umarmen können – bestimmt umarme ich vor lauter Freude den einen oder die andere mehr als zuvor.

Das wird schön sein, wenn wir wieder gemeinsam Gebete sprechen und Lieder singen können – gerne auch lauthals: Zu Gott rufen, was Kummer ist und was Dankbarkeit, und den Mund voll nehmen mit zusammenklingender Freude.

Das wird schön sein, wenn wir uns wieder auf einen Kaffee zusammenhocken, miteinander reden, lachen und wo es Not tut auch weinen können.

Das wird schön sein, wenn wir die wärmende Sonne wieder in vollen Zügen genießen und die Kinder fröhlich auf dem Spielplatz spielen können.

Ja, es wird sogar schön sein, wieder zur Schule oder zur Arbeit gehen zu dürfen – wer hätte das gedacht?

All das und vieles mehr, was uns bislang vertraut und selbstverständlich war, werden wir ganz neu genießen, fast wie ein kleines Kind.

Das wird schön sein! Und bis wir uns wiedersehen halten wir aus und durch. Bis dahin leben wir in Quarantäne zwischen Hoffen und Bangen.

Bis dahin telefonieren wir und chatten wir, halten Abstand, ‚social distance‘.

Unser Schreibtisch heißt jetzt ‚home-office‘ und die Besprechungen halten wir per Video – geht alles, sogar Gottesdienste und Seelsorge, und wir beten für die Kranken und die Trauernden, und zugleich gegen die eigenen Ängste und Sorgen um die Zukunft und gegen die Verzweiflung.

Und bis wir uns wiedersehen lernen wir kreativ zu sein und viele neue Dinge. Bis dahin schreiben wir, ganz wie früher, Briefchen an unsere Nachbarn und Freunde mit Hilfsangeboten und mit Dank.

Bis dahin singen wir aus den Fenstern und musizieren auf Balkonen. Bis wir uns wiedersehen lernen wir einander neu kennen und unsere Familien und uns selbst.

Bis dahin fangen wir vielleicht sogar an, das Leben neu zu sehen: Was ist wirklich wichtig? Und bis wir uns wiedersehen fangen wir an zu träumen wie es sein könnte, nachdem es nun nicht mehr so ist wie es war.

Was wir verändern, neugestalten und wie wir neu beginnen werden.

Das wird schön sein, neu zu leben als Träumende im Hier und Jetzt, behütet, bewahrt und getröstet! Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. (Psalm 126,1-2)

Unser Vater

Fürbittgebet:

Herr, unser Gott, in diesen Tagen wird uns immer mehr das Ausmaß unserer Situation bewusst. Weltweit werden die Menschen durch das Corona-Virus bedroht, jetzt auch ganz in unserer Nähe.

Wir beten für alle Menschen, deren Angehörige in diesen Tagen an dem Virus sterben. Begleite sie in der Trauer, stärke sie, steh ihnen bei.

Wir danken dir für alle, die nun in den Krankhäusern bis ans Äußerste gehen, um anderen Menschen das Leben zu retten.

Hab dank, dass es diese Menschen gibt. Schenk ihnen Kraft, steh ihnen bei, schütze sie.

Wir danken dir, dass wir in einem Land leben können, das sich auf die Krise vorbereiten konnte und wir bitten dich für die Länder und Menschen, die das nicht in dem Maß können wie wir: steh ihnen weltweit bei und lass die Länder und Nationen enger zusammenrücken.

Herr, wir beten für alle, die nun tief erschüttert sind durch Ängste um ihre Existenz, weil ihre Arbeitsgrundlage auf unabsehbare Zeit fehlt. Schenk Ideen zur Hilfe, schenk Ruhe in die Herzen, schenk Zuversicht und Hoffnung.

Herr, wir beten für alle, die jetzt getrennt sein müssen: Enkel und Großeltern, Partner an verschiedenen Orten, Paare daheim und im Altersheim. Die Trennung schmerzt, wir verstehen nur mit Not, dass Liebe jetzt keine Nähe bedeuten darf.

Hilf uns, diese Not durchzustehen. Herr, wir haben uns gezwungenermaßen in einer anderen Welt eingerichtet. Hilf uns, diese Tage gut zu bestehen. Schenk uns jeden Tag neue Zuversicht und das Vertrauen auf dich.

Wir danken dir für all die Kreativität, die in diesen Tagen zum Vorschein kam, für das gute, liebevolle und hilfsbereite in den Menschen.

Herr, wir haben uns eingerichtet und können unser Herz doch nicht an die Schrecken gewöhnen. Wir müssen und wollen träumen, dass es ein „danach“ geben wird.

Gerade wird mit vielen Tränen gesät: Halte in uns die Hoffnung wach, dass Freude aufgehen wird. Amen.

Segen:

Gott segne uns und behüte uns Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden Amen.

(nach einer Idee von Doris Joachim)